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Kultur im Norden Sänger Alexander Knappe: Im Sturm nach oben
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13:18 17.09.2019
Popsänger mit Steh-Auf-Mentalität: Sänger Alexander Knappe (35) blickt auf Höhen und Tiefen seiner Karriere zurück und sagt heute: „Es war alles gut so“. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Alexander Knappe erinnert sich noch sehr genau an den Tag, an dem Fußballmanager Dieter Hoeneß ihm das Ende seiner Profi-Karriere verkündete. 2001 noch hatte Knappe mit Marten Laciny – besser bekannt als Rapper Marteria – in der U17 für den DFB gespielt. Seine Mitspieler Kevin-Prince Boateng, Sead Salihovic oder Ashkan Dejagah, die er im Camp vom Hertha BSC kennengelernt hatte, konnten ihre Karriere fortsetzen. Knappe nicht. Ein Kreuzbandriss hatte ihm alles versaut.

„Das war ziemlich hart“, sagt der 34-Jährige. Damals war er 18 und rasselte in derselben Woche auch noch durchs Abitur. „Ich hatte quasi nichts mehr“, erzählt er. Keine Fußballzukunft. Keinen Abschluss. Gefallen war er. So tief, wie er sich das zu der Zeit nur vorstellen konnte.

Also hatte er auch nichts zu verlieren, als er kurz darauf recht desillusioniert durch seine Heimatstadt Cottbus fuhr und auf dem Marktplatz ein Casting eines Radio-Senders entdeckte. Knappe hielt an. Seine Freunde hatten ihm immer schon gesagt, dass er gar nicht so schlecht singe, also machte er mit – und wurde entdeckt.

Bekanntheit durch „X Factor

So weit die Vorgeschichte zu dem Popsänger mit Steh-Auf-Mentalität. Was dann folgte, war ein ewiges Singen und Klinkenputzen in der Musikbranche. Mal mehr, mal weniger erfolgreich – bis dann ein erneuter Casting-Aufruf kam: Nämlich der für die 2010 ausgestrahlte erste Staffel der Vox-Show „X Factor“ mit Sarah Connor und Til Brönner in der Jury. Knappe schaffte die Vorauswahl und danach noch einige Runden weiter. Bis der große „Knall“ kam. „Alles bestens inszeniert“, sagt der Sänger und erzählt von dem wohl größten Fehler seines Lebens.

„Ich war ziemlich naiv“, beginnt er seine Geschichte. „Die gesamte Show wurde ja schon vor der Ausstrahlung aufgezeichnet und ehrlich gesagt auch ziemlich geplant, was das Weiterkommen der Kandidaten anging.“

Knappe kam gut an mit seiner Stimme und mit seiner umgänglichen Art. Man hatte hinter den Kulissen offenbar beschlossen, dass er es weit bringen soll in der Show. „Das läuft wirklich so ab“, sagt er heute. Die Produzenten waren zufrieden, die kooperierende Plattenfirma stand in den Startlöchern und alles schien zu laufen – bis Knappe parallel ein Angebot bekam, bei einem anderen Musikprojekt mitzumachen. Und das noch während der Aufzeichnungen.

„Ich war ziemlich hin- und hergerissen. Ich wusste ja nicht, wie weit ich es in der Show bringen würde“, erzählt er. „Und auf der anderen Seite wollte man mich unbedingt bei diesem anderen Projekt haben.“ Problem: „Vertraglich hätten die mich nie aus der Produktion gelassen. Also hab ich mir die Notlüge einfallen lassen.“

Knappe live mit Jeden Tag Silvester

Ein Himmel voller Geigen und die Stimmung eines Rockkonzertes: Sänger Alexander Knappe trifft im Rahmen seiner Konzertreihe „Musik an. Welt aus.“ auf ein klassisches Sinfonieorchester. Im Herbst geht es erstmals auf große Orchestertournee durchs ganze Land. Am 5. Oktober spielt Knappe im Konzertsaal der MuK.

Zwei musikalische Welten und hochkarätige Gäste wie unter anderem Sänger Johannes Oerdingoder Wincent Weiss sorgten bisher zusammen mit Alexander Knappe für ein ganz besonderes Konzerterlebnis.

