Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Schönheit und Zerstörung „Querbeet“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Schönheit und Zerstörung „Querbeet“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 03.08.2019
Karl-Heinz Behncke geht es seinen Bildern um Reduktion und Spontaneität. Am Sonntag wird die Ausstellung eröffnet. Quelle: Dorothea Kurz-Kohnert
Anzeige
Lübeck

Die Bilder von Karl-Heinz Behncke gehen mit den hohen Wänden im Kunst-Café St. Annen eine wunderbare Liaison ein: An den weißübertünchten Klinkersteinen, an den Säulen und an der grauen glatten Betonwand an der zur Kunsthalle zugewandten Seite entfalten sie eine starke Präsenz. Könnten diese Bilder sprechen, würden sie sagen: Hier fühlen wir uns wohl, hier gehören wir hin.

Es geht um Klarheit und Reduktion

Die Klarheit des Raumes korrespondiert hervorragend mit den farbreduzierten nicht gegenständlichen oder stark abstrahierenden Bildern in Schwarz-Weiß-Grau und Ockertönen. Der Künstler versteht seine Bilder als „Zeichnungen, die weitergeführt werden - der wesentliche Träger ist der Strich!“ Karl-Heinz Behncke zeichnet mit einem Öl- oder Fettstick, den er bewusst nicht anspitzt, so dass dessen Eigenwilligkeit in die Zeichnung mit einfließt. Nicht mehr korrigierbar. Dem Künstler geht ihm um Spontaneität, um „erstes emotionales Sehen“, um Reduktion. Zur Verdeutlichung zitiert er Pablo Picasso, der sinngemäß gesagt habe, er habe ein Leben lang gebraucht, um so zu malen wie die Kinder.

Anzeige

Schönheit und Zerstörung in Konfrontation

Querbeet“ betitelt der gebürtige Hamburger, der („naturnah“) in Henstedt-Ulzburg lebt und arbeitet, seine Ausstellung. Sie zeigt in knapp einem Dutzend Bildern, womit er sich der 70-Jährige intensiv auseinandersetzt: mit der Zerstörung von Mensch und Umwelt durch den Menschen, mit Krieg und Vernichtung und gleichsam als Gegengewicht mit der Schönheit der Natur. So stehen in „Querbeet“ konfrontativ die schönen Seiten des Lebens – Blumen, Bäume, Landschaften - den hässlichen Auswüchsen des Daseins gegenüber, die in der Zerstörung von Lebensraum mündet. „[Über]Lebensräume“ etwa zeigt großformatig collagierte und gebündelte politische Zeitschriften, von schwarzen Kreuzen dominiert, wohingegen an anderer Stelle sich aus dynamischen Strichen im Format 90 x 90 Zentimeter die Anmutung einer Blütenknospe entfaltet. Ihr nüchterner Titel „ Natur R 2“.

Ausbildung in Hamburg

Karl-Heinz Behncke malt, zeichnet, fotografiert, gestaltet Objekte und Installationen. Von 1969 bis 1973 hat er in Hamburg an der Werkkunstschule studiert, der späteren Fachhochschule Bereich Kunst und heutigen Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Nach seinem Diplom war er Illustrator, Artdirektor und freier Maler. Seit knapp zehn Jahren arbeitet er ausschließlich als freier Künstler und als Dozent für Zeichnung an verschiedenen Institutionen, in Kursen unterrichtet er Aktzeichnen.

Wer den Künstler kennenlernen möchte, kann das über die Vernissage hinaus am Sonnabend, 18. August ab 14 Uhr und während der Lübecker Museumsnacht am 31. August.

Vernissage „Querbeet, Sonntag, 4.8., 17-20 Uhr, Kunst-Café der St. Annen Kunsthalle Lübeck

Dorothea Kurz-Kohnert