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Kultur im Norden So hat man Bach noch nicht gehört!
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16:11 09.08.2019
Die schwarzen Anzüge sind nicht das übliche Bühnen-Outfit der Musiker. Das Renegades Steel Orchestra spielte Bach im klassisch-schwarzen Anzug – zu Ehren des Meisters. Quelle: Regine Ley
Timmendorfer Strand

Johann Sebastian Bachs majestätische Orgelwerke, seine Kantaten und harmonisch ausgearbeiteten Kompositionen – gespielt auf Steeldrums und sonst nichts? Was erst einmal kaum vorstellbar scheint, überzeugte am Donnerstagabend beim SHMF mit dem Auftritt einer der ältesten Steelbands Trinidads bereits zum Auftakt.

Das Renegades Steel Orchestra spielt zur Eröffnung Bachs Fuge g-Moll. Von den Steelpans steigt eine Klangfülle und -tiefe auf, die dem dichten, satten Sound einer Orgel, für die das Stück geschrieben ist, sehr nahe kommt. Was für eine Überraschung! Die Schlaginstrumente bergen so viele Klangfarben und Stimmlagen, dass sie die Melodik der Bachschen Kompositionen nahezu wie ein ganzes Orchester abbilden können. Das Publikum lauscht mit gespitzten Ohren und ist vom Fleck weg gebannt. So hat man Bach noch nicht gehört.

Ein ausgelassener Tanz der Töne

Die Band unter Leitung von Desmond Waithe hat für ihre Performance bekannte Stücke des Komponisten ausgesucht, deren Melodien leicht wiederzuerkennen sind. Umso deutlicher wird schnell, wie universell die Kompositionen Bachs sind, sie lassen sich auch in andere Musiktraditionen einbinden und in Instrumentierungen jenseits des klassischen Kanons. Die Musiker der Steelband setzen sie virtuos auf ihren Instrumenten um. Bachs Werke erleben hier eine Wiedergeburt in strahlender Frische und Leichtigkeit. Perlend und schwerelos wie Luftblasen steigen die Töne bei „Air“ aus der Dritten Orchestersuite auf, begleitet von ersten Bravo-Rufen. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ ist ein Weckruf, dem die treibende Energie der Renegades Steelband eine ungeheure Dynamik mitgibt. Als das Bach-Programm mit der Toccata und Fuge d-Moll in einem geradezu ausgelassenen Tanz der Töne endet, gehen die Zuhörer berauscht und erwartungsfroh in die Pause.

Calypso – der Karibik-Sound der Steelbands

Sie werden nicht enttäuscht. Die Musiker sind jetzt in ihrem Element, haben die schwarzen Anzüge gegen orange leuchtende Shirts getauscht und spielen Calypso, jenen Karibik-Sound der Steelbands, in dem sie zu Hause sind. Entstanden ist der Calypso auf den Antilleninseln Trinidad und Tobago vor Venezuela, unter afrikanischen Sklaven, denen die französische Kolonialmacht ihre afrikanische Trommelmusik verboten hatte. Also begannen sie, auf den nach innen gewölbten Deckeln ausrangierter Ölfässer aus dem Hafen zu trommeln. Kerben und Mulden, die mit Hämmern ins Blech geschlagen wurden, erzeugten unterschiedliche Tonhöhen und Klangfarben, mit denen die Steelbands ihren flirrenden, melodischen Sound erzeugen. In Verbindung mit dem von französischen Plantagenbesitzern eingeführten Karneval entstand der hoch-dynamische Calypso.

Das Publikum ist entfesselt

Dem Druck dieser Musik und der sprühenden Lebensfreude der charismatischen Renegades Steel Band, die mit 14 Musikern in kleiner Besetzung gastiert, kann sich an diesem Abend niemand im Saal entziehen. Der Calypso hat einen treibenden Rhythmus, eigens für den Karneval geschriebene Stücke wie „Year for Love“ entfachen selbst im karnevalsfernen Norden karibische Hitze. Der Sound der sich in Soli und Improvisationen gegenseitig übertreffenden und antreibenden Musiker geht ins Blut und in die Beine, bald hält es trotz der maximal engen Bestuhlung niemanden mehr auf den Sitzen. Beim Reggae-Klassiker „No Woman no Cry“ singt der Saal lauthals mit. Die Renegades haben das SHMF-Publikum entfesselt.

Von Regine Ley

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