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Kultur im Norden Bach trifft Robinson Crusoe
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14:42 31.07.2019
Auf Bachs Spuren: Axel Milberg las aus Daniel Defoes Roman „Robinson Crusoe“ in Pronstorf beim SHMF. Quelle: Foto: Nickolaus
Pronstorf

Was Johann Sebastian Bach (1685-1750) alles so gelesen haben mag, weiß man nicht – in den Bücherschränken des Thomaskantors sollen vor allem Bibeln und geistliche Lehrbücher gestanden haben. Wie nähert man sich also dem Musikgenie literarisch? Vor dieser Aufgabe standen der Schauspieler Axel Milberg und der Pianist Caspar Frantz, beide gebürtige Kieler, bei der Planung ihres Programms. Und dazu gab Milberg – lässig im dunklen Poloshirt – vor Konzertbeginn am Dienstag in Pronstorf im ausverkauften ehemaligen Kuhstall erst mal eine Erklärung ab.

„Ich will das nicht, da langweilen sich die Leute“

Mit Texten aus der Barockzeit, mit Grimmelshausen und der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg hätten sie sich zunächst beschäftigt, erläuterte Milberg – und so steht es auch noch im Festival-Katalog. Doch beim Proben fand er: „Ich will das nicht, da langweilen sich die Leute.“ Gerade recht kam ihm da eine ungekürzte Neuübersetzung von Daniel Defoes (1660-1731) Robinson Crusoe im Mare-Verlag und die Erkenntnis, dass dieses Buch weit mehr als eine Abenteuergeschichte ist.

Die Frage ist, wie wollen wir leben

Wie bei Bach gehe es bei Defoe um Religiosität, die Suche nach Trost, das Hadern mit Gott, die Schöpfung und die große Frage, wie wir miteinander leben sollten. Also Defoe. Klug ausgewählt hatte Milberg dazu einzelne Passagen – Gespräch mit dem Vater, Schiffbruch, Gebet, Eindringlinge –, die er mit manchmal nur kleiner Geste illustrierte, immer mit großem Ausdruck las. Caspar Frantz interpretierte klug ausgewählte Werke von Bach, dessen Zeitgenossen Dieterich Buxtehude und Felix Mendelssohn, der maßgeblich von Bach beeinflusst wurde, virtuos wie unaufgeregt.

Es war eine gute Idee, das geplante Programm zu kippen und eine neue Brücke zwischen zwei Zeitgenossen zu bauen. Und die Anregung, Robinson Crusoe als Erwachsener noch einmal neu zu entdecken.

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