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Kultur im Norden Tarantino über seinen neuen Film: „Ich bin auch romantisch“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Tarantino über seinen neuen Film: „Ich bin auch romantisch“
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12:22 14.08.2019
US-Regisseur Quentin Tarantino stellte seinen neuesten Film „Once upon a time...in Hollywood" in Berlin persönlich vor. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Bei der Premiere in Berlin hatte der Kult-Regisseur Zeit für ein Gespräch über seinen neuesten Streifen „Once Upon A Time... In Hollywood“ – der Film hat Potential für den Kinohit des Jahres 2019.

Zeit für die Fans. US-Regisseur Quentin Tarantino bei der Premiere seines Films „Once upon a time...in Hollywood“ Quelle: Paul Zinken/dpa

Quentin, Ihr Film spielt im Hollywood der späten 60er Jahre. Wenn es Zeitmaschinen gäbe, in welche Zeit würden Sie zurückreisen, um Filme zu drehen?

Definitiv in die 70er! Die Ära war mit ihren Schauspielern für den Film einfach grandios. Wenn Sie aber fragen, wann ich am liebsten in Hollywood gelebt hätte, würde ich die frühen 60er wählen, die Zeit von „Dino’s Lodge“ auf dem Sunset Boulevard, Dean Martins Club – eine unglaublich coole Zeit.

Sie sind ja in L. A. geboren. Was sind Ihre frühesten Erinnerungen an die Traumfabrik?

Geprägt hat mich mein erster Besuch im Grauman’s Chinese Theatre, dem Kino auf dem Hollywood Boulevard 1969. Meine Mutter und mein Stiefvater nahmen mich mit, um „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ mit Paul Newman und Robert Redford zu sehen. Sie hatten mir so viel davon erzählt, ich konnte es kaum abwarten, dieses legendäre Theater endlich zu sehen.

Von dem Ausflug profitieren Kinofans wohl bis heute . . .

(lacht) Ja, das war unvergesslich. Meine Eltern erzählten mir natürlich auch von den ganzen Hand- und Fußabdrücken der Stars. Ich war großer Fan von John Wayne und wollte unbedingt dessen Abdrücke sehen, weil er angeblich so kleine Füße hatte. Natürlich haben sie mir auch vom „Walk of Fame“ berichtet, mit den eingelassenen Sternen, und dem Wachsfiguren-Museum. Ich habe meinen Stiefvater immer über Hollywood gelöchert.

Und nun sind Ihre eigenen Abdrücke dort zu sehen?

Ja, seit 2015!

Ihr Film ist überraschend splatterfrei und wirkt wie eine nostalgische Liebeserklärung an das alte Hollywood. Sind Sie etwa zum Romantiker geworden?

Ich bin auch romantisch! Oder ich werde auf meine alten Tage noch ganz sanft . . . Margot Robbie bezeichnet mich gern als großen Softie! Sagen wir so: Sie sehen hier eine andere Seite von mir.

Gab es bei einigen Szenen keine Lachkrämpfe am Set, etwa wenn DiCaprio singt und tanzt?

Gott bewahre, ich hätte in der Szene nie gelacht! Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich Leo wirklich dazu gebracht habe! Ich hätte diesen grandiosen Moment nie ruiniert – ich verjage ja auch keinen Schmetterling, nur um ihn zu berühren! Jedes Mal, wenn ich diese Szene sehe, kann ich mein Glück nicht fassen. Das war echt cool, witzig und auch mutig von Leo. Wir beide lachen viel, wir haben den gleichen Humor und längst unsere kleinen Insider-Witze, die nur wir kapieren.

Wann begann für Sie die Neuzeit der Traumfabrik? Mit Blockbustern wie „Der weiße Hai“?

„Der weiße Hai“ kam 1975 raus, damals fing die Mentalität der Branche an, sich zu ändern. Das lag auch an „Star Wars“ und „Rocky“ 1976. Die führten das Konzept des Happy Ends damals groß ein. Zuvor ließ man den Hauptdarsteller am Ende immer sterben, meist als echten Loser. Man war zynisch und dachte, so ließe sich die Realität besser abbilden. „Rocky“ hat alles verändert – und jetzt werden wir das Happy End gar nicht mehr los!

Ist Ihr Film tatsächlich ein Tribut an die Traumfabrik?

Ich würde nicht sagen, dass es meine Liebeserklärung an Hollywood ist. Es gibt ein paar romantische Momente, aber ich habe auch einen zynischen Blick auf die damalige Zeit.

„Once Upon A Time... In Hollywood“

Mit seinem neuen Film„Once Upon a Time... in Hollywood“, der am 15. August in die Kinos kommt, geht Tarantino auf Zeitreise nach Los Angeles in die Ära der Hippie-Bewegung mit Sex und Drogen, wilden Partys in der Playboy-Mansion und einer der berüchtigsten Mordserien der Filmmetropole: Der 1963 geborene Regisseur war gerade sechs Jahre alt, als die Schauspielerin Sharon Tate und sechs weitere Menschen im August 1969 von jungen Anhängern des Kultführers Charles Manson brutal ermordet wurden.

