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Kultur im Norden Elie Levy – Meister der Körpersprache
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17:26 11.03.2019
Der Meister der Pantomime, Elie Levy, tritt in den Kammerspielen im Theater in Lübeck auf. Foto: Olaf Malzahn Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Nach drei Jahrzehnten als Pantomime auf der Bühne legt Elie Levy seine Masken und Schminke ab und enthüllt die Geheimnisse der Körpersprache: quirlig-agil, nicht von oben herab, sondern wie in einem vertrauensvollen Gespräch unter guten Bekannten. Dabei wiederholt sich der Künstler schon mal oder verliert kurz den Faden, aber nie die Verbindung zu seinem Publikum.

Man kann nicht nicht kommunizieren

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, lautet einer der fünf Grundsätze des Psychotherapeuten Paul Watzlawick. Und genau das deckt Levy, der unter anderem beim Begründer der modernen Pantomime Etienne Decroux in Paris studiert hatte, auf: die Signale, die wir unbewusst senden und was wir ungewollt ständig über uns und unseren Gemütszustand verraten in unserer Haltung, unseren Bewegungsabläufen, unserem Gebaren anderen Menschen gegenüber.

„Ich liebe Trump“

Dazu holt er sich ab und an Unterstützung aus dem Publikum. „Ich liebe Trump“, bekennt Levy schmunzelnd und demonstriert amüsiert das Händeschütteln des US-Präsidenten mit dem dominierend nach oben gerichteten Handrücken, dem Heranziehen seines Gegenübers – womit er die instinktiv als Mindestmaß empfundene Distanz einer Armlänge zunichtemacht – und dann auch noch das Umfassen der Schulter. Oder subtilere Manipulationen wie im Polizeiverhör: dem anderen – ohne ihn zu berühren – seinen Raum zu nehmen und damit unter Druck zu setzen.

Eine Sache der Deutung

Heute lebt der Künstler in Hamburg, von wo aus er Unternehmen und Institutionen berät. Was er analysiert, könnte so klischeehaft sein, würde Elie Levy nicht mahnen, sich stets für mehrere Perspektiven und Erklärungen offen zu halten. Die verkrampft wirkende Haltung eines scheinbar stark verunsicherten Gegenübers könnte auch von einer schmerzenden Blase am Fuß herrühren. In seinem Kiez in Hamburg etwa seien viele „Arme“ unterwegs, die nur halbe Autos ohne Dach besäßen und zu Hause nichts zu essen hätten, weswegen sie ausgehen müssten. Alles eine Sache der Deutung.

„Das ist alles Theater“

Levy hält seinem Publikum lächelnd und rücksichtsvoll den Spiegel vor, auch durch Beispiele aus der Politik. „Das ist alles Theater!“ enthüllt er und betont, dass die großen Entscheider keine Schauspielprofis seien und ihre Konzentration zum Durchhalten ihrer angenommenen Körperhaltung oft irgendwann zu bröckeln beginne.

Wie trete ich gut auf?

Zum Schluss dann noch eine eindrucksvolle Kostprobe seiner eigentlich so stillen Kunst: Mit sparsamer Pantomime gibt Elie Levy verschiedenen Masken das entsprechende Auftreten: „Stark, wunderbar“, kommt es aus dem Publikum. So windet sich Levy derart verunsichert, dass man kaum hinsehen mag. Doch wieso sind die Schultern dieses eher zierlich-drahtigen Mannes plötzlich doppelt breit, wieso wirkt er bossig-bullig und stellt mit minimaler Gestik trotz starrer Maske eine Autorität her, die durch den ganzen Saal wirkt?

Selbstbewusstsein vermitteln

„Von innen aufbauen“ nennt Levy es: Man kann mit nach vorn gebeugten Schultern durch das Leben gehen, den Blick zu Boden gerichtet, eher schlurfend denn schreitend. Oder sich aufrichten und Selbstbewusstsein vermitteln. Wir selbst sind es, die bestimmen, wie wir gesehen werden. Was nicht heißt, dass die Deutung anderer stets zutrifft.

Geld am Boden

Und das ist wohl der wichtigste Part dieses Abends, den Levy auch mit einem Beispiel verdeutlicht. So lässt er Geldscheine zu Boden fallen, tritt auf ihnen herum, zerknüllt sie und hält die dreckigen Noten in die Höhe: „Sie haben immer noch den gleichen Wert.“

Margitta True

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