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Kultur im Norden Ronja, Werther und Vampire
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18:10 27.04.2018

Schauspiel

Abos

Ab dem 15. Mai können Abos abgeschlossen werden (Telefon:

0451 / 7088152)

Das Spielzeitheft gibt’s ab sofort im Theater.

Tickets für die Vorstellungen ab Frühsommer.

Mehr Infos: www.theaterluebeck.de

„Zeitgemäße Themen, starke Stücke, neue Regieteams, gegenwartsbezogenes Theater“ – mit diesen Schlagworten kündigte Schauspieldirektor Pit Holzwarth gestern die neuen Inszenierungen an. Mit Ödön von Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung – ein kleiner Totentanz“ startet das Schauspiel am 7. September in den Kammerspielen. Den Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft thematisiert auch das Stück „Berlin Alexanderplatz“ nach dem Roman von Alfred Döblin, das Regisseur Andreas Nathusius am 14. September auf die große Bühne bringt. Gespannt sein darf man auf die Inszenierung des Dramas „Dogville“ von Lars von Trier (9. November). Düster geht es auch in „Das Prinzip Nosferatu oder der Tanz der Vampir*innen“ zu – ein spartenübergreifendes Projekt in Kooperation mit anderen Theatern und mit Lübeck-Bezug, der auch thematisiert wird (30. November).

Wie Trauer in Tyrannei umschlagen kann, erzählt Albert Camus in „Caligula“. Das Drama bringt Regisseurin Mirja Biel, die in Lübeck zuletzt Ibsens „Volksfeind“ inszeniert hat, am 1. Februar 2019 auf die Bühne. Man muss kein Orakel sein, um zu ahnen, dass Brechts „Dreigroschenoper“ ein Erfolg zu werden verspricht – inszeniert von Malte C. Lachmann, der schon „Monty Python’s Spamalot“ auf die Bühne brachte. Premiere ist am 9. Februar 2019. Ein altes wie aktuelles Thema greift Pit Holzwarth als Regisseur in „Istanbul“ auf: Migration. Der szenische Liederabend geht davon aus, dass deutsche Gastarbeiter in die boomende Türkei kommen – ein nachdenklich-humorvoller Perspektivwechsel (5. April 2019). Den Abschluss der Premieren macht „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow – eine immer aktuelle Geschichte von Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen möchten, aber auf ihr schönes Leben nicht verzichten wollen (17. Mai 2019).

Kinder ab sieben Jahren können sich auf das Weihnachtsmärchen „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren freuen (30. November).

Musiktheater

Ein Motto für die acht Musik-Inszenierungen gebe es nicht, sagte Operndirektorin Katharina Kost- Tolmein, zu vielfältig sei der Charakter der Stücke. Wolle man doch die sieben Opern und eine Operette unter eine Zeile fassen, dann könne das „Keine Angst“ sein, denn mit einigen Projekten betrete man Neuland.

Die erste Premiere am 1. September dürfte für Furore sorgen. Michael Wallner, der zuletzt mit „Sunset Boulevard“ einen Kassenschlager auf die Bühne brachte, inszeniert nun die Operette „Ball im Savoy“ von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda. Als Gast mit Promi-Bonus singt Angelika Milster abwechselnd mit Wioletta Hebrowska die Partie der Tangolita. Die romantische Oper „Der Freischütz“

von Carl Maria von Weber will die Frage nach dem Deutschen in der Oper stellen (12. Oktober). Mut zu Neuem beweist die Inszenierung der Oper „Werther“ von Jules Massenet. „Faust“-Preisträgerin Sandra Leupold, bekannt durch „Die tödliche Blume“, lässt sie in französischer Sprache singen (16. November). Um die Legitimation von Macht geht es in Mussorgskys Oper „Boris Godunow“, die am 25.

Januar 2019 Premiere hat. Von Leonard Bernstein wird die Kammerfassung von „A Quiet Place“ aufgeführt (8. März 2019).

Operndebüts in Lübeck geben die Regisseurin Martina Veh mit Mozarts „Don Giovanni“ (10. Mai 2019) und Lorenzo Fioroni mit Verdis „La Traviata“ (14. Juni 2019). Neu in Lübeck ist die konzertante Aufführung von Erich Wolfgang Korngolds Oper „Das Wunder der Heliane“ (24. März 2019). Der Verzicht auf Sänger ist eine Folge der Sparmaßnahmen (s. unten), der amtierende Generalmusikdirektor Andreas Wolf sieht diese Variante als „Bereicherung“. Bilder zu dieser rauschhaft schönen Musik könnten sehr gut in den Köpfen der Hörer entstehen. Für junge Zuschauer hat die Operettenshow „Topmodel“ am 15. Dezember Premiere.

Wiederaufnahmen

Seit vielen Jahren laufen etliche Produktionen immer noch vor ausverkauftem Saal, und sie werden auch weiter zu sehen sein, zum Beispiel „In der Bar zum Krokodil“, „Szenen einer Ehe“, „The Rocky Horror Show“ „Rückkehr nach Reims“, „Hüsch“, „Die Zauberflöte“, „Oliver“, „West Side Story“ und „Sunset Boulevard“.

Finanzprobleme trotz Zuschauer- und Einnahmerekord

Rekord: 179 200 Zuschauer besuchten im vergangenen Jahr das Theater – das sind gut 10000 mehr als 2016 und ist die höchste Zahl seit einem Vierteljahrhundert. Mit dieser guten Nachricht eröffnete der Geschäftsführende Theaterdirektor Christian Schwandt die Pressekonferenz. Mit etwa vier Millionen Euro durch Kartenverkauf, Spenden und anderen Einkünften habe das Theater das meiste Geld in seiner Geschichte eingenommen. Doch diese Mehreinnahmen reichten nicht aus, um die steigenden Kosten in den kommenden Jahren zu decken.

Finanznot: Durch die Erhöhung des Mindestlohns seien die Personalkosten so gestiegen, dass „wir seit Mitte des vergangenen Jahres leicht in die Verlustzone geraten sind“, sagte Schwandt. Er sprach von knapp 100 000 Euro minus. Für dieses Jahr würden weit höhere Verluste erwartet, Verantwortliche sprachen kürzlich in den LN von mindestens 300 000 Euro. Grund sind auch die erhöhten Tariflöhne im öffentlichen Dienst. „Wir sind an eine Grenze gekommen“, sagt Schwandt. Elf Spielzeiten lang seien keine Nachforderungen an Land und Stadt gestellt worden, doch absehbar würde das Theater mit den Zuschüssen (Land SH 10,5 Millionen Euro und Stadt 9,1 Millionen Euro) nicht mehr auskommen. Deshalb müsse er einen Sparkurs fahren: drei Premieren weniger, weniger Mittel für die einzelnen Produktionen. Die Zahl der Aufführungen (knapp 700 pro Jahr) soll sich aber nicht verringern.

Anerkennung: Das Theater freut sich über Förderungen der Kulturstiftung des Bundes für zwei Produktionen. Die Bedeutung des Theaters unterstreicht auch, dass die Jahrestagung des Deutschen Bühnenvereins in Lübeck stattfindet. Vom 7. bis 9. Juni werden bis zu 300 Intendanten und Politiker zu Veranstaltungen ins Theater, ins Hansemuseum und in die Kulturwerft Gollan kommen.

Petra Haase