Hat Hollywood in gewisser Weise seine Unschuld verloren, als Sharon Tate 1969 von Charles Mansons Clan ermordet wurde?

Darüber habe ich viel sinniert. Joan Didion schrieb mal, dass die Sechziger offiziell mit den Manson-Morden endeten, und die ganze Welt scheint in dieses Zitat verliebt zu sein. Ganz so einfach ist es nicht. Während die Hippies von Frieden und Liebe sprachen, wurden in Vietnam Menschen abgeschlachtet. Die Polizeibrutalität geriet außer Kontrolle. Leute wanderten fünf Jahre in den Knast, nur weil sie einen Joint in der Tasche hatten. Rückblickend hat die Hippie-Bewegung viel Aufsehen erregt, aber die Gesellschaft nicht nachhaltig geprägt. Da ist auch viel schief gegangen.

Mussten Sie für den Film überhaupt recherchieren oder stammt das alles aus der riesigen Cine-Enzyklopädie in Ihrem Kopf?

Ich habe mein ganzes Leben lang Recherche für diesen Film betrieben, weil mich alles interessiert, was mit Hollywood zu tun hat. Allerdings habe ich mich noch mal intensiv mit dem Manson-Clan beschäftigt, mit den Machtstrukturen auf der Spahn-Ranch. Übrigens brauchte ich ein Jahr, um mich durchzuringen diesen Film zu drehen, und zwar aus diesem Grund: Ich mochte es nicht, dass die irren Gedanken von Manson in meinem Kopf rumgeistern.

In Cannes sagten Sie, dass Sie Polanski nicht über Ihr Vorhaben in Kenntnis gesetzt hätten. Wie wichtig war, dass Sharon Tates Schwester Debra Ihnen ihren Segen gab?

Das bedeutete mir alles! Wenn man einen Film wie diesen dreht, wird der nicht jedem gefallen. Ich wusste, dass ich ein Risiko eingehe. Mir ist egal, was jeder einzelne, ob Kritiker oder nicht, von diesem Film hält. Aber wenn Debra Tate zufrieden ist, bin ich das auch. Ihre Meinung zählt.

Ist Ihnen wirklich egal, was geschrieben wird? Alles, was Sie tun, wird unter einer Lupe betrachtet, jede Story wird aufgeblasen. Nervt das nicht?

Bevor ein Journalist früher mit mir sprach, kannte ich seine veröffentlichten Artikel und konnte mit ihm ein gehaltvolles Gespräch führen. Die Branche hat sich aber grundlegend geändert. Ich gebe mir noch immer Mühe bei einem Interview, der Journalist sucht aber nur das Aufsehen erregendste Zitat aus, reißt es aus dem Kontext und veröffentlicht es auf 30 000 Plattformen von Indien bis Irland.

Warum geben Sie dann überhaupt noch Interviews, bei so viel Ungemach?

Die gute Seite ist: Offenbar regen wir eine öffentliche Diskussion an. Und das ist wichtig. Als letzten Freitag der Film in den USA anlief, wurden schon Sonntag klassische Kritiken verdrängt durch intensive Diskussionen über die Inhalte und Ebenen des Films. Es gab Debatten über das Ende und verschiedene Aspekte der Story. Das heißt, dass dieser Film die Leute interessiert und wir etwas geschaffen haben, das für die Öffentlichkeit von Bedeutung ist.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kinos?

Die macht mir zum einen etwas Angst, aber gleichzeitig ist es wahnsinnig aufregend, nicht zu wissen, in welche Richtung sich eine ganze Branche entwickeln wird. Eine ähnliche Umbruchphase hat die Filmindustrie der 70er Jahre so spannend gemacht. Hollywood ist immer dann am besten, wenn Hollywood keine Ahnung hat, wie es weiter geht! 

Dieser ist Ihr neunter Film – nach zehn soll Schluss sein. Ist das unverändert Ihr Plan?

Der Plan ist weiterhin die zehn Filme zu drehen. Aber es steht noch nicht fest, was Nr. 10 sein wird. Vielleicht „Star Trek“! Ich hatte auch eine Idee zu „KiIl Bill 3“... Aber vielleicht wird’s was ganz anderes, was noch in mir schlummert – kurz gesagt: keine Ahnung!

Was ist Tarantino ohne Filme?

Nun, ich bin ja auch Autor. Vielleicht schreibe ich Bücher über Filmgeschichte. Oder Romane. Mal sehen!

Was, wenn ein Fremder dann Ihre Romane verfilmen will?

Dafür müsste ich ihm erst mal die Rechte verlaufen! (lacht)

Von Mariam Schaghaghi

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