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Kultur im Norden Sir Simon Rattle und Janine Jansen brillieren in der MuK
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17:16 14.08.2019
Janine Jansen verlieh ihrer Stradivari beim Gastspiel mit Sir Simon Rattle (r.) und den Londoner Symphonikern in der MuK eine Stimme von entrückter Schönheit. Quelle: Axel Nickolaus
Lübeck

Es gibt Menschen, die brauchen nicht ihre Stimme zu erheben, um gehört zu werden; Redner, die so zu fesseln vermögen, dass man ihnen an den Lippen hängt, um nur keine Silbe zu verpassen. Wenn Janine Jansen, die Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musikfestivals 2019, ihre Stradivari sprechen lässt, dann passiert genau das: Der Saal verstummt, nicht das kleinste Räuspern ist mehr aus dem Auditorium zu hören, das Publikum hält den Atem an, in den Bann geschlagen von der Eindringlichkeit dieser Stimme – und scheint erst wieder Luft zu holen, als der letzte Ton verklingt.

Wiedersehen mit Sir Simon Rattle in Lübeck

Das Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn bildet den Mittel- und Höhepunkt des einzigartigen Gastspiels des London Symphony Orchestra mit Sir Simon Rattle am Pult. Der Weltklasse-Dirigent, der 16 Jahre lang die Berliner Philharmoniker führte und seit 2017 als musikalischer Direktor den Londoner Symphonikern vorsteht, war zuletzt vor zehn Jahren beim SHMF zu Gast. Dank Janine Jansen, die sich ein Programm mit Rattle und seinem Orchester gewünscht hatte, gab es nun ein Wiedersehen. „Man kann dieser Frau einfach nichts abschlagen“, sagte SHMF-Intendant Christian Kuhnt zur Begrüßung des Publikums und der Musiker.

Lesen Sie hier ein Porträt der SHMF-Künstlerin in Residence 2019

Das Programm dieses Abends ist klug aufgebaut. Mit Benjamin Brittens „The Young Persons’s Guide to the Orchestra“, op. 34, zum Auftakt hat das Orchester Gelegenheit, die Zuhörer einzustimmen und sich als Klangkörper in allen Facetten und Feinheiten zu präsentieren. Britten schrieb sein Werk mit dem Untertitel „Variationen und Fuge zu einem Thema von Purcell“ 1945 ursprünglich für einen Lehrfilm über die Orchesterinstrumente. Es ist ein heiteres, leichtes Stück und darauf angelegt, die Tonfarben und Möglichkeiten der Instrumentengruppen vorzustellen.

Ein Lehrstück von Benjamin Britten

Das Orchester setzt ein, um das musikalische Thema vorzustellen, dann folgen einer nach dem anderen die Holzbläser, die Streichergruppen, Harfe, Horn, Bläser und Schlagwerk. Mit Brittens Lehrstück zeigen sich die Londoner Symphoniker als ein harmonisch eingestimmter Organismus mit einem eigenen charakteristischen Ton, warm, weich mit Präzision. Mal tritt dieses Ganze in den Hintergrund, mal stürmt es voran. Mit der Fuge findet es zu einem hell aufstrahlenden Ganzen zusammen, aus dem sich tanzend die Flöten absetzen, bevor sie Zwiesprache mit den Bässen eingehen. Über das vibrierende Summen der Streicher legt sich der Gesang der Harfe, galoppierend stürmen die Bläser voran, das Schlagwerk folgt mit klapperndem Getrappel in einen fröhlichen Ausritt – bis das Orchester einfällt, vorantreibt und das Publikum mitnimmt ins abschließende Fortissimo.

Wie im Rausch

Das London Symphony Orchestra hat sein Potenzial offenbart, mit Mendelssohns Violinenkonzert konzentriert sich seine Aufmerksamkeit nun auf Janine Jansen. Ohne Orchestervorspiel setzt ihre Violine fast ansatzlos mit dem Hauptthema ein. Janine Jansen braucht nur wenige Takte, um den Zuhörern den Atem zu nehmen, obwohl ihr Spiel fast zurückgenommen wirkt. Warm und sanft, mit großer Feinheit und Klarheit lässt sie ihre Stradivari singen. Kurz droht der große Klangkörper diese feine Stimme zu überdecken, doch schon hat Sir Simon Rattle die Musiker auf die Solistin fokussiert.

Hier finden Sie alle Berichte zum SHMF 2019

Janine Jansen hat sich dieses Orchester nicht ohne Grund gewünscht, sie hat bereits eine Japan- und Korea-Tournee mit ihm absolviert. Solistin und Dirigent feiern das Wiedersehen mit einem entfesselten Violinenkonzert, in engem Blickkontakt agieren sie in einer Art symbiotischem Einverständnis zur Musik Mendelssohns. Jansen spielt mit magnetischer Intensität und tiefem Ausdruck. Das sehnsuchtsvolle Thema des zweiten Satzes gestaltet sie wie im Rausch, hingegeben an die Melancholie dieses Andante, bis sich in fließendem Übergang zum dritten Satz ein heiterer, verspielter Dialog mit dem Orchester entwickelt. Wie ein Starentanz, losgelöst von jeder Erdenschwere, wirken dabei die übermütig hüpfenden und trillernden Kapriolen, die Jansen mit den Symphonikern vollführt, bevor das Publikum in die Pause entlassen wird – nicht ohne die Künstlerin anhaltend zu feiern.

Besser geht’s nicht

Mit Brahms’ zweiter Sinfonie darf danach noch einmal das Orchester seine ganze Brillanz ausspielen. Brahms hat seine Klangfantasie 1877 in der „Sommerfrische“ am Wörthersee geschrieben, ein atmosphärisch dichtes und warmes Panorama in vier Sätzen, durch das Simon Rattle mit strenger Disziplin hindurch leitet. Rattle führt souverän mit großer Übersicht, erzeugt einen satten, harmonischen Klangkörper – glänzend heraustreten dürfen die Musiker dennoch, allen voran die Flötisten, Hörner, Holzbläser und Celli. Mit Dynamik und Pathos und Tempo bricht schließlich das Finale herein und versetzt den Saal noch einmal in einen beglückenden Rausch. Besser geht’s nicht.

Der begeisterte Applaus ist wohlverdient – Dvoraks „Slawischer Tanz, No. 7“ als Zugabe auch.

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