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Kultur im Norden Bach, Rubino und das Schlagwerk
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17:05 10.07.2019
Augen zu und durch: der junge, 1993 in Turin geborene Simone Rubino. Quelle: Gerhard Brüggemann
Lübeck

Bach on drums“ führt ein wenig in die Irre. Nicht auf dem Schlagzeug, sondern auf dem Marimbaphon spielt Simone Rubino Musik des Thomaskantors. Zwischen den sechs Sätzen aber wechselt er zu Trommeln und allerlei anderem Gerät, das Klänge von sich gibt. Bis hin zum Wasser.

Bachs dritte Cello-Suite hat er sich für sein vor zwei Jahren erschienenes Debütalbum und für diesen Abend im Schuppen C im Lübecker Hafen ausgesucht. Für das Marimbaphon hat sie der argentinische Lautenspieler Eduardo Egüez bearbeitet, mit dem Rubino unter anderem im August bei der Bachwoche in Ansbach zu hören sein wird.

Bach als Jazz-Improvisateur

Das sind ungewohnte Klänge, aber, hat er mal erklärt: „Wenn Komponisten wie Bach heute lebten, würden sie mit Sicherheit das Marimbaphon wunderschön finden.“ Außerdem sei Bach nicht nur „einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte“, sondern auch „einer der ersten Jazz-Improvisateure“. Und die Marimba, über die der Jazz mit dem Vibraphon eines seiner wichtigen Instrumente erhalten hat, ermögliche im Bach-Kosmos eine neue Klangfarbe. Denn neue Klangfarben, die liegen ihm sehr am Herzen.

Das wird schon beim zweiten Stück deutlich, „Asventuras“, das der Komponist und Perkussionist Alexej Gerassimez für die kleine Trommel geschrieben hat. Über anfängliche Begegnungen der beiden Drumsticks wendet sich Rubino langsam seinem Instrument zu, erst dem Rand, dann dem Zentrum. Das ist mal tastend und verhalten, ein leichtes, leises Säuseln, dann öffnet er die Tore. Er spielt wild und rasend, dann wieder wie ein Metronom, bis er schließlich mit den bloßen Händen über das Fell streicht und zurückkehrt zu der ursprünglichsten Art, ein Geräusch zu erzeugen, zur Ursonate, wenn man so will.

Zwei Schalen Wasser

Klang ist bei Rubino alles, was der Fall ist. Das macht er mit den zeitgenössischen Stücken zwischen den Sätzen der Bach-Suite immer wieder deutlich. Das reicht von Roberto Boccas beinahe jazzigem„Esegesi“ auf dem Vibraphon bis zu den ebenso mächtigen wie vertrackten Klängen von „Rebonds B“, die Iannis Xenakis Ende der Achtzigerjahre komponiert hat. Rubino ist an einem erweiterten Kunstbegriff gelegen, der auch vermeintlich Abseitiges in den Blick nimmt. Das macht er mit einer beeindruckenden Technik und Präzision und dem Bemühen, verstanden zu werden. Immer wieder greift er zum Mikrofon und erklärt seine Musik. Und er experimentiert, hantiert im Dunkeln mit leuchtendem Drumstick und weißen Handschuhen zu eingespielten Sounds und macht auch vor einem überschäumendem Spiel in zwei Schalen mit Wasser nicht halt. Zwei Zugaben, begeisterter Beifall – rhythm is it!

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Peter Intelmann

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