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Kultur im Norden Mitreißendes Klezmer-Programm in Wotersen
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18:30 29.08.2019
Das David Orlowsky Trio mit Florian Dohrmann am Kontrabass, David Orlowsky (Klarinette) und Jens-Uwe Popp (Gitarre). Quelle: foto: Nickolaus
Wotersen

Mit großem Bedauern nahmen die Besucher vom SHMF in Wotersen die Information gleich zu Beginn des Konzerts auf, dass sich das David Orlowsky Trio fast am Ende seiner Abschiedstournee befindet. Hier war es das drittletzte Konzert, das von diesem erfolgreichen Trio noch zu hören war. Die Musiker wollen sich eigenen Projekten widmen.

Rückblick auf 21 Jahre

„Wir werfen einen Rückblick auf 21 Jahre“, gab David Orlowsky in ebenso lebendiger wie humorvoller Moderation bekannt. „Wir sind natürlich ziemlich traurig, aber auch stolz, 21 durchgehalten zu haben. Also drei Mal so lang, wie in Deutschland eine durchschnittliche Ehe hält. Wir sind zu dritt und mögen uns immer noch.“ Aus verschiedenen musikalischen Welten kommen die drei Musiker: der Klarinettist David Orlowsky aus Klezmer und Klassik, der Gitarrist Jens-Uwe Popp aus der Klassik und Florian Dohrmann am Kontrabass aus dem Jazz. Gemeinsam haben sie die Tradition der Klezmermusik fortgesetzt und wurden zweimal mit dem Echo-Klassik ausgezeichnet. Der heftige Applaus schon gleich zu Beginn des Konzerts zeigte, wie sehr die Musik dieses Trios geliebt wird.

Osteuropäisch-jüdisches Klangerbe

Unverkennbar der einzigartige Klarinetten-Sound von David Orlowsky, der auf seinem Instrument jede Gefühlslage zum Ausdruck bringt: von Singen, Frohsinn, Heiterkeit und Jubel bis zu Schwermut mit Weinen und Klagen. Das Trio ist ein Ensemble, das die Genregrenzen der Klassik, des Klezmer, des Pop, der Musik des Vorderen Orients und des Jazz facettenreich auslotet. Stets auf der Suche nach jüdischen Wurzeln ist es insbesondere die Klarinette, die herzergreifend, mal mit schreiendem Gesang, dann wieder mit sanften, weichen Tönen die Klangfarbe bestimmt. Mit stilistischer Bandbreite dieses mitreißenden Klezmer-Programms stammen die überwiegend sentimentalen Stücke mit dem osteuropäisch-jüdischen Klangerbe und dem bittersüßen Flair fast alle aus der Feder dieses Trios.

Die Wurzeln der Klezmermusik liegen in Osteuropa, sie ist im engeren Sinn die traditionelle Hochzeits- und Festmusik der jiddischsprachigen aschkenasischen Juden im Osteuropa des 18. und 19. Jahrhunderts. Wenn Juden feierten, durften die Klezmer-Musiker nicht fehlen. „Eine Beerdigung ohne Weinen ist wie eine Hochzeit ohne Klezmer“, sagt ein altes Sprichwort. Diese traditionelle Instrumentalmusik wurde hauptsächlich mit Geige und einer osteuropäische Form des Hackbretts, auch mit Streich- und Schlaginstrumenten gespielt. Erst viel später setzte man die heute typischen Klezmerinstrumente Klarinette und Akkordeon ein.

Standing Ovations nach mehreren Zugaben

Die beschwingten Klänge ließen die Konzertbesucher nicht still sitzen. Sie bewegten sich im Takt, schlugen den Rhythmus mit dem Fuß oder schwangen wohl ganz unbewusst nach der Musik ihre Fächer, die sie für eine Abkühlung in die aufgeheizte Reithalle mitbrachten. Der jubelnde Applaus steigerte sich während des Konzerts. Als das Publikum vor Begeisterung nicht mehr zu bremsen war, gab es nach mehreren Zugaben Standing Ovations. „Und bis zum nächsten Mal“, rief Orlowsky in das Publikum.

Von Margret Pantelmann

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