Wer die Überraschungsgäste in Lübeck sein werden, hat der Sänger kürzlich bekannt gegeben: Special Guests wird Sänger Joel Brandenstein sein, der sich 2017 mit seinem Debütalbum „Emotionen“ direkt auf Platz 1 der Deutschen Albumcharts katapultierte. Hinzu kommen auch die vier Jungs und Lokalmatadoren von Jeden Tag Silvesterund der Gospelchor „Young Spirits“, der beim „Tag der Legenden“ im Hamburger Millerntorstadion vor 20 000 Menschen und im Finale des „Grand Prix der Chöre“ im ZDF auftrat.

Kartengibt es im Vorverkauf von ab 30,25 € bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Lügen-Eklat live im Fernsehen

Die „Notlüge“ war ein vorgetäuschter Kreuzbandriss. Knappe besorgte sich Krücken, humpelte in die nächste Runde der Castingshow und gab sich bewusst keine Mühe beim Singen – in der Hoffnung, rauszufliegen. „Doof nur, dass ich trotzdem eine Runde weiter kam.“ Und da hatte Knappe sich auch schon ziemlich verstrickt in seine Schwindelei.

Der Rest ist Fernsehgeschichte: Ein Produzent der Show hatte Wind von der Nummer bekommen. Sender und Medien wurden eingeweiht – und so ließen sie den Jungen mit den falschen Krücken mal so richtig auflaufen als den großen „Lügen-Kandidaten“. Live in der Show!

Klar gingen die Quoten dank dieses Skandals durch die Decke. Klar hatten die bunten Blätter in den nächsten Wochen ordentlich was zu titeln. Und zurück blieb ein 25-jähriger Knappe, der nun ganz offiziell als Lügner aufgeflogen war und dessen Karriere ein zweites Mal versaut war. Er war wieder gefallen. „War doof“, sagt Knappe heute. „Aber ich war ja selbst Schuld.“

Er hat seine Zeit gebraucht, um sich wieder aufzurappeln. Aber er wollte auf keinen Fall vom Feld. „Liegenbleiben kenn’ ich nicht.“ Weder beim Fußballspielen. Noch beim Singen.

„Liegenbleiben kenn’ ich nicht“, sagt der 35-jährige Sänger – weder in der Welt des Fußballs noch in der Welt der Popmusik. Quelle: Fotograf Lutz Roeßler

Stürmer bei der BSG Eutin

Er ließ sich noch eine Weile als „Lügner“ durch den Kakao ziehen und kam wieder auf die Beine. Vier Alben hat Knappe herausgebracht, seit er 2011 von der Hamburger Plattenfirma Ferryhouse unter Vertrag genommen wurde – alle mit Chartplatzierungen. Unzählige Spiele hat er als Stürmer mit der BSG Eutin bestritten, denn der Wahl-Berliner kickt seit einigen Jahren für den Kreisligisten. Wie er auf Eutin kommt? „Auch wieder so eine Geschichte für sich“, sagt Knappe. „Ich wurde hier für den Wehrdienst stationiert – davor wusste ich noch nicht mal, dass es einen Ort namens Eutin gibt, aber als ich hier ankam, hab ich mich sofort verliebt.“

Und so tingelt der Tausendsassa heute zwischen dem Norden und der Hauptstadt hin und her, spielt seine Songs auf den Bühnen der Nation und kickt seine Bälle auf dem Rasen des Landes. Zum Training schaffe er es berufsbedingt nicht regelmäßig – aber „bei den meisten Spielen bin ich da“. In der Welt der Musik und des Fußballs gebe es viele Parallelen, sagt Knappe. „In beiden Welten musst du Niederlagen einstecken können. – und kannst es auch immer wieder schaffen, dich nach oben zu kämpfen.“ Knappe kennt beide Seiten aus beiden Welten. Eigentlich ist er sein Leben lang gefallen, um wieder aufzustehen.

Und nun steht er. Oben auf dem Dach der MuK und grinst. Wenn er eines Tages mal Frau und Kinder habe, sagt er, könne er sich vorstellen, sich hier im Norden niederzulassen. Dann ginge es noch weiter nach oben, sozusagen. „Lübeck, Scharbeutz, Ostsee. Ist schon sehr schön.“

 

Von Schabnam Tafazoli

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