Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden SHMF 2019 mit Superstar Jamie Cullum
Nachrichten Kultur Kultur im Norden SHMF 2019 mit Superstar Jamie Cullum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:24 26.06.2019
Auf der Bühne lässt Jamie Cullum seinem Temperament freien Lauf – mit einer das Publikum mitreißenden Begeisterung für Jazz in allen Spielfarben.  Quelle: Foto: Imago
Lübeck

Jamie Cullum hat sich Zeit gelassen. Fünf Jahre sind seit seinem letzten, hochgelobten Jazzalbum „Interlude“ vergangen. Jetzt ist der quirlige Brite wieder da. „Taller“, zu deutsch „Größer“, heißt sein neues Werk. Der Titel ist unter anderem eine selbst ironische Anspielung auf seine Körpergröße – der 39-Jährige ist nur 1,64 Meter groß – er drückt aber auch das Bestreben aus, zu reifen, als Mensch und als Musiker.

Jamie Cullum, das wilde Spielkind des Jazz, ist nach seiner Heirat mit dem britischen Plus-Size-Model Sophie Dahl in eine neue Rolle hineingewachsen. Er ist Vater von zwei Töchtern, Lyra (8) und Margot (6), das verändert den Fokus und den Blick aufs Leben. „Es ist ein bisschen so, als wenn man ein alternder Popstar ist, und man schreibt Songs über Nächte in den Clubs, obwohl man gar nicht mehr in die Clubs geht“, erklärt Cullum. „Ich konnte nicht einfach Songs darüber schreiben, wie ich meine Kinder zur Schule fahre.“

Mit dem Plus-Size-Model Sophie Dahl, die auch erfolgreich als Autorin arbeitet, ist Jamie Cullum seit 2010 verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter. Quelle: AFP

Quer durch alle Genres

Der Jazzpianist ist einer der unkonventionellsten und provozierendsten zeitgenössischen Musiker. Zuhause im Jazz, aufgewachsen mit Rock, Pop und Hip-Hop, bringt Jamie Cullum regelmäßig die Jazz-Puristen gegen sich auf, weil er fröhlich durch die Genres streunt, aufsammelt und mitnimmt in seine Musik, was und wie es ihm gefällt.

Sein Musikstil ist ein changierendes Crossover, in dem Jazz-Rock und Pop immer wieder neue Allianzen eingehen. Das gefällt nicht jedem – ihn schert’s nicht. „Es gibt kaum ein Genre, in dem die Hörerschaft teilweise so festgefahren ist, wie im Jazz. Das ist wirklich schade, denn ich finde, dass man gerade beim Jazz unheimlich viele Möglichkeiten des freien Ausdrucks hat“, sagte Jamie Cullum in einem Interview mit „Laut.de“.

Neugier und Begeisterung treiben den „Musik-Nerd“ um, und an – auf der Bühne gibt es dann kein Halten mehr: Wie ein Springteufel, tanzt und wirbelt er zwischen Bühnenrand und Klavierhocker hin und her, traktiert die Tasten und springt auf den Flügel.

Sein Enthusiasmus ist ansteckend, die Dynamik, die Jamie Cullum live entfacht, mitreißend.

Wie außerordentlich gut er als Arrangeur und als Sänger ist, zeigt sich gerade in seinen Cover-Versionen von Jazz-Klassikern. Den inzwischen etwas in die Jahre gekommenen Song „Gigolo“ interpretierte er beim Elbjazz-Festival Ende Mai so spannend und neu, als hörte man den Song zum ersten Mal.

Mehr zum SHMF 2019

Lesen Sie hier noch weitere Highlihts zum Festival:

Kika-Star Levent Geiger kommt nach Stocksee

Schauspieler Ulrich Tukur liest „Moby Dick“

Musik und Picknick auf dem Land

Bach steht im Mittelpunkt des SHMF

Zehn grandiose Konzerte mit Ausnahmegeigerin Janine Jansen

Eigene Arrangements nach Cullum-Art

Mit ganz eigenen, frischen Arrangements von Jazzstandards hat Jamie Cullum schon ganz zu Anfang seiner Karriere kurz nach der Jahrtausendwende hellhörig gemacht. 19 Jahre ist er da, sieht kaum älter aus als zwölf und ist doch fast schon ein Profi, aufgewachsen mit Musik von Kindesbeinen an. Jamies Mutter stammt aus Burma, der Vater aus Israel; die Großmutter war aus Ostpreußen vor den Nazis nach Palästina geflohen.

Die Eltern spielen zusammen in der Coverband „The Impacts“, die Söhne Ben und Jamie lernen erst Klavier, dann Gitarre, nehmen Gesangsunterricht. Als Musiker in Clubs, Bars, auf Hochzeiten und Kreuzfahrtschiffen finanziert Jamie Cullum sein Studium in Literatur und Film – und 1999 sein erstes, selbst produziertes Album „Heard it all before“. Vier Jahre später gewinnt er als „Rising Star“ den British Jazz Award.

Es ist der Durchbruch. Bereits das dritte Album „Twentysomething“ des Newcomers verkauft sich 2,5 Millionen mal. Jamie Cullum ist jetzt entfesselt. Er folgt seinem Bauchgefühl, überspringt Genregrenzen, unternimmt auf den nächsten Alben Exkurse in die Rock- und Popmusik, folgt seiner Neugier und Experimentierfreude. Er sei ein spontaner Mensch, sagt Cullum von sich, und seit der Geburt seiner Kinder empfinde er sich befreiter: „Mich kümmert weniger, was die Leute von mir denken oder was sie von mir erwarten.“

Von sich selbst allerdings erwartet Jamie Cullum auch nach zwanzig Jahren Karriere noch so einiges – auch deshalb hat sein neues Album so lange auf sich warten lassen. „Taller“ ist sehr viel deutlicher als seine Vorgänger ein Singer-Songwriter-Album geworden, musikalisch überschäumend, aber auch nachdenklicher, persönlicher.

Er habe mehrere Anläufe dafür gebraucht, erzählt Jamie Cullum. „Ich weiß, dass ich nicht der Musiker bin, der ich sein möchte“, sagt er und nennt als Vorbilder unter anderem Jazz-Legende Django Reinhardt, Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards und US-Pianist Keith Jarrett, den er „in hundert Jahren nicht“ erreichen könne.

Um ein großartiger Musiker zu werden, brauche es „viel Hingabe und Liebe“. Das sei noch „ein langer, langer Weg“, sagt Jamie Cullum – mit vielleicht etwas zu viel Bescheidenheit. Musikalisch ist er schon lange ein Großer.

Regine Ley

Zehn Konzerte wird die grandiose Geigerin zwischen Rellingen und Bordesholm geben. Höhepunkt dürften ihre Auftritte mit dem London Symphony Orchestra werden.

26.06.2019

Das Künstlerdorf Buchholz am Ratzeburger See lädt am 30. Juni zu Werkstattbesuchen ein, und an den kommenden Wochenenden gibt’s Kunst in Knabjohann’s Scheune.

26.06.2019

Nach dem Rücktritt des Lübecker Theaterdirektors Christian Schwandt ist eine Diskussion um die Theaterförderung im Norden entbrannt. Nun melden sich die Freien Theater mit Forderungen.

26.06.2019