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Kultur im Norden „Moby Dick“ lebt – dank Ulrich Tukur
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Moby Dick“ lebt – dank Ulrich Tukur
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17:06 10.07.2019
Konzentrierten sich auf das Wesentliche: Ulrich Tukur (l.) und Sebastian Knauer.L Quelle: Lothar Hermann Kullack
Pronstorf

Mal knurrt er wie der Kneipenwirt, der dem Erzähler Ismael ein Bett zur Mitbenutzung anbietet. Dann bellt er ungebremst wie der Kannibale Queequeng. Beschreibt Ismael aber die ruhige friedliche See, dann kann Ulrich Tukur nahezu zärtlich klingen. Und am Ende brüllt er mit sich überschlagender Stimme die Worte von Kapitän Ahab, den nichts auf der Welt interessiert als die Jagd nach dem weißen Wal: Vor 700 Zuhörern im ausverkauften Pronstorfer Kuhstall gestalteten Schauspieler Ulrich Tukur und Pianist Sebastian Knauer eine grandiose szenische Lesung von Herman Melvilles „Moby Dick“.

Nahezu 1000 Seiten Weltliteratur, eine Vielfalt von Gestalten und Charakteren, das alles dargeboten von einem Sprecher mit Musikunterstützung in nicht einmal 90 Minuten – geht das überhaupt? Das geht, nämlich mit der schauspielerischen Erfahrung und Finesse eines Ulrich Tukur, der gern bekennt, in jungen Jahren wie viele auf der Hälfte von „Moby Dick“ steckengeblieben zu sein. Mit dem Buch habe er sich erst wieder beschäftigt, als er seinen Kollegen Klaus Maria Brandauer bei einer Melville-Lesung vertreten musste.

Der Wirt und der Kannibale

Die Kunst in der Zusammenfassung des Romans für diese Lesung – an der noch bis zu seinem letzten Tag Wolfgang Knauer, der dann verstorbene Vater des Pianisten, mitgewirkt hatte – ist die Verknappung. Längst nicht jede gewaltige Szene wird überhaupt in den Text aufgenommen, eine Vielzahl der Gestalten aus dem Buch wird gestrichen. Umso ergiebiger und filigraner werden einige wenige Figuren dargestellt: Erzähler Ismael, Käpt’n Ahab natürlich und der scheinbar zahnlose Wirt ebenso wie Walfänger Queequeng, der vom „Kannibalen“ zum besten Freund Ismaels gerät – bis hin zum nassen Tod.

Unterstützt wird die spannende Präsentation von der einfühlsamen Musik Sebastian Knauers, der alles Spektakuläre und Plakative aus dem maritimen Genre gar nicht anrührt und sich dafür in großzügiger Interpretation ans klassische Klavierrepertoire des 19. Jahrhunderts hält, ergänzt um ein Largo von Bach und etwa Scott Joplins „The Strenuous Life“. Reichhaltiger Schlussapplaus belohnte beide Akteure.

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Lothar Hermann Kullack

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