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Kultur im Norden Shakespeare in Lübeck ließ einige Fragen offen
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17:04 07.09.2019
Lilly Gropper als Harry, Prinz von Wales und Michael Fuchs als Heinrich Bolingbroke in „Game of Crowns“ im Theater Lübeck. Quelle: Marlene Meyer-Dunker
Lübeck

Schauspieldirektor Pit Holzwarth hat aus „Richard II.“, beiden Teilen von „Heinrich IV.“ und „Heinrich V.“ eine Fassung zusammengestellt, die gute drei Stunden dauerte. Das sind fast Wagner’sche Dimensionen, gemessen an der originalen Länge der Dramen jedoch nur ein kleiner Ausschnitt. Holzwarth musste – und wollte - sich deshalb auf einige wenige Motive beschränken, die die vier Königsdramen inhaltlich verbinden. Eine „Meditation über Macht“ hat Holzwarth seine Arbeit genannt, keine schlechte Bezeichnung. Wenngleich die Erkenntnis, dass Macht den Charakter verdirbt, alles andere als neu ist.

Die Angst ist allgegenwärtig

Shakespeares Herrscherfiguren sind allesamt machtgierig, sie sind brutal und skrupellos. Darunter haben alle Beteiligten zu leiden, die Gegner der Könige ebenso wie ihre Helfer und Anhänger. Alle leben in einer Atmosphäre der Angst und des Misstrauens, niemand weiß, aus welcher Richtung der Wind in der nächsten Minute weht. Es ist das große Verdienst dieser Inszenierung von Pit Holzwarth, die düstere Atmosphäre greifbar und begreifbar gemacht zu haben. Am englischen Königshof um 1400 ging es nach dieser Lesart ähnlich zu wie zur Zeit des Großen Terrors unter Stalin. Männer, die die alten Werte verkörpern, werden an den Rand gedrängt, aus dem Zentrum der Macht ausgeschlossen. Was bleibt, ist devote Ergebenheit dem Herrscher Gegenüber. Und die allgegenwärtige Angst.

Die nächsten Termine

„Game of Crowns“ läuft drei Stunden und zehn Minuten mit einer Pause. Wieder aufgeführt wird das Stück in den Kammerspielen Lübeck am Sonnabend, 14. September um 20 Uhr, am Sonntag, 20. Oktober, um 18.30 Uhr, am Sonntag, 27. Oktober, um 16 Uhr, am Donnerstag, 31. Oktober, um 20 Uhr.

Weitere Aufführungenim November und Dezember sowie in 2020. Alle Termine finden Sie unter www.theaterluebeck.de.

Karten gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse, Beckergrube 16.

Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 10-18.30 Uhr, Sa. 10-13 Uhr.

Die Abendkassein den Kammerspielen öffnet jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Im LN-Ticketshopkönnen Sie ebenfalls bereits für alle Vorstellungen Karten kaufen unter

https://tickets.ln-online.de/

Die Welt war vor 600 Jahren so verrottet wie jetzt

Aber es stellt sich die grundsätzliche Frage, warum man überhaupt ein derartiges Shakespeare-Kondensat benutzt, um im Grunde banale politische Erkenntnisse zu vermitteln. Warum Shakespeare? Das lässt sich noch begründen, denn der Engländer hat die Form des Historiendramas begründet und damit den Herrschenden seiner Zeit den Spiegel vorgehalten. Wir müssen uns zumindest in diesem Land allerdings nicht mehr vor Zensur und Unterdrückung fürchten, in einigen Nachbarstaaten sieht das anders aus. Was haben wir Heutigen also von diesem Abend? Zum einen kann man lernen, dass die Welt vor 600 Jahren schon genauso verrottet war wie heute. Aber, ins Positive gedreht, dass wir in unserem Land weitaus mehr Freiheit genießen als die Menschen damals. Und dass es sich lohnt, für die Erhaltung dieser Freiheit zu kämpfen.

Figuren verändern sich wie auf Knopfdruck

Spielen lässt Pit Holzwarth sein düsteres Multi-Drama in einer kargen Szenerie, die von einer auf dem Kopf stehenden Krone beherrscht wird (Ausstattung: Werner Brenner). Sie ist Spiel-Plattform , auf der der Thron steht, sie ist Behausung und Gefängnis zugleich. Man ist gefangen im Dunstkreis dieser Krone, egal ob man sie besitzt oder nicht. Und ein Motiv wird deutlich: Wer immer die Krone trägt, wird zu einer Art wildem Tier, das alles wegbeißt, das ihm in den Weg kommt. Eine psychologische Entwicklung der Figuren gibt es in „Game of Crowns 1“ nicht, die Figuren verändern sich wie auf Knopfdruck. Richard II. presst sein Volk aus und verbannt alle Kritiker seiner Herrschaft, Heinrich IV. drängt ihn aus dem Amt, lässt ihn ermorden und tut alles dafür, seine Macht zu erhalten. Sein Sohn Heinrich V. verwandelt sich in Sekundenschnelle aus einem jugendlichen Herumtreiber in einen brutalen Machtmenschen, der seine bisherigen Freunde dem Henker ausliefert. Das ist oftmals drastisch und derbe dargestellt, treffend im Sinne Shakespeares. Endgültig erschließt sich der Sinn der Veranstaltung aber dennoch nicht.

Schauspielerisch hervorragend

Schauspielerisch ist dieser lange Abend hervorragend besetzt. Andreas Hutzel ist ein überzeugender Richard II., pendelnd zwischen Schöngeisterei und Brutalität, im Grunde ein Opfer seiner selbst. Sven Simon ist ein wunderbar stoischer Herzog von York, der für die alten Werte steht und als einziger in dieser höfischen Lemurenschar Würde bewahrt. Robert Brandt als alter John von Gaunt und vor allem als Falstaff fasziniert durch seine körperliche Präsenz – seine Schlussszene ist ein Kabinettstück für sich. Lilly Gropper als einzige mitwirkende Frau gibt den Prinzen von Wales und nachmaligen König Heinrich V. mit Engagement und sprachlicher Präzision, Michael Fuchs als Heinrich IV. überzeugt mit der Darstellung der Brutalität der von ihm gespielten Figur. In ihren diversen Nebenrollen sind Johannes Merz, Matthias Hermann, Heiner Kock und Johann David Talinski ein beeindruckendes Quartett.

Im April gibt es Teil 2

Am Ende gab es regen Applaus für den langen Shakespeare-Abend, oder besser: Für den langen Abend nach Shakespeare-Motiven. Im April folgt dann der zweite Teil des Spiels um die Krone.

Hier lesen Sie ein Gespräch mit dem RegisseurPit Holzwarth

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