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Kultur im Norden So sah das alte Hochofengelände in Herrenwyk früher aus
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12:08 12.05.2019
Zwei Arbeiter vor glühender Hochofenschlacke nach dem Stahlstich. Aufnahme aus dem Hochofenwerk vom Oktober 1953 Quelle: Hans Kripgans
Lübeck

Fast genau 113 Jahre nach der Grundsteinlegung für den ersten Hochofen wird heute eine Ausstellung eröffnet zu einem wichtigen Kapitel in der Historie der Industrialisierung Lübecks. Bettina Braunmüller, Leiterin der Geschichtswerkstatt Industriemuseum Herrenwyk, berichtet von auswärtigen Besuchern, die sich darüber wundern, dass von der identitätsstiftenden Industriegeschichte Lübecks auf dem Werksgelände kaum etwas erhalten blieb.

„Gesehen habe ich eigentlich nichts“

„Es war Sisyphosarbeit“, beschreibt denn auch Kuratorin Helga Martens die Recherche. Als Chemielaborantin hatte sie den Standort Hochofenwerk hautnah miterlebt. Wie wenig aus der Industrialisierung Lübecks hier erhalten geblieben ist, wurde auch dem Fotografen Jürgen Blenk deutlich, als er die Knotenpunkte der früheren Infrastruktur mit bis zu 2.800 Beschäftigten vor die Linse nahm. Mit Karten und Plänen sei es ins Gelände gegangen, erzählt er.

Wo Helga Martens hingezeigt hatte, habe er auf den Auslöser gedrückt. „Aber gesehen habe ich eigentlich nichts.“ Um einen Kontrast zu schaffen, hatte er seine Industriefotos aus Essen und Duisburg entgegengesetzt, um die Schönheit der Architektur aufzuzeigen, aber auch den Wert, den die umgenutzten Industrieanlagen für die Menschen heute dort haben, als Freizeitfläche oder Kulturstandorte.

So sah es hier früher aus

Die Menschen hatten Tränen in den Augen

Auch für das Symbol des Hochofenwerks, den alten Kühlturm, habe es Vorschläge für den Erhalt und eine neue Nutzung gegeben, erklärt Martens; sie seien jedoch von der Verwaltung damals abgelehnt worden. „Als der Turm abgerissen wurde, haben vielen Menschen die Tränen in den Augen gestanden.“ Wie der Niedergang der Flender-Werft in Lübeck, sei der Konkurs des Hochofenwerks 1981 ein Trauma für die Region gewesen. Auch wenn hier kein Lärm mehr zu hören und die Luft viel sauberer sei.

Spaziergang auf giftigem Müll

In der Ausstellung werden weitere Umweltbelastungen thematisiert. Auf Bildern ist zu sehen, wie ein Teil der Schlacke auf Halden gekippt wurde, wo heute Grün und Sitzbänke einladen. 150000 Quadratmeter groß ist die Ablagefläche zwischen Werksgelände und dem Dummersdorfer Ufer. Eine der Führungen, die auch nach Ausstellungsende am 22. September angeboten werden sollen, trägt den Titel „Schlackenhalde oder ein Spaziergang auf giftigem Müll“.

Durchgängiges Konzept ist die Gegenüberstellung des Gestern und Heute. Kaum ein Motiv macht das so deutlich wie Fotos von der Anlegestelle in Schlutup – früher vis-a-vis einer Silhouette mächtiger Lastkräne und Industrieanlagen, wohin Männer mit Fahrgastschiffen übergesetzt hatten, während die Frauen haben in den Fischfabriken Arbeiten gingen.

Begleitbuch erschienen

Straßennamen wie „Möllerung“, „Masselbett“ oder „Alter Kühlturm“ erinnern an die Historie des Ortes, wo sich heute hauptsächlich Dienstleistungs- und Logistikunternehmen auf dem Gelände angesiedelt haben mit rund 800 Mitarbeitern. Kurz vor Ausstellungseröffnung sei in Offenburg bei Ratekau der letzte in Herrenwyk gebaute Strommast samt dem Schild „Metallhüttenwerk Lübeck“ entfernt worden, berichtet Martens. Was vom Werk bleibe, sei nur die Erinnerung, betont sie – und die Altlasten durch die Abfallprodukte.

So zeigt der Rundgang durch die Ausstellung, die von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung finanziert wurde, eine Geschichte mit Licht und Schatten. Zur Ausstellung ist das Begleitbuch „Erinnerung und Neuanfang. Das Hochofenwerksgelände wie es war und wie es ist“ von Helga Martens erschienen mit Übersichts- und Produktionsplänen und zahlreichen Fotos, erhältlich im Industriemuseum.

Margitta True

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