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Kultur im Norden So kommen die Künstler ins Land
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06:00 06.07.2019
Frank Siebert holt für das SHMF Künstler ins Land – jetzt bastelt er an seiner Tafel (im Hintergrund) schon am Programm 2020. Die roten Zettel sind Termine der Fußball-WM. Quelle: Foto: Lutz Roeßler
Lübeck

Seit 23 Jahren holt Frank Siebert die Künstler für das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) ins Land. 1960 wurde er in Kassel geboren, hat in Hamburg Musikwissenschaft und Kunstgeschichte studiert und danach freiberuflich journalistisch gearbeitet, bevor er zum SHMF kam, nach Lübeck zog und dort auch eine kleine Galerie betreibt. Er ist der Mann hinter den 223 Konzerten, die bis zum 1. September stattfinden. An der großen Tafel in seinem Büro bastelt er bereits am Programm 2020 – alles noch streng geheim. Wir haben mit ihm über das aktuelle Festival gesprochen, das heute und morgen mit Festkonzerten in Lübeck beginnt.

Herr Siebert, wie haben Sie in den letzten Tagen geschlafen?

Gut. Ich habe inzwischen Erfahrung und weiß, dass alles gut laufen wird. Nun gibt es ohnehin kein Zurück mehr. Natürlich kann immer etwas passieren. Die Piloten streiken und Janine Jansen kommt nicht rechtzeitig zum Eröffnungskonzert oder ihre Stradivari wird gestohlen. Doch in solchen Fällen kann ich mich auf unser Team verlassen, das immer eine Lösung findet.

In jedem Jahr widmet das SHMF einem anderen Komponisten eine Retrospektive. Wonach wählen Sie ihn aus?

Der neue Komponist sollte sich maximal von den vorherigen unterscheiden. 2017 etwa haben wir die Komponisten-Retrospektive Maurice Ravel gewidmet, das war ein etwas exotischer Schwerpunkt. Und im letzten Jahr sind wir mit Robert Schumann ins Herz der Romantik vorgedrungen. In diesem Jahr konzentrieren wir uns nun auf Johann Sebastian Bach. Der steht als großer Universalkosmos wiederum in krassem Gegensatz zu Schumann.

Für diese Konzerte gibt’s noch Karten

Heute und morgen eröffnen das NDR Elbphilharmonieorchester und der NDR Chor unter Leitun von Krzysztof Urbanski mit der Violinistin Janine Jansen das Festival um 20 Uhr in der MuK Lübeck mit Werken von Bach und Brahms. Für Sonntag gibt es noch wenige Restkarten.

Karten gibt es noch für folgende Konzerte der nächsten Woche:

Swinging Bach auf Gut Hasselburg am Montag, 8. Juli, mit dem David Gazarov Trio, für „Überbach“ mit dem Pianisten Sebastian Knauer am Donnerstag, 11. Juli, auf Gut Wotersen,

für das Schleswig-Holstein Festival Orchestra mit Nigel Kennedy in Neumünster am Freitag, 12. Juli und für den Pianisten Evgeny Kissin in der MuK in Lübeck am Sonnabend, 13. Juli.

Wenn der Komponist feststeht, halten Sie Ausschau nach Künstlern, die den Kosmos Bach auf unterschiedliche Weise interpretieren?

Wir laden Künstler ein, die Programme anbieten, die gut in unsere Spielstätten passen. Daneben erkundigen sich auch viele Agenturen nach den Schwerpunkten der nächsten Jahre und machen uns Vorschläge. Insgesamt sind wir immer bemüht, ein buntes Programm mit einem roten Faden zusammenzustellen.

Was gab den Ausschlag für Janine Jansen als Porträtkünstlerin?

Sie stand schon immer auf unserem Wunschzettel. Janine ist nicht nur eine ausgezeichnete und weltweit gefragte Geigerin, sie ist auch eine gewissenhafte Musikerin. So war es ihr wichtig, nur zehn Konzerte zu geben, damit sie sich perfekt vorbereiten kann. Es ist für uns ein großes Geschenk, dass sie sich auf Schleswig-Holstein einlässt und den Sommer bei uns verbringt.

Was war denn Ihr tollster Fang, den Sie an Land gezogen haben?

Im vergangenen Jahr war das Anna Netrebko, die in Lübeck einen großartigen Gala-Abend gegeben hat. Und ja – in diesem Jahr ist das natürlich Janine Jansen!

Zwei Tickets für Wotersen zu gewinnen

Fürst Bismarckund die Lübecker Nachrichten verlosen zwei Tagestickets für das Musikfest auf dem Gut Wotersen am Sonntag, 11. August, und einen Picknickkorb mit Fürst Bismarck Mineralwasser. An diesem Tag ist Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, von 11 bis 16 Uhr in unterschiedlichen Formationen zu erleben. Wer die Konzerte in einer der schönsten Gutsanlagen des Nordens erleben möchte, kann sich dafür unter kultur-leser@ln-luebeck.de bis zum 13. Juli bewerben. Adresse und Telefonnummer nicht vergessen!

