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Kultur im Norden Mit Bach und Brahms: Das Schleswig-Holstein Musik Festival ist eröffnet
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17:26 08.07.2019
Die Porträtkünstlerin des Festivals in diesem Jahr: die Geigerin Janine Jansen. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Es war eine Festival-Eröffnung, bei der eigentlich nichts schiefgehen konnte. Gut gelaunte Elbphilharmoniker, eine prominente Solistin, ein renommierter Dirigent und ein populäres Programm mit Werken von Bach und Brahms: Intendant Christian Kuhnt hat in diesem Jahr die sichere Variante zum Auftakt des Musiksommers gewählt.

Johannes Brahms‘ Violinkonzert mit der Porträt-Künstlerin Janine Jansen stand am Beginn des Abends, nachdem Kuhnt und der für den erkrankten Ministerpräsidenten eingesprungene Innenminister Hans-Joachim Grote in ihren Reden den obligaten Dank an alle Mitarbeiter und Helfer des Festivals ausgesprochen hatten.

Leidenschaft auf der Stradivari

Dirigent Krzysztof Urbanski ließ die ersten beiden Sätze des Konzerts in einer Weise spielen, die man schon fast als „weichgespült“ bezeichnen konnte. Das passte allerdings zum feinen und intimen Violinton von Janine Jansen, die erst im dritten Satz bewies, dass sie auch zupackend spielen kann. Mit Leidenschaft und Vehemenz zeigte sie die dynamischen Möglichkeiten ihrer Stradivari aus dem Jahr 1702 auf.

Es wird hochkarätig

Urbanski ziselierte den Klang des Orchesters mit einer ausdrucksvollen Körpersprache, er schien den Ton seiner Musikerinnen und Musiker mit den Händen zu modellieren. Das war auf seine Art eindrucksvoll, manchem Zuhörer dürften jedoch die Ecken und Kanten gefehlt haben, die auch dieses Werk von Brahms auszeichnen. Die Deutung des Violinkonzerts war dennoch in sich schlüssig, das Publikum war begeistert, für die Solistin gab es viele Bravos. Janine Jansen bedankte sich mit einer hinreißend schön und ausdrucksvoll gespielten Bach-Zugabe.

Aufwand mit Sinn

Mit Bach, dem das Komponistenporträt dieses Sommers gewidmet ist, begann dann auch der zweite Teil des Eröffnungskonzertes. Die Ciaccona aus der frühen Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ (BWV 150) wurde von 20 Sängerinnen und Sängern des NDR-Chors gesungen – ein großer Aufwand für wenige Minuten Musik. Warum dieser Aufwand getrieben wurde, erschloss sich aber nur demjenigen, der das Programmheft studiert hatte. Den Ostinato-Bass aus der Ciaccona benutzte Brahms nämlich für das Thema des vierten Satzes seiner vierten und letzten Sinfonie, die anschließend zum echten Höhepunkt wurde.

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Hier griff Krzysztof Urbanskis Konzept, der Klang des Orchesters war facettenreich und ausgewogen, alle Instrumentengruppen waren meisterlich. Auffallend war auch, wie intensiv die Musikerinnen und Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters miteinander bei ihrem letzten Auftritt vor der Sommerpause spielten. Immer wieder lächelten sich die Musiker an. Es entstand eine ganz besondere Atmosphäre auf dem Podium, die sich auch dem Publikum mitteilte. Gerade der vierte Satz der Sinfonie, eine Passacaglia mit 30 Variationen, gelang ganz fabelhaft. Jede dieser kurzen Variationen hat ihren eigenen Charakter, Urbanski schaffte es, diese Unterschiede präzise herauszuarbeiten und zu einem Ganzen zu formen, das beeindruckte. So fein gearbeitet hat man diese Sinfonie, die zu den beliebtesten Werken von Johannes Brahms gehört, lange nicht mehr gehört.

Flächenbrand zwischen den Meeren

Ob man in der Ausdeutung dieser Sinfonie so weit gehen muss wie Gerald Ferber, dem Autor des Programmheftes, der das Scherzo von Breughel‘schen Spukgestalten bevölkert sah, sei dahingestellt. Brahms‘ Abschied von der Form der Sinfonie war in jedem Fall ein großartiger Beginn des Festivals, das in diesem Jahr so viele Konzerte bietet wie noch niemals zuvor. So kann der musikalische Flächenbrand im Land zwischen den Meeren getrost weitergehen.

Mehr zum Schleswig-Holstein Musik Festival gibt es hier auf der Themenseite.

Jürgen Feldhoff

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