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Kultur im Norden Premiere mit Cyrano de Bergerac – Ach, diese Nase!
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18:37 28.06.2019
Großer Poet mit großer Nase: Cyrano de Bergerac (Martin Brauer), bezirzt Roxane (Jennifer Sabel) mit Briefen, verschweigt aber seine Autorschaft. Quelle: Foto: Winkler
Schwerin

Fisimatenten am Anfang. Ein seltsamer Hamlet verirrt sich aus seiner Tragödie in ein ganz anderes Stück. Das heißt „Cyrano de Bergerac“, ist eine bittersüße Komödie, 1897 geschrieben von Edmond Rostand, und der ist mit Shakespeare literarisch weder verwandt noch verschwägert. Trotzdem muss sich Shakespeares Dänenprinz mit Rostands Titelheld ein grotesk komisches Fechtduell liefern – nur weil der Regisseur es so will.

Dabei hat Alejandro Quintana, der „Cyrano“ für die Schweriner Schlossfestspiele inszeniert hat, solcherlei Schnickschnack gar nicht nötig. Denn er hat mit dem Innenhof des Schlosses eine der schönsten Open-Air-Kulissen, die man sich denken kann, mit Klaus Figge einen Fechtexperten, der immer wieder für spektakuläre schlagende Szenen sorgt, und mit den Schauspielern des Mecklenburgischen Staatstheaters ein großartiges Ensemble, das mit Leidenschaft agiert. Schließlich glänzt er selbst mit feinen Regieeinfällen und einem schlüssigen Inszenierungskonzept.

Rauer Haudegen und sensibler Dichter

Und so hat man am Ende eben doch einen sehr schönen, ironisch gepfefferten, poetisch verklärten und vom Premierenpublikum heftig applaudierten „Cyrano“ gesehen. Martin Brauer verkörpert darin hinreißend jenen Protagonisten, der seine übermäßig lange Nase trotzig in die Welt streckt, aber gleichzeitig elend wegen ihr leidet – so sehr, dass er der angehimmelten Roxane (Jennifer Sabel) aus Scham seine Liebe verschweigt.

Stattdessen schreibt er, rauer Haudegen und sensibler Dichter in einer Person, der Angebeteten zahllose Briefe, die so poetisch und geistreich sind, dass Roxane einfach dahinschmilzt. Nur: Er schreibt diese Liebesbriefe nicht für sich selbst, sondern für Christian (Janis Kuhnt), seinen Freund und Kompagnon bei den legendären Gascogner Kadetten, der ebenfalls in Roxane verknallt ist. Und das ist dann doch ein Stück Tragödie in der Komödie: der Verzicht aufs eigene Glück. Die damit verbundene Melancholie und Cyranos anhaltende Sehnsucht nach einem erfüllten Leben wird in Schwerin – mehr als sonst – zum eigentlichen Thema. Symbol für all das Sehnen und Leiden ist der Mond. Cyrano nennt sich selbst einen „Mondreisenden“, und er bewegt sich jenseits der schnöden Wirklichkeit schlafwandlerisch in ganz anderen Gefilden.

Bittere Pointe am Ende

Roxane, die nach Christians Tod im Krieg ins Kloster gegangen ist, erkennt viele Jahre später, wer der wahre Autor der Briefe war. „Ich liebe dich“, sagt sie nun zum ersten Mal zu Cyrano, der sie immer wieder besucht. Der aber ist durch ein Attentat schwer verletzt und stirbt, hört ihre Worte nicht mehr. Und Roxane sitzt allein auf der mondförmigen Scheibe im Mittelpunkt des von Henrike Engel gestalteten Bühnenbilds.

Vorstellungen bis 20. Juli, jeweils von Mittwoch bis Sonntag. Karten: 0385/53 00 123

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