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Kultur im Norden Der Kuss des Oktopus
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17:13 27.03.2019
Schwamm mit Piranhas, wurde von Tigern gejagt, vom Gorilla angegriffen: Sy Montgomery. Quelle: Foto: P. Haase
Lübeck

„Athena ist ungefähr zweieinhalb Jahre alt und wiegt etwa 20 Kilo. Sie ist einen Meter fünfzig lang, ihr Kopf hat die Größe einer kleinen Wassermelone. Ich tauche beide Arme in das schonungslos acht Grad kalte Wasser . . . Im Nu sind meine Hände und Unterarme umschlungen von Dutzenden weichen, mich abtastenden Saugnäpfen . . . Athenas Saugen ist sanft, aber nachdrücklich. Es fühlt sich an wie der Kuss eines Unbekannten.“

Athena ist eine Pazifische Riesenkrake, und Sy Montgomery hat in ihrem preisgekrönten Bestseller „Rendezvous mit einem Oktopus“ über ihre Freundschaft zu diesem wirbellosen Tintenfisch geschrieben.

Die Begegnung mit einem Oktopus beschreibt sie auch in ihrem neuen Buch, das die 1958 in Franfurt/Main geborene amerikanische Naturforscherin, Drehbuchautorin und Verfasserin von knapp 30 Sachbüchern am Dienstag in der Buchhandlung Hugendubel in Lübeck vorgestellt hat. Bücher über die Natur, über beseelte Tiere und Pflanzen liegen im Trend, und so waren die Stuhlreihen gut besetzt.

In Indien von Tigern gejagt

Zunächst stellte Moderator Bernhard Robben die Autorin vor, und das war gut so. Denn auf den ersten Blick wirkt Sy Montgomery nicht wie eine Weltenbummlerin und Draufgängerin, eher würde man denken, sie werde ein Backbuch vorstellen. Doch der erste Eindruck trügt. Die zart wirkende Frau ist mit Piranhas im Amazonas geschwommen, hat das Altai-Gebirge auf der Suche nach Schneeleoparden bestiegen, wurde in Indien von Tigern gejagt und in Afrika von einem Silberrückengorilla angegriffen. Schon als Kind habe sie ihre Zeit lieber mit Tieren verbracht als mit Kindern, habe sich selbst als Hund oder Pony bezeichnet. „Ich sei, so sagte meine Mutter, nie ein normales Kind gewesen.“ Von ihrer kindlichen Tierliebe zur Scotchterrier-Hündin Molly erzählt sie in ihrem ersten Kapitel, das abwechselnd in deutsch und englisch von Benhard Robben und Sy Montgomery gelesen wurde.

Mit drei Emus in Australien

In 13 Geschichten schreibt Montgomery eine Art Biografie anhand von Tierbegegnungen, die für sie prägend waren. So etwa mit den Emus Hinkebein, Schwarzköpfchen und Nackthälschen. Nach fünf Jahren Arbeit als Umweltjournalistin entschied sie sich für wissenschaftliche Arbeit im australischen Outback, sie erforschte dort das Leben der Emus. Eine andere Geschichte erzählt, wie sie durch die Aufzucht eines Miniferkels die Trauer um ihren Vater verarbeitete. Mit viel Wissen und Empathie beschreibt die Autorin das Wesen der Tiere, und nach der Lektüre sieht man sein Haustier möglicherweise auch mit anderen Augen.

Einfach Mensch sein, Sy Montgomery, Diogenes, 208 S., 22 Euro

Petra Haase

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