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Kultur im Norden St. Lorenz macht Theater
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18:10 27.06.2018
Kritischer Blick aufs Quartier: Einwohner von St. Lorenz beziehen Stellung.
Kritischer Blick aufs Quartier: Einwohner von St. Lorenz beziehen Stellung. Quelle: Fotos: Hfr

Wenn die Menschen nicht ins Theater kommen, kommt das Theater zu den Menschen. Das ist die Idee, die hinter der aktuellen Bürgerbühne des Lübecker Theaters steckt. Anliegen dieser Projekte ist es, zusammen mit Laien aus Lübeck Theaterabende zu erarbeiten, die Fragen der Zeit und aktuelle Probleme der Stadt aufgreifen. So haben sich 23 Frauen und Männer – von Anfang 20 bis Ende 70 – und viele Kinder aus St. Lorenz Nord in den vergangenen Monaten intensiv mit ihrem Stadtteil beschäftigt, haben sich gefragt, wie es sich an der Peripherie lebt, was den Stadtteil sympathisch macht, was fehlt, was die Einwohner ärgert. Und da ist einiges zusammengekommen: zu wenig Grünflächen, zu viele Hundehaufen, fehlende Infrastruktur, hohe Schadstoffbelastung, keine Cafés – aber auch gute Nachbarschaft und Stolz auf das Leben im Stadtteil.

Unter Anleitung von Frieda Stahmer, die für die Awo Projekte in St. Lorenz umsetzt und die schon mehrere Bürgerbühnen-Inszenierungen gemacht hat, wurde überlegt, wie man diese Ideen szenisch im Stadtteil umsetzen kann. „Wir haben einen theatralen Rundgang entwickelt“, sagt Stahmer. Unter dem Motto „Kommen Sie rein“ geht es um 18 Uhr in der Tagesstätte „Die Brücke“ los. Die „Bande vom Rande“

begrüßt die Gäste und führt sie durchs Quartier, wobei auch die Türen zu privaten Wohnräumen und Gärten geöffnet werden. In einem Garten etwa kann man frische Luft schnappen, auf einem Spielplatz beklagt eine junge Mutter, dass es keine Treffpunkte für junge Eltern gibt. Vor einer geschlossenen Bäckerei bildet sich wie aus dem Nichts eine Warteschlange, es wird Fußball gespielt, und zwei überdimensionale Grillhähnchen proben den Aufstand vorm „Hähnchen-Eck“ und fordern „Hühner an die Macht“. Bei einer Demonstration weisen Einwohner auf Dinge hin, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Ein Ärgernis etwa sind die vielen Hundehaufen – die morgen auch in Szene gesetzt von den Verursachern selbst entsorgt werden. In einer Kneipe erzählt „Heinz“, wie es sich im einstigen Arbeiterviertel heute lebt.

Auch Kinder kommen bei diesem Projekt zu Wort. Unter Anleitung von Charlotte Baumgart haben Mädchen und Jungen der Julius-Leber-Grundschule ihren Stadtteil erkundet und die „Stadt Utopia“ entwickelt.

Dabei gehen sie Fragen nach wie: Woher kommen all die Kaugummis auf dem Boden? Was verbirgt sich hinter dem Fenster mit den vielen Geranien?

Am Ende treffen sich die Teilnehmer von vier Rundgängen auf dem Brolingplatz. „Dort gibt es Essen und Getränke und die Möglichkeit für die Gäste, sich selbst zu äußern. Sie können ihre Sorgen und Wünsche aufschreiben. Die werden später dem Bürgermeister übergeben“, sagt Frieda Stahmer. Ziel des Projektes sei es, nicht nur Missstände zu benennen, sondern auch das, was das Leben im Quartier so lebenswert macht.

Es gibt noch Tickets

Der erste Rundgang durch St. Lorenz Nord beginnt morgen um 18 Uhr in der Tagesstätte „Die Brücke“, Kerckringstr. 9. Er dauert 90 Minuten. Die Führung erfolgt in kleinen Gruppen, die nächsten Rundgänge beginnen um 18.15 Uhr, 18.30 Uhr und 18.45 Uhr.

Inszenierung „Stadt Utopia“ mit Kindern: Charlotte Baumgart/Kompanie Kopfstand. Inszenierung „Kommen Sie rein: Frieda Stahmer.

Tickets für 5 Euro pro Rundgang gibt es in den LN-Geschäftsstellen, unter Telefon 01637418781 oder am Abend.

Petra Haase