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Kultur im Norden Still wie in einer Andacht
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17:12 13.07.2019
Die Technik makellos, die Virtuosität beeindruckend: Olivier Latry. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Während sich der Abend langsam über Lübeck senkte, spielte Olivier Latry am Freitag Bach und Werke, die romantische Komponisten über dessen Namen B-A-C-H geschrieben hatten, wie beispielsweise Robert Schumann oder Franz Liszt. In den Kronleuchtern von St. Jakobi strahlten Kerzen. Die gotische Kirche wurde in ein eigenwilliges Licht getaucht, das eindrucksvoller war, je dunkler es wurde.

Olivier Latry ist ein Künstler, der ein Kirchenschiff dröhnen lässt, dass es fast schon körperlich schmerzt. In St. Jakobi ging er bis an die Grenze des Machbaren, überschritt sie aber nie.

Filigrane Gebäude

Seine Technik war makellos, die Virtuosität beeindruckend. Seine Interpretationen bewiesen nicht nur Können, sondern auch Geschmack. Hauchzart spielte er Charles-Marie Widors „Marche du veilleur de nuit“ aus Bachs Memento nach „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWZ 645). Ein zarter Glanz entstand, ein filigranes Klanggebäude baute sich auf.

Kraftvoll und zupackend war danach Franz Liszts Präludium überB-A-C-H. Die sich anschließende Fuge baute sich auf wie aus dem Nichts, zuerst irrlichternd, dann raumgreifend und schließlich rasant und bedrängend. Olivier Latry spielte stilsicher. Bachs Passacaglia c-Moll BWV 582 schien sich immer höher zu schrauben, sich wieder zu beruhigen, um dann in ein großes Finale zu münden.

In der Musik leben

In der Kirche war es still wie in einer Andacht. Auch zwischen den Werken kein Husten, kein Räuspern aus dem Publikum, nur gebannte Aufmerksamkeit. Es war ein großartiges Konzert eines Künstlers, der so in seiner Musik lebte, dass er sein Publikum mitzog.

Sie standen alle am Ende dieses Konzertes, die Besucher des ausverkauften Abends in St. Jakobi Lübeck, und blickten hoch zu diesem Punkt zwischen Himmel und Erde. Hoch oben, noch über der Empore verbeugte sich sehr bescheiden Olivier Latry, einmal zum Publikum links der Großen Orgel, einmal zu den Hörern der rechten Seite. Als der Applaus nicht enden wollte, spielte er eine Zugabe. Das Publikum wäre gerne noch länger geblieben.

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Cornelia Schoof

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