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Kultur im Norden Schönheitskur für Daphne
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18:10 24.03.2018
Restauratorin Corinna Krömer prüft, was von der alten Vergoldung noch zu erhalten ist.
Restauratorin Corinna Krömer prüft, was von der alten Vergoldung noch zu erhalten ist.
Lübeck

Die Bronzeskulptur stand fast 90 Jahre lang auf einem Sockel vor dem Overbeck-Pavillon, zart und anmutig zog sie die Blicke auf sich – doch das Gold auf ihrem Körper blätterte immer mehr ab. Die Lübecker Bildhauerin Bettina Thierig und der Unternehmer Max Schön wollten dem Verfall nicht weiter tatenlos zusehen und riefen – rein privat – zu einer Spendenaktion auf. „Wir sind hoch erfreut über das großartige Ergebnis“, sagt Bettina Thierig. „Gemeinsam haben alle Spender Alt-Gold im Wert von insgesamt 22712,02 Euro zusammengetragen, dazu kamen noch 250 Euro in bar. Und es wird noch eine kleine Summe dazukommen, da kürzlich noch etwas nachträglich eingetroffen ist.“

Bergnymphe

Daphne (griechisch: Lorbeer) ist in der griechischen Mythologie eine Bergnymphe und die Priesterin der Mutter Erde. Wie die Göttin Artemis war auch sie eine jungfräuliche Jägerin.

Vergoldung ist nicht ganz ganz so einfach

Die Firma Heimerle und Meule aus der Possehl-Unternehmensgruppe hat das Altgold ohne Berechnung eingeschmolzen. „Vom so eingesammelten Geld wird bereits gegenwärtig die Restaurierung der Daphne gezahlt.“ Die ist mit insgesamt etwa 5000 Euro veranschlagt. Das überschüssige Geld wird, wie die Initiatoren der Aktion versprochen hatten, an das Museum Behnhaus Drägerhaus und die Overbeck-Gesellschaft gespendet, das sind jeweils etwa 9000 Euro.

Gegenwärtig wartet Daphne bei Corinna Krömer im Restaurierungszentrum Kiel auf ihre Schönheitskur. Der Kauf des Blattgolds von den Spenden ist nicht das Problem – doch über die Art des Vergoldens ist noch nicht entschieden worden. „Das Museums wünscht sich, dass so viel wie möglich von der ursprünglichen Vergoldung erhalten bleibt“, sagt Corinna Krömer. Das allerdings sei schwierig. Es sei einfach nicht mehr genug altes Gold vorhanden, außerdem gebe es Probleme mit Ausblühungen. Die Metallrestauratorin reinigt derzeit die Figur und probiert auf kleinen Flächen verschiedene Möglichkeiten aus.

„Die Vergoldung scheint aber schon immer ein Problem gewesen zu sein“, sagt Museumsleiter Alexander Bastek. Bereits 1932 begann das Gold abzublättern, 1961 wurde die Figur erneut vergoldet. Die Berliner Bildhauerin Renee Sintenis (1888-1965) hat die Bronze-Skulptur speziell für den Garten des Behn-Hauses gießen lassen. Der damalige Museumsdirektor Carl Georg Heise hatte sie 1930 bestellt.

„Wir bauen ein bescheidenes kleines Ausstellungshäuschen mit drei Räumen, die so angeordnet sind, dass ein kleiner Hof entsteht. Auf dieses Höfchen möchte ich Ihre Figur stellen, und zwar liegt mir unbedingt daran, dass sie bereits dort steht, wenn das Haus eingeweiht wird.“ Sintenis hatte die Daphne als kleine Figur bereits 1918 geschaffen. Im Zuge der Lübecker Bestellung ließ die Künstlerin fünf weitere Güsse anfertigen – aber nur die Lübecker Daphne wurde vergoldet.

Laut Restauratorin Krömer könnte die Vergoldung im Sommer beendet sein – doch die Schöne solle erst nach Abschluss der Sanierung des Overbeck-Pavillons wieder an ihren alten Platz zurückkehren. „Es macht keinen Sinn, die restaurierte Skulptur in eine Baustelle zu bringen.“

Die Overbeck-Gesellschaft wurde als Lübecker Kunstverein 1918 gegründet, der Pavillon 1930 mit Hilfe privater Spenden errichtet und 1932 der Hansestadt als Eigentum übergeben. Genutzt wird der Raum für Ausstellungen, gezeigt werden pro Jahr etwa fünf Ausstellungen, die in der Regel eigens für diesen Ort erarbeitet werden. Zum 100. Jubiläum der Overbeck-Gesellschaft soll der denkmalgeschützte Ausstellungsraum nach der Sanierung im Oktober eröffnet werden. Und dann wird auch Daphne wieder im neuen Glanz zu bewundern sein.

Als Dank für alle Altgold-Spender wird Bettina Thierig einen Vortrag über die Bildhauerin Renée Sintenis halten, die die schöne Daphne geschaffen hat.

 Petra Haase