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Kultur im Norden Star-Trompeter Till Brönner fotografiert das Ruhrgebiet
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Star-Trompeter Till Brönner fotografiert das Ruhrgebiet
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16:33 04.07.2019
Till Brönner, der Fotograf, vor seiner Serie von Orten im Ruhrgebiet. Über ein Jahr ist der Jazz-Trompeter mit der Kamera durch das Revier gezogen – und hielt Gesichter, Industrie-Architektur, Natur- und Kulturlandschaften und das Leben im Ballungsraum zwischen A40 und Fussball fest. Quelle: Fotos:dpa
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Duisburg

Als der Jazztrompeter und Fotograf Till Brönner vor gut zwei Jahren gefragt wurde, ob er nicht mal das Ruhrgebiet fotografieren wolle, habe er zunächst gedacht: „Vielleicht ist das nichts für mich“. War es dann aber doch. Über ein Jahr lang hat der aus dem niederrheinischen Viersen stammende Brönner das „Revier“ durchstreift und seine Sicht der Menschen und Dinge mit der Kamera festgehalten. Das Ergebnis, Tausende Fotos später, kann jetzt im Museum Küppersmühle in Duisburg in Augenschein genommen werden.

Der Mann spielt nicht nur Trompete, er fotografiert auch – unter anderem sich selbst im Spiegel. Das Selbstportraet (undatiert) von Till Brönner, der vor allem als Jazz-Trompeter bekannt ist, ist eines der Exponate, die das Duisburger MKM Museum Kueppersmuehle vom 3. Juli bis 6. Oktober 2019 zeigt. Quelle: epd

Bilder aus dem Schmelztiegel

„Melting Pott“ haben die Ausstellungsmacher die Fotoschau überschrieben – ein Wortspiel aus dem englischen Wort für „Schmelztiegel“ und dem Begriff „Ruhrpott“. Bis zum 6. Oktober werden mehr als 200 Fotografien des 48-Jährigen gezeigt in Schwarzweiß und Farbe. Auftraggeber ist die Essener Brost-Stiftung. Nach dem Start in Duisburg soll die Schau auf Reisen gehen.

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Till Brönner vor seiner Serie mit Stahlarbeitern von Thyssenkrupp. Quelle: dpa

„Was deutlich wird, ist, dass es im Ruhrgebiet sehr menschelt“, sagt Brönner über die Ausstellung. Da ist die Frau, die mit dicker Zigarre im Mund aus dem Fenster schaut, der Stahlarbeiter, der in feuerfester Schutzkleidung gelassen in die Kamera blickt oder der Taubenvater, der fröhlich-stolz das „Rennpferd des kleinen Mannes“ präsentiert. Klare Bilder, konzentriert und nicht bloßstellend.

Eine Frau steht vor seiner Serie von Portraits von Menschen im Ruhrgebiet. Quelle: dpa

„Schönheitswettbewerbe werden woanders gewonnen“

Großen Raum nehmen Aufnahmen aus dem Fußball ein. Viele Fotos macht Brönner bei den beiden Traditionsvereinen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Dortmunds Stadionsprecher Norbert Dickel fotografiert er bei der Arbeit. Zu sehen sind konzentrierte Fans, gut gelaunte Ordner, nervöse Einlaufkinder, zumeist in Schwarzweiß. Auch Prominente aus dem Ruhrgebiet posieren für Brönner. Fußballstar Mario Götze etwa oder der Schauspieler Ralf Möller. Weitere Aufnahmen zeigen Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, Essens Polizeipräsidenten Frank Richter oder Regisseur Sönke Wortmann.

Die Einlaufkinder im Fussballstadion gehoeren zu jedem Spiel dazu. Diese Jungen im Dortmunder Signal Iduna Park hielt 2018 der Fotograf Till Broenner fest. Quelle: epd

Brönner zeigt seine Sicht auf das Ruhrgebiet, eine „Momentaufnahme“ nennt er seine Bilder. Neben den Menschen, einigem an Architektur und Kulturlandschaft, Verkehr, Forschung und Industrie ist auch Alltags-Hässlichkeit zu sehen: Heruntergekommene Läden, triste Straßenecken. „Schönheitswettbewerbe werden woanders gewonnen“, sagt er.

Fokussiert aufs Unscheinbare

Ästhetik entdeckt der Fotograf trotzdem vielerorts: Auf dem Kemnader Stausee etwa. Auf einer unendlich scheinenden Wasserfläche lässt er drei kleine, blaue Tretboote fahren. Und er fokussiert aufs Unscheinbare: Auf den Schotter-Belag auf dem Gelände eines Stahlwerks etwa oder auf ein Baugerüst.

Echo-Preisträger Brönner fotografiert seit rund zehn Jahren. „Ich bin so was wie ein Autodidakt“, sagt er. 2015 veröffentlichte er einen beachteten Bildband mit Schwarzweiß-Porträts von Musikerkollegen. Die Schau in Duisburg ist nach Angaben der Museums die bislang umfangreichste Foto-Schau des Jazztrompeters. Ein 20-minütiger Film dokumentiert, wie die Ausstellung zustande kam. Die Musik zum Film machte er selbst.

Helge Toben

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