Sie begrüßen dann auch die Künstler, wenn sie ins Land kommen?

Ja, das teilen sich unser Intendant Christian Kuhnt und ich auf. Gleiches gilt für die Konzertbesuche. Es ist für die Künstler wichtig, einen bekannten Ansprechpartner zu haben. Das ist für sie eine angenehme Abwechslung zu großen anonymen Konzertveranstaltern.

Wie kompliziert oder unkompliziert sind denn die Künstler?

Die Anforderungen und Wünsche der Künstler sind sehr unterschiedlich. Manchmal erreichen uns Wunschlisten von zehn Seiten. Natürlich versuchen wir alles zu erfüllen, aber manchmal stoßen auch wir dabei an unsere Grenzen.

Zum Beispiel?

Wenn etwa Unmengen Champagner oder Whiskey in der Garderobe sein sollen, muss das schon mal diskutiert werden.

So etwas gibt’s?

Es sind nicht unbedingt die klassischen Musiker, die Hochprozentiges bestellen, eher die Popmusiker. Aber das sind wirklich Ausnahmen. Generell machen es unsere ehrenamtlichen Beiräte vor Ort allen Künstlern so schön wie möglich. Auch für uns ist es immer wieder berührend, wie sich diese großartigen Helfer bemühen, den Künstlern ein wunderbares Konzerterlebnis zu verschaffen.

Sie haben mit 223 Konzerten wieder einen Rekord aufgestellt – ist die Devise höher, schneller, weiter?

Nein, das ist nicht unser Motto. Es ist eher ein Ausdruck für unseren Enthusiasmus bei der Planung. Gerade bei Bach kamen uns so viele Ideen für Konzerte, die wir unbedingt realisieren wollten. Generell streben wir keine Expansion an, es können auch mal in einem Jahr weniger Konzerte sein. Aber es bewerben sich auch immer wieder neue Spielstätten, und wenn Sie dann diese Begeisterung im Land spüren, dieses Knistern, dann ist die Versuchung groß, wieder einen Ort und somit ein Konzert dazuzunehmen.

Sie sagten vorhin so schön, dass das Festival sich immer wieder neu erfindet. In diesem Jahr kommt die Moondog-Reihe mit Konzerten in Hamburg an ungewöhnlichen Orten dazu. Wie kamen Sie auf die Idee?

Die Idee kam von einer jüngeren Kollegin, wir haben sie dann weiterentwickelt. Mit den fünf Moondog-Konzerten, die unter anderem im Uebel & Gefährlich, in der Halle 424 und im Thalia Theater stattfinden, sprechen wir eine andere Publikumsschicht an und sind sehr gespannt, wie die Reihe aufgenommen wird. Grundsätzlich freue ich mich immer sehr darüber, wenn neue Kollegen neue Ideen einbringen, insbesondere in den genre-übergreifenden Konzerten. Ich sehe mich da eher als das Fossil, das für die Klassik zuständig ist. Doch für Anregungen bin ich immer offen. Insbesondere unsere Musikfeste auf dem Lande bieten uns eine Experimentierfläche – hier treten nicht die Weltstars auf, sondern spannende Talente von morgen.

Wir nehmen Sie Kontakt zu den Künstlern auf?

Viele kenne ich inzwischen, wir pflegen einen engen Kontakt. Unser Grundsatz ist, dass wir keinen Künstler einladen, den wir nicht vorher live erlebt haben, denn bei Videos kann ein völlig falscher Eindruck entstehen. Im Laufe des Jahres reisen wir also auch viel und hören uns die Künstler bei anderen Konzerten an.

Wie viele SHMF-Konzerte werden Sie besuchen?

Bei etwa 30 Konzerten bin ich fest eingeplant, dann kommen noch spontane Besuche dazu. Ich bin viel unterwegs, oft sind es lange Strecken, und ich fahre meist zurück nach Lübeck, um am nächsten Tag wieder möglichst früh am Schreibtisch zu sitzen.

Und Ihr Hund Freddie ist immer dabei?

Sehr oft. Er darf zwar nicht in die Konzertsäle, aber an allen Spielstätten gibt es Kollegen, die sich schon auf Freddie freuen und ihn bespaßen. Aber auch Künstler mögen ihn, András Schiff fragte letztes Jahr als erstes: Wo ist Freddie?

Sie sind ja gleichzeitig schon in der Planung für 2020 – können Sie schon ein klein bisschen verraten?

Nein, die Gäste und Schwerpunkte hüten wir wie den Heiligen Gral. Der Komponist wird am Ende des Festivals bekanntgegeben.

Ein klitzekleiner Tipp?

Es wird ein extrem überraschender Schwerpunkt werden, der sich komplett von Bach unterscheidet. Nicht nur der Komponist, auch der Porträtkünstler wird außergewöhnlich sein und ganz toll.

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