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Kultur im Norden So wurden vor 100 Jahren Tattoos gestochen
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11:35 27.11.2019
Erst einen Rum, dann stechen: Christian Warlich verzierte die Kunden in seinem Hamburger „Rum-Lokal mit Tätowier-Stube“. Quelle: Stiftung Historische Museen HH
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Hamburg

Es sei die erste Ausstellung, die sich monografisch einem historischen Tätowier-Künstler widme, sagte Kurator Ole Wittmann. Der promovierte Kunsthistoriker präsentiert mit der Schau gleichzeitig die Ergebnisse seines vierjährigen Forschungsprojekts. Zu sehen sind neben farbenfrohen Original-Vorlagen und Schablonen auch Tätowiermaschinen und konservierte Hautfetzen mit Tattoos.

Wie in einer Tätowierstube

Die Schau bietet verschiedene Zugangswege. Besucher können viel lernen über die Geschichte des Tätowierens, die Rezeption von Tattoo-Motiven als Kunstobjekte und den Einfluss Warlichs bis in die heutige Zeit. Sie können aber auch einfach eintreten und die Fülle der Motive genießen, wie Hans-Jörg Czech, Vorstand der Stiftung Historische Museen sagte. Der Raum hat den Charakter einer Tätowierstube mit schwarzen Wänden und kleinen Nischen, in denen sich verschiedene Themen entdecken lassen.

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Ein Blick in die Ausstellung „König der Tätowierer“ Christian Warlich im Museum für Hamburgische Geschichte

Besucher können den „Warlich-Tiger“ auf die Haut zeichnen

Plakate vom Anfang des 20. Jahrhundert preisen Schausteller an, die St. Pauli besucht haben und ihre Tattoos dort öffentlich zeigten. Es gibt ein Kapitel über die Kriminalisierung von Tattoos und einen Kupferstich des ersten überlieferten Motivs von 1669. Besucher können an einer „Tattoostation“ den berühmten Warlich-Tiger auf ihre Haut projizieren und mit wasserlöslichem Stift nachzeichnen.

Eine Besucherin der Ausstellung „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“ lässt sich im Museum für Hamburgische Geschichte ein Motiv auf die Haut projezieren. Quelle: dpa

Tätowierer ist selbst zur See gefahren

Details zu Warlichs Leben hat Wittmann in akribischer Feinarbeit zusammengestellt: Durch seine Geburtsurkunde kann er mit dem Irrtum über dessen Geburtsjahr aufräumen, außerdem belegt Warlichs Reisepass, dass er tatsächlich in frühen Jahren selbst zur See gefahren war. Sogar der Grabstein vom Ohlsdorfer Friedhof ist zu sehen. Das Grab des Tätowier-Künstlers wurde vor 40 Jahren aufgegeben, der Stein befindet sich in Privatbesitz.

Rum-Lokal mit Tätowierstube

Warlich betrieb eine Kneipe in der Clemens-Schultz-Straße 44, die damals noch Kieler Straße hieß. Davon gibt es zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotografien: Warlich mit akkuratem Seitenscheitel, Hemd und Krawatte beim Tätowieren, am Zapfhahn oder im Türrahmen von seinem „Rum-Lokal mit Tätowier-Stube“.

Noch heute werden Warlich-Motive gestochen

Das berühmte Vorlagealbum, das lange vergriffen war, wurde anlässlich der Ausstellung neu aufgelegt. In heutigen Tätowier-Studios sei Warlichs Vorlagealbum aber präsent, sagte Czech. Noch heute würde sich Leute Warlich-Motive stechen lassen. Unter dem Hashtag #inspiredbywarlich dokumentieren sie die Tattoos.

Die Ausstellung „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“ läuft bis 25. Mai 2020.

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Von LN