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Kultur im Norden Stargeiger begeistert in Lübeck mit Tschaikowsky
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12:27 23.02.2019
Vadim Gluzman beherrscht seine Stradivari meisterlich – hier in Lübeck beim Sinfoniekonzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters in der MuK unter der Leitung des Dirigenten Krzysztof Urbanski. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

„Ausverkauft“ hieß es beim jüngsten Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters in der MuK. Mehr als ein Dutzend Musikfreunde mussten unverrichteter Dinge umkehren. Vielleicht lag es am Dirigenten, dem jungen Polen Krzysztof Urbanski, der viele Fans in Lübeck hat, vielleicht auch am Programm. Vivaldi, Tschaikowsky, Mendelssohn – das ließ einen unbeschwerten Abend erwarten.

Bei Peter Tschaikowskys Violinkonzert war das nicht immer so. Der erste Widmungsträger, der Geigenprofessor Leopold Auer, lehnte die Uraufführung wegen Unspielbarkeit und als „unviolinistisch“ ab. Adolf Brodsky, der als neuer Widmungsträger das Konzert 1881 in Wien aus der Taufe hob, wurde von Kritikerpapst Eduard Hanslick hart angegangen. Im letzten Satz werde „nicht mehr Violine gespielt, sondern Violine gezaust, gerissen, gebläut“.

Das sieht man inzwischen völlig anders. Allerdings ist der Solopart mit Schwierigkeiten gespickt. Ironie des Schicksals: Der Gast in der MuK, der israelische Geiger Vadim Gluzman, spielt seit Jahren das Instrument, das als „Ex-Leopold-Auer-Stradivari“ in die Geschichte eingegangen ist.

Gluzman beherrscht die Stradivari meisterlich, und auch Krzysztof Urbanski am Pult hatte sich mit dem Orchester in das Werk regelrecht hineingekniet. Hochromantisch erklang die Einleitung des ersten Satzes. Dann sang die fast 330 Jahre alte Geige (gebaut 1690), schluchzte, jubilierte, träumte. Das Orchester begleitete punktgenau, wurde in der Dynamik immer wieder leicht gebremst.

Für die große Kadenz im Kopfsatz trat Urbanski vom Pult herunter; wohl um anzudeuten, dass das Podium dem Solisten gehöre. Langsam, fast schwerblütig folgte die Canzonetta. Tschaikowskys empfindsame Seele glaubte man zu hören. Ohne Pause angehängt wurde der Schlusssatz, der auch derbe Klänge eines Dorffestes heraufbeschwor, geballt, aber stets gebändigt. Als Zugabe spielte Gluzman die köstliche Gavotte aus Johann Sebastian Bachs E-Dur-Partita für Geige solo.

Vadim Gluzman hatte schon vor seinem Soloauftritt das Podium betreten. Er und Konzertmeister Stefan Wagner spielten die Soloteile in Antonio Vivaldis Concerto a-Moll, die Nr. 8 aus dem Dutzend Werke, die als Opus 3 zusammengefasst sind. Von einer Auswahl der Streicher begleitet, war das eine lockere Einstimmung in den Abend, wobei das Miteinander ohne Dirigent nur in den ersten Takten leicht wackelte.

Nach der Pause stand ein heiteres Meisterwerk auf dem Programm, Felix Mendelssohns vierte Sinfonie, die sogenannte Italienische. Krzysztof Urbanski dirigierte jetzt auswendig, modellierte die Einzelstimmen mit den Händen, setzte auf Eleganz und Klangschönheit, stürmte nie ungezügelt vorwärts. Der erste Satz versprühte Lebensfreude pur. Verhalten wurde das Andante musiziert. Die einzelnen Holzbläser durften ihre Stimmen geradezu zelebrieren. Im dritten Satz malten die Hörner Waldesstimmungen aus.

Natürlich musste Urbanski zum Schluss beim neapolitanischen Tanz, dem Saltarello, aufdrehen. Das Orchester folgte jeder Geste präzise. Einhelliger Jubel im großen Saal.

Weitere Konzerte des NDR Elbphilharmonieorchesters finden Sie hier

Konrad Dittrich

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