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Kultur im Norden Schloss Eutin hat sich herausgeputzt
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07:00 16.06.2019
Restaurator entstaubt die „Zacharias“, eines der etwa 300 Jahre alten Schiffsmodelle aus der Sammlung Peters des Großen.
Restaurator entstaubt die „Zacharias“, eines der etwa 300 Jahre alten Schiffsmodelle aus der Sammlung Peters des Großen. Quelle: Fotograf Lutz Roeßler
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Eutin

Eine präzise Detailarbeit ist es, der sich Markus Freitag widmet. Mit einem Pinsel streicht der Restaurator vorsichtig über die Takelage und fegt dabei den Staub von der „Zacharias“ ab, einem der etwa 300 Jahre alten Schiffsmodelle aus der Sammlung Peters des Großen. Die in Europa weit verzweigte Familie des Zaren ist nur ein Knotenpunkt in der Geschichte, der mit dem früheren Sitz der Lübecker Fürstbischöfe in Eutin in Verbindung steht. Mancher Schatz sei für den Abschluss der Umgestaltung aus dem Depot geholt, vieles neu präsentiert und neu ausgeleuchtet worden, erklärt Brigitte Herrmann, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schloss Eutin, während Ausstattungsbauer Falko Riepe die Modelle in den Vitrinen mit neuen Bespannungen visuell in den Fokus rückt.

Malen neben dem Paradebett

Derweil sind im Paradebettzimmer die Malermeister Jan-Peter Flohr und Sohn Hannes dabei, die Felder für die Wandbespannung zu streichen. Priorität habe stets der Schutz der historischen Substanz und Exponate, erklärt Hannes Flohr. Auch die vergoldete Zierleiste wird sorgfältig abgeklebt. Aufträge wie diese seien schon etwas Besonderes, berichtet er, die Arbeiten würden in enger Abstimmung mit Kuratorin Susanne Petersen und Hausmeister Waldemar Hartmann durchgeführt.

Am 21. Juni wird das frisch sanierte Schloss Eutin eingeweiht – wir haben hinter die Kulissen geschaut.

Mit Andreas Hutzel durch Schloss

Im Gang überprüft Michael Lorenz schon mal die Funktion der Beacons an neugestalteten Vitrinen. Die kleinen Sender stehen mit den Tablets in Verbindung, mit deren Hilfe die Besucher nun die Dauerausstellung auf ganz neue Weise erleben können. Das neue Medienguide-System funktioniert wie ein digitaler Schlossführer: Von Raum zu Raum liefert die App mit Audios und Videos weit mehr Information, als es eine Hinweistafel könnte, zumal auch die Stimmung und Mehrschichtigkeit der Ausstellung transportiert werde, wie der Spezialist für interaktive Ausstellungsapplikationen erklärt: „Das Schloss wird dadurch mit Leben erfüllt.“ Um dies zu gewährleisten, setzt die Stiftung auf Profis, deren Stimmen den meisten Besuchern bekannt vorkommen werden: Die namhaften Schauspieler Johann von Bülow, Andreas Hutzel, Leslie Malton, Felix von Manteuffel und Ulrich Noethen haben ihre Stimmen geliehen für fiktive Dialoge und Anekdoten aus vergangenen Tagen. „Es ist wie ein Hörspiel“, erläutert Brigitte Herrmann, außerdem sollen Mitmachstationen und Vertiefungsräume die Besucher dazu einladen, aktiv zu werden.

Das neue Konzept, betont Herrmann, solle die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner nachhaltig näherbringen: „Dazu gehören neben der schlüssigen Reise durch die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner Erlebnisse, die alle Sinne ansprechen.“ In einigen Räumen ist jetzt auch wie einst der Ausblick in den weitläufigen Schlossgarten möglich durch Ersetzen des vorigen Lichtschutzes durch transparente Gaze.

Noble Verwandtschaft

Im Laufe des umfassenden Projekts, sind sich Brigitte Herrmann und Museumspädagogin Ulrike Unger einig, seien wieder einmal die „prominenten Beziehungen“ der früheren Schlossbewohner bewusst geworden. Im Rittersaal begeben sich die Besucher auf Spurensuche nach der einflussreichen skandinavischen Verwandtschaft des Fürstenhauses. Im Katharinenzimmer sind Porträts der großen Zarin zu sehen, einmal jung, einmal im Alter. Das Amalienzimmer erinnert an Amalie von Oldenburg, nach ihrer Heirat Königin von Griechenland.

Richtig Fahrt aufgenommen, resümiert Brigitte Herrmann, habe die fünfjährige Umgestaltungsphase 2017 durch eine Förderung in Höhe von einer Million Euro aus Mitteln des Infrastrukturmodernisierungsprogramms IMPULS vom Land Schleswig-Holstein. Die Neupräsentation der Schiffsmodelle wurde vom Freundeskreis der Stiftung mit 14000 Euro unterstützt.

Am Freitag wird gefeiert

Mit einem öffentlichen Festakt beginnt am Freitag, 21. Juni, 17 Uhr, das Mittsommerfest zur Feier der Neupräsentation. Brigitta Herrmann wird dazu auch Staatssekretär Dr. Oliver Grundei begrüßen, den Festvortrag hält der Historiker Prof. Oliver Auge zum Thema „Verwandt mit Gott(orf) und der Welt“. Der Eintritt ins Museum ist frei. Jeweils zur vollen Stunde gibt es eine Führung durch die neu gestalteten Räume. Für Kinder werden Mittsommertanz, Kränzewickeln und Schiffchenbasteln angeboten. Für die Musik sorgen die Kreismusikschule Ostholstein und „Knuppene“ mit nordeuropäischem Folk. Das Fest dauert bis 23 Uhr.

Margitta True

15.06.2019
15.06.2019