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Kultur im Norden Von Bach und über Bach
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13:58 12.07.2019
„Diamanten, die vom Himmel fallen“: Sebastian Knauer. Quelle: hfr
Wotersen

Der Pianist Sebastian Knauer ist vor allem als Interpret des klassisch-romantischen Repertoires bekannt, einige seiner Beethoven-CDs gelten als Referenz-Aufnahmen. Er hat sich aber auch intensiv mit der Musik von Johann Sebastian Bach auseinandergesetzt – und mit den musikalischen Möglichkeiten, die sich aus der Weiterentwicklung der Bach’schen Werke ergeben.

„Über Bach“ lautete dann auch der Titel des Konzertes in der Reithalle von Schloss Wotersen, bei dem Sebastian Knauer gemeinsam dem Vibrafonisten Pascal Schumacher und dem Zürcher Kammerorchester auftrat. Der Abend begann mit „Bach pur“, Knauer spielte auf dem Steinway-Flügel Bachs Cembalo-Konzerte BWV 1055 und 1052. Das nur mit Streichern besetzte Kammerorchester und der Solist verständigten sich nur mit Blicken, weder der Konzertmeister noch der Pianist mussten sich als Dirigent versuchen.

Fast zu schnell

Tiefes Verständnis und höchste Präzision prägten die Wiedergabe der beiden Konzerte, in denen Sebastian Knauer sehr schnelle Tempi wählte. Im Larghetto des A-Dur-Konzertes wirkte diese Raschheit fast zu schnell, aber der überaus kultivierte Streicherklang und Knauers dynamisch facettenreiches Spiel ließen darüber hinweghören. Bereits für diesen ersten Teil des Konzertes gab es stürmischen Applaus.

Nach der Pause folgten dann vier Konzerte für Klavier, Vibrafon und Streicher sowie eine Modulation des 1981 geborenen iranischstämmigen Komponisten Arash Safaian, die den Titel „ÜberBach“ tragen. „Man meint, Bach zu hören, und hört doch nicht Bach“, sagte Sebastian Knauer in seiner Anmoderation der Konzerte, die sich als ein Höhepunkt im Johann Sebastian Bach gewidmeten Komponistenporträt des Festivals erwiesen. Schon allein die Klangmischung aus Klavier und dem von Pascal Schumacher meisterhaft gespielten Vibrafon erstaunte und begeisterte, dieser Klang erinnerte tatsächlich, wie Knauer angekündigt hatte, an „Diamanten, die vom Himmel fallen“.

Respekt vor Bach

Arash Safaians Kompositionen basieren auf Themen und Formen aus dem Werke Bachs, von Orgelstücken bis hin zu den großen Passionen. Safaians Musik ist aber weit mehr als eine Überschreibung der barocken Vorlage, er schafft aus dem Bach’schen Material völlig neue melodische, harmonische und klangliche Welten. Die zwar immer an Bach erinnern, aber dennoch eine neue Qualität darstellen. Bewundernswert an dieser Musik ist nicht zuletzt der große Respekt, den der junge Komponist Bach entgegenbringt und der aus jeder Note spricht. Nichts in diesen in den letzten Jahren entstandenen Konzerten ist nicht bereits bei Bach angelegt oder vorgegeben – hier zeigte sich auch, wie modern die Musik Bachs ist.

Safaians Musik könnte in Passagen gut als Filmmusik dienen, sie klingt aber auch wie absolute Musik, die ihren Wert aus sich allein schöpft und deshalb so großartig wirkt. Moderne Meisterwerke, an denen Bach sicher seine Freude gehabt hätte. Zudem fabelhaft gespielt von den beiden Solisten und dem Orchester, zwischen denen tiefstgehendes Verständnis herrschte. Schon allein die dynamischen Facetten sind in einer solchen Vielfalt wie an diesem Abend nur selten zu hören – eine fabelhafte Wiedergabe.

Das Publikum in der nicht ganz ausverkauften Reithalle war mehr als begeistert und erklatschte sich eine Zugabe. Ein wunderbarer Abend.

https://www.ln-online.de/shmf

Jürgen Feldhoff

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