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Kultur im Norden Schauspieler Heiner Kock: Der Vielfältige
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17:17 21.02.2019
Schauspieler Heiner Kock (29) an seinem Arbeitsplatz im Lübecker Theater. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Ob die Mütze fürs Foto auf dem Kopf bleibt? „Die Haare darunter sind jetzt eh platt, also bleibt sie besser auf.“ Es ist nicht so, dass Heiner Kock eitel wäre. Wirklich nicht. „Da gibt es viel eitlere Kollegen als mich“, sagt der Schauspieler. Aber gut aussehen möchte er trotzdem. „Wer möchte das nicht?“, fragt der 29-Jährige, zupft noch mal an seinem Pulli und zieht die Augenbraue fragend hoch.

„Das Fernsehen wäre für mich nichts“

Der junge Mann kann vieles. Kann schön, kann nachdenklich. Kann frech und komisch. Leise und laut. Das hat er gelernt. So gut, dass er nun fest im Ensemble des Lübecker Theaters spielt. Mal in Nosferatu, mal in mehreren Rollen und unter anderem als Säge-Robert in der „Dreigroschenoper“, die derzeit im Großen Haus gespielt wird. „Ich liebe diese Herausforderung“, womit Kock die Vielfältigkeit seines Berufes meint. „Das Kennenlernen und das Hineinsteigern in eine Rolle, bis ich den Charakter richtig auslebe auf der Bühne.“ Und damit wäre auch die nächste Frage geklärt. „Das Fernsehen wäre nichts für mich, das ist mir zu schnelllebig.“

Eigentlich wollte Kock Musical-Darsteller werden, aber als Mitglied der Freiluftspiele in Waren an der Müritz wurde er 2008 von der Regisseurin Ute Lubosch auf sein Talent angesprochen, und dass er mehr könne als Singen und Tanzen. „Also habe ich daraufhin vier Jahre in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Schauspiel studiert“. Was Kock am meisten an seinem Beruf reizt, sei das Hineindenken in eine Rolle, das Verinnerlichen, das Umsetzen und letztlich das „Endproddukt“, das er dann auf die Bühne bringt.

Heiner Kock hat sich das Theater also ganz bewusst ausgesucht – und er ist wieder zurück. Quasi. Denn der Schauspieler, der ursprünglich aus Malchow in Mecklenburg-Vorpommern kommt, hatte zuletzt ein festes Engagement am Landestheater Tübingen. „Auch schön da“, erzählt er. „Aber der Norden liegt mir einfach mehr.“ Dass er jetzt in knapp zwei Stunden mit dem Auto bei seinen Eltern ist, statt wie vorher mit Zug und Flug über Stuttgart und Hamburg in den Norden zu kommen, ist für ihn immer noch ungewohnt. „Auch dass ich in einer Viertelstunde am Meer bin, ist noch nicht wirklich angekommen bei mir.“ Dabei liebt Kock das Meer. Das einzige Tattoo, das er besitzt, ziert sein unteres Handgelenk und ist ein Steuerrad. „Die Ostsee ist meine Heimat.“

Eine Vorliebe fürs Vorlesen

Schafft er es zwischen den Proben nicht ans Meer, trifft man Kock gerne beim Sport in der Kletterhalle oder an der Wakenitz. „Die habe ich für mich entdeckt.“ Hier geht er im Sommer gerne schwimmen und an kälteren Tagen mit seiner Freundin und Hündin Edda – einer „griechischen Straßenhündin“ – spazieren. Sein Tagesablauf ist straff getaktet: Vormittags wird am Theater vier Stunden lang geprobt, nachmittags gibt’s eine Pause und abends geht’s weiter mit Proben oder Aufführungen. Von Montag bis Sonnabend. Von morgens bis abends.

Theater Lübeck Schauspieler Heiner Kock Quelle: Lutz Roeßler

Wochenenden kennt Kock nicht. Vermisst er aber auch nicht. „Das ist halt mein Beruf.“ Wenn er in seinen Spielpausen Zeit hat, bemüht Heiner Kock sich um weitere Projekte, die ihm am Herzen liegen, und meistens haben diese etwas mit seiner Stimme zu tun. Das Synchronsprechen zum Beispiel. Oder das Einsprechen von Hörbüchern. Außerdem liest Kock gerne vor, womit er gleich beim nächsten Thema wäre, das er gerne noch realisieren würde. „Ich habe in Tübingen mal in einer Bücherei aus einer Geschichte vorgelesen, und es war erstaunlich, wie viele Besucher kamen.“ Das wäre etwas, was Kock sich in Lübeck auch vorstellen könnte. „Lesen und Vorlesen ist in der heutigen Zeit etwas, das uns Zeit und Lebensqualität schenkt“, ist er überzeugt. „Ich würde es gut finden, wenn es so etwas als Projekt für den Nachwuchs in der Stadt gäbe.“

Und Kock ist noch lange nicht am Ende seiner Künste: Außer Vorlesen kann er noch Judo und Standardtanz, Reiten und Fechten, hat einen Boots- und Motorradführerschein und eine Stunt-Ausbildung absolviert, womit sein Markenzeichen klär wäre, die Vielfalt.

Theater Lübeck Schauspieler Heiner Kock Quelle: Lutz Roeßler

„Soll ich fröhlich oder ernst schauen?“, fragt er den Fotografen. Kock kann natürlich beides und bereitet sich auf die Ansage vor, während hinter ihm auf der Bühne gewerkelt wird. Der Schauspieler blickt zu den Technikern, winkt ihnen zu und lässt seinen Blick über die Ränge schweifen, die im Tageslicht aussehen wie Requisiten.

„Texthänger verzeiht das Publikum“

„Komisch, auch mal hier oben zu sitzen“, stellt er fest. „Von der Bühne aus sehe ich durch die Lichteinstellung immer nur die Ränge in den ersten Reihen.“ Das mindere die Aufregung bei einer Aufführung zwar nicht, sagt er. „Aber es schafft Distanz, sich auf seine Rolle zu konzentrieren.“ Und trotz aller Konzentration hatte er natürlich auch schon Texthänger. „Na klar.“ Ein Alptraum für den Darsteller? „Nein, dafür gibt es ja Souffleure, und dafür ist es eben live. Das verzeiht das Publikum auch.“

Dann dreht er sich zurück zum Fotografen und ist wieder ganz er selbst. In dieser Rolle fühlt Heiner Kock sich am wohlsten, wenn es um seine Persönlichkeit geht: nordisch, sympathisch, unkompliziert.

In folgenden Aufführungen ist Heiner Kock auf der Bühne im Lübecker Theater zu sehen: „Die Dreigroschenoper am Freitag, 1. März, 19.30 Uhr, Einführung um 19 Uhr im Mittelrangfoyer

Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu am Sonntag, 10. März, 16 Uhr, Kammerspiele

Hier geht’s zur Premierenkritik der „Dreigroschenoper

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