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Kultur im Norden Theater beim Superkunstfestival: Grenzenlos gut!
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Theater beim Superkunstfestival: Grenzenlos gut!
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17:00 27.06.2019
„Wer bist Du und wo sind Deine Grenzen?“ Das Stück beginnt mit einer Gegenüberstellung und vielen, vielen Frage, die sich die Darsteller gegenseitig an den Kopf werfen. Quelle: Fotoagentur 54°
Lübeck

 Am Ende fielen sich alle 18 Darsteller, Regisseurin Frieda Stahmer und die Produktion nur noch in die Arme. Voller Glück und Freude übergaben sie sich gegenseitig Blumen und Geschenke, verbeugten sich immer wieder vor dem Publikum und dankten sich gegenseitig, wie großartig diese Premiere über die Bühne gegangen sei. Und das zu Recht.

Gemeint ist aber nicht nur die Premiere von „Die Grenze in mir“ – es ist das großartige Projekt, das dahinter steht: Ein einstündiges Stück mit sehr viel Tiefgang und Fragen, gespielt von Menschen ohne schauspielerische Ausbildung, dafür aber mit ganz „eigenen, anderen Paketen“, wie Knut Winkmann, Leiter der Bürgerbühnen am Theater Lübeck, hinterher sagte: „Mit geistig oder körperlicher Behinderung, mit psychischen Problemen und so manch schweren Lebenswegen.“

Seit Mittwoch findet auf dem Campus der Vorwerker Diakonie Lübeck (Triftstraße 139-143) das Theater-Festival zwischen Überschreitung und Annäherung unter dem Titel „Crossing Border“ statt –als Teil und Ergänzung des Superkunstfestivals, wo am Wochenende gut 8000 Gäste erwartet werden.

Das volle Programm

Sechs Inszenierungen auf zwei Bühnen, das Programm des Superkunstfestivals kann sich sehen lassen:

„Die Grenze in