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Kultur im Norden Bach im Schottenrock
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15:21 21.08.2019
Das Scottish Ensemble mit Jonathan Morton (Mi.) als Solist ließ die Hightlands in Wotersen ertönen. Quelle: Foto: Nickolaus
Wotersen

Das Scottish Ensemble unter Leitung des Geigers Jonathan Morton gilt als eines der besten britischen Streichorchester – seinen nahezu legendären Ruf stellte es bereits beim ersten Stück des Abends unter Beweis. Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgisches Konzert gingen die Musikerinnen und Musiker in raschem Tempo an, bereits in diesem Stück zeigte das Ensemble höchste Präzision und eine Klangkultur, von der andere Streichorchester häufig weit entfernt sind.

Rasend schnelles Tempo

Als zweiten Satz hat Bach nur zwei Übergangsakkorde notiert, es gibt also Raum für Improvisationen. Die 1956 geborene schottische Komponistin Sally Beamish hat diesen zweiten Satz auskomponiert. Sie arbeitet seit langer Zeit mit dem Scottish Ensemble und den Solisten Chris Stout (Fiddle) und Catriona McKay (Keltische Harfe) zusammen; diese Kooperation ist mehr als fruchtbar. Die beiden Solisten spielten Beamishs Mix aus Volksweisen und modernen Klängen zupackend und voller Emotion. Die Musik bestach durch ihren Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten. Den dritten Satz des Brandenburgischen Konzerts führte das Scottish Ensemble in rasend schnellem Tempo auf – eine solche Exaktheit im Zusammenspiel erreicht nur ein Orchester, das sich blind versteht und das musikalisch auf einer Wellenlänge schwingt.

Keltische Harfe und Fiddle

Das zweite Stück des Abends bot dann wieder eine Komposition von Sally Beamish. „Sevaigers“, ein altes gälisches Wort für Seefahrer, ist ein dreisätziges Werk für Streichorchester, keltische Harfe und Fiddle. Wieder war eine wunderbare Mischung von authentischer schottischer Volks- und moderner Musik zu erleben. Drei klangmalerisch gestaltete Miniaturen erklangen, vom „Sturm“ über die „Klage“ bis hin zum sicheren „Hafen“. Die Solisten Chris Stout und Catriona McKay spielten in größter Harmonie mit dem Orchester – auch dieses Werk wurde zum Erlebnis.

Nach der Pause dann Bach, zweiter Teil. Das Violinkonzert a-Moll exekutierte das Scottish Ensemble mit Jonathan Morton als Solist in barocker Pracht, wiederum in raschem Tempo, aber stets mit wunderbar transparentem Klang. Die Architektur dieses Konzerts im italienischen Stil war stets greifbar, der energische und temperamentvolle Zugriff des Orchesters bestach durch Kraft und Wandlungsfähigkeit.

Ausufernde Streicher-Eskapaden

Das galt auch für Béla Bartóks Divertimento für Streichorchester. Hier waren es ungarische Volksweisen, die dem Komponisten das Gerüst für ausufernde Streicher-Eskapaden lieferten, die trotz all ihrer Modernität stets den Zusammenhang mit den folkloristischen Grundlagen wahrten. Auch für diese Darbietung gab es großen Applaus.

Den Abschluss des Konzertes bildete dann eine Komposition von Chris Stout und Catriona McKay mit dem Titel „Dealer in Hope“. Der Titel bezieht sich auf einen Ausspruch Napoleons, der einst postuliert hat, dass „jeder Führer ein Händler der Hoffnung“ ist. Gewidmet ist das Stück dann auch Jonathan Morton, dem Leiter des Scottish Ensemble. Ein rasend schneller schottischer Reel, ein traditioneller Tanz aus den Highlands, entwickelte sich auf der Bühne, virtuos gespielt und voller überraschender Wendungen. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich eine Zugabe.

Von Jürgen Feldhoff

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