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Kultur im Norden So klingt das neue Album von Ed Sheeran
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11:23 12.07.2019
Der britische Sänger Ed Sheeran will sie alle kriegen: Rock, Pop, Rap vereint er auf seiner neuen Scheibe. Quelle: Ricardo Rubio/Europa Press/dpa
London

Man kann diesen mit seinen 28 Jahren ja immer noch sehr jungen Mann nur beglückwünschen. Nicht nur, dass Ed Sheeran Ende Juni auf dem Hockenheimring an zwei Abenden hintereinander jeweils 100 000 Leute anlockte, was selbst für ihn ein Rekord war, und diese wie immer völlig allein mit Gitarre, Keyboard und Loopstation bespaßte.

Nicht nur, dass er 2018 bei 94 Konzerten 432 Millionen US-Dollar umsetzte, so viel wie niemand sonst, und laut Medienberichten mittlerweile über ein Vermögen von 300 Millionen verfügen soll. Nicht nur, dass er in Danny Boyles neuem Film „Yesterday“, der von einem Musiker handelt, der sich in einer Welt wiederfindet, in der niemand außer ihm noch die Beatles kennt, souverän sich selbst spielt.

„Männerhöhle“ und Pub auf Ed Sheerans Anwesen

Nicht nur, dass er mit seiner Jugendliebe Cherry Lancaster Seaborn seit Ende vergangenen Jahres (soweit bekannt) glücklich verheiratet ist. Und nicht nur, dass sein Anwesen in Suffolk mit Innen- und Außenpool, Baumhaus, „Männerhöhle“ und Pub auf dem weitläufigen Gelände nach jahrelangen Bauarbeiten so ganz allmählich fertig wird (eine Außenküche mit Barbecue-Areal soll noch kommen, das Saunahäuschen musste wegen Feuergefahr wieder abgerissen werden).

Bald gibt’s EdChup

Nein, endgültig auf den Olymp der Popkultur hievt diesen rothaarigen, bebrillten Jungen aus Framlingham in der englischen Provinz Suffolk der vor kurzem verkündete Deal mit der weltweit bekanntesten Ketchup-Firma, zu deren 150-jährigem Firmenjubiläum eine Sonderedition der gezuckerten Tomatenpampe angeboten wird. Die schmeckt freilich so lasch wie immer, heißt aber, ja wirklich: EdChup. Das ist für alle Beteiligten bestechend, denn vor längerem schon hat sich Sheeran, ein erklärter Fan, das Logo des Herstellers in Form einer Flasche auf den Arm tätowieren lassen.

Kurzweiliger Stilmix

Doch auch im Kerngeschäft gibt sich der Brite weiterhin keine Blöße und bringt zweieinhalb Jahre nach dem unfassbar erfolgreichen „Divide“-Album (mit „Perfect“ und „Shape Of You“ drauf) eine, wie er selbst es nennt, „Zusammenstellung“ heraus, die den Hörer in Anbetracht der neuen Songs, die oft so gar nicht nach dem üblichen Ed Sheeran klingen, irritiert, überrascht, mitunter auch verzückt mit den Ohren schlackern lassen.

Und genauso ist das gewollt. „Genres haben für mich nicht die geringste Bedeutung“, sagt Sheeran, angesprochen auf den wilden, einigermaßen durcheinander und fast schon nach einer Art Zufallsprinzip ausgewählt wirkenden, aber auch sehr lebensfreudig und kurzweilig klingenden Stilmix auf dem neuen Album, dessen Titel „No. 6 Collaborations Project“ um einiges sperriger ist als die Songs selbst es sind. Was es mit dem Namen auf sich hat? Bevor Sheeran mit seinem Song „The A-Team“ und dem Debütalbum „+“ so richtig berühmt wurde, brachte er jährlich ein solches Mitmachalbum heraus, zuletzt 2011 eben „No. 5“.

Jeden Song singt er im Duett

Der freundlich-ehrgeizige Charismatiker Sheeran, der seinen Erfolg mit jeweils einem Viertel „Persönlichkeit, Ehrgeiz, harter Arbeit und Talent“ erklärt, sagt, er habe schließlich immer schon einen sehr unterschiedlichen und nicht zu etikettierenden Musikgeschmack gehabt. „Ich wuchs mit Folk und Rock’n’Roll auf, dann entdeckte und vergötterte ich Rap und Hip-Hop, anschließend verliebte ich mich in akustische Musik.“ Und alle diese Spielarten, man ahnt es bereits, tummeln sich auf „No. 6 Collaborations Project“.

Der Clou: Für jedes einzelne Stück dieses unter anderem von Max Martin, Skrillex und Fatboy Slim perfekt produzierten, dem Pop unterm Strich näher als dem Folk stehenden, Man-kann-es-Zwischenalbum-nennen, holte sich Sheeran Unterstützung, vorwiegend gesanglicher Art. Ein roter Faden entsteht auf diese Weise natürlich nicht. Sondern eher eine Ansammlung von – potenziellen – Hits mit einer Gemeinsamkeit: Ed Sheeran. Das luftige Sommerlied „I Don’t Care“, längst ein fetter Hit mit wochenlangem Stammplatz auf Rang Eins in England, aber halt auch ein bisschen belanglos, singt er zusammen mit Justin Bieber, für den er vor vier Jahren ja schon „Love Yourself“ schrieb.

Chance The Rapper und PnB Rock sind auch dabei

„Beautiful People“, eine Feelgood-Pop-Hymne, die das alltägliche Leben von ganz normalen Menschen preist, entstand gemeinsam mit dem amerikanischen Emo-Pop-Sänger Khalid. Auf „Cross Me“ wird es zusammen mit Chance The Rapper und PnB Rock ein bisschen rappiger und urbaner, bleibt aber immer noch gut verdaulich. „Best Part Of Me“ ist nicht nur ein Duett mit der noch relativ unbekannten Sängerin Yebba (die aktuell auch auf Mark Ronsons Album mitsingt), sondern auch eine ganz schöne Schnulze. Ed Sheeran wundert sich zu akustischem, sparsamem Arrangement darüber, warum zur Hölle seine Frau ihn liebt, und kommt zum Schluss, dass seine Cherry zweifelsohne das Beste an ihm sei („the best part of me is you“). „Perfect“ war Punk dagegen, wirklich.

Models in Männerrollen

Der mit Abstand coolste und originellste der fünfzehn Songs ist „Blow“. Hier singt Sheeran mit Bruno Mars sowie mit Country-Star Chris Stapleton eine Nummer, die sich mit etwas Phantasie dem Genre „Hard Rock“ zuordnen lässt. Irgendwo zwischen Lenny Kravitz und Led Zeppelin haben die drei hörbar verdammt viel Spaß. Im Video zu „Blow“, das unter der Regie von Bruno Mars im berüchtigten „Viper Room“ in West Hollywood gedreht wurde, übernehmen drei weibliche Models die Rollen der Männer und lassen es formvollendet krachen. Auf „Remember The Name“ wiederum rappen die einstigen Erzfeinde Eminem und 50 Cent fröhlich miteinander, auch Travis Scott, Cardi B, Young Thug oder Stormzy haben ihre Auftritte, dazu angesagte, aufstrebende Popfrauen wie Camila Cabello und Ella Mai.

Er will sie alle, wirklich alle

„Ich war das ganze vergangene Jahr auf Tour und habe diese Platte Stückchen für Stückchen aufgenommen“, erklärt Ed die tröpfchenweise Entstehung des Projekts während seiner Tagesfreizeit. Nicht ausgeschlossen, dass einige der Stücke auch schon länger liegen und erst jetzt veröffentlicht werden. Aber warum überhaupt? Nun Ed Sheeran strebt die totale Hörermassenmaximierung an. Er will sie alle, wirklich alle. „Mein Stammpublikum ist ein ganz anderes als das Publikum vieler meiner Albumgäste“, sagt er. „Ich hoffe, die anderen Künstler neuen Kreisen von Leuten zuzuführen. Und ich versuche, mich selbst einem neuen Publikum gegenüber zu öffnen, dass mich bisher noch nicht so auf dem Schirm hat.“ Etwa den Rap-Fans.

Anders ausgedrückt: Niemand soll ihm mehr entgehen, Ed Sheeran für alle. Und für die Mitstreiter, so erfolgreich sie selbst auch sind, lohnt sich das Geschäft erst recht, denn Ed Sheeran ist im Popbusiness zurzeit die sicherste Bank von allen. Auch die Entwicklung, dass immer mehr einzelne Songs gestreamt und immer weniger komplette Alben verkauft werden, nützt dem „No. 6 Collaborations Project“.

Denn hier ist es wirklich sinnvoll, sich Stücke rauszupicken, das eine oder andere Blümchen auf dieser Wildwuchswiese wird einem schon gefallen, man muss aber doch ein sehr harter Ed-Sheeran-Fan sein, um in dieser plakativen Bonbontüte von einem Album wirklich alles lecker zu finden. Aber vielleicht ist ja auch alles viel weniger durchkalkuliert, als man glaubt. Ed Sheeran jedenfalls teilt mit, dass er lange nichts Schöneres und Spaßigeres mehr gemacht hat als dieses Album mit „lauter tollen Musikern, von denen ich selbst ein Riesenfan bin.“

Steffen Rüth

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