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Kultur im Norden Gänsemarsch und Pronstorf Blues
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18:00 22.07.2019
Marc Picar aus Holland ließ seine Toulouser Gänse im Takt marschieren. Quelle: foto: axel nickolaus
Pronstorf

Wie bringt ein US-Amerikaner mit Wiener Schmäh in der Stimme einem norddeutschen Publikum das Jodeln bei? Na klar, mit Franz Schuberts „Die Forelle“. Liegt doch nahe. Der Auftritt des Baritons, Gitarristen und Folk-Musikers Bryan Brenner (31) war einer der Höhepunkte des „Musikfests auf dem Lande“ in Pronstorf, einem bunten und vielschichtigen zweitägigen Festival.

Seit acht Jahren schon lebt Bryan Benner, der zuvor unter anderem am Royal Conservatoire in Schottland Operngesang studiert hatte, nun schon in Wien. Das hat nicht nur die Aussprache seines sehr guten Deutsch entscheidend geprägt, sondern ihm seine Helden der Romantik sowie die Literatur von Goethe, Schiller, Mörike oder Rilke noch näher gebracht. Benner versteht es ausgezeichnet, Klavierstücke für die Gitarre umzuarrangieren und mit seinem volltönenden Bariton – der häufig genug ins Reich der Folkmusik hinüberschwappt – zu interpretieren.

Die Forelle fand ihr tragisches Ende

Aber warum auf Englisch? Der Songwriter und Komponist hat eine einfache Erklärung: Man nähere sich der Stimmung, dem Gefühl eines Liedes oder Gedichts am besten über die eigene Muttersprache. Da begnügte er sich nicht mit vorhandenen Übersetzungen, sondern machte sich selbst ans Werk. Doch keine Angst: Auch bei Bryan Benner geschieht mit der Forelle nichts Revolutionäres: „The fish found his tragic end“.

Das Publikum im Pronstorfer Kuhstall folgt dem Sänger willig, lässt sich zum Refrain zu einem recht passablen Jodeln animieren, und ist auch drei Lieder später mit Begeisterung dabei, als Benner nicht nur fragt, wer denn Goethes Erlkönig noch kenne, sondern dies auch gleich bewiesen haben will. Das unisono von Hunderten gemurmelte halbe Gedicht übersteigt sogar die Länge eines Vaterunsers. Gottesdienstatmosphäre.

Picknickgäste flüchteten vor dem Gewitter

Zum Auftakt des Musikfestes war der junge Pianist Robert Neumann für die gleichfalls 18-jährige Lauren Zhang eingesprungen, die eigentlich vorgesehen war. Neumann überzeugte nicht allein mit Stücken von Haydn und Liszt, sondern platzierte dazwischen seine eigene Sonate „Leviathan“, immerhin bereits opus 15, ein bemerkenswertes Stück zwischen Gershwin und moderner Klassik.

Was 2019 in Pronstorf vor allem überzeugte, war die Vielfalt der dargebotenen Musik. Nicht nur im Kuhstall. Hauptattraktion in den Pausen waren die Toulouser Gänse, die die Niederländer Marc Picar und dessen Frau im Takt übers Gelände watscheln ließen – Beethovens Neunte im Gänsemarsch, da wurden die Handys gezückt.

Ländliche Bezüge gab es auch auf der Bühne: Eigens einen „Pronstorf Blues“ brachte das Classical Jazz-Duo mit dem Klarinettisten Zilvinas Brazauskas und dem Vibraphonisten Peter Fleckenstein mit. Letzterer hat sein Schlagzeug-Studium vor Jahren in Lübeck begonnen.

Als das Ardemus Quartett mit seinen vier Saxofonen mit Sätzen aus Händels Wassermusik begann, drohte draußen ein düster-bedrohlich blaugrauer Himmel, und die Picknick-Gäste machten sich auf den Weg. Das war klug. Als die vier jungen Saxofonisten aus vier Ländern ihr Konzert beendeten, tobte draußen das Gewitter los.

Ein versöhnlicher Sonntag mit viel Sonne draußen und finnischen Tangoklängen drinnen folgte sowie den hochtalentierten Geschwistern Anouchka (Cello) und Katharina (Klavier) Hack. Den überaus virtuosen Schluss besorgte dann das Quartett des belgischen Klarinettisten Jaan Boussier. „Klezmenco“ nennen die Musiker ihr Programm, in dem sie die gleichermaßen seelenvollen Musikstile Klezmer und Flamenco miteinander verbinden. Zwar steht dabei die Klarinette im Vordergrund, doch auch Laurent Weibel (Geige), Gwen Cresens (Akkordeon) und Axel Ruge (Kontrabass) bekamen zum Finale in Pronstorf reichlich Gelegenheit für Soli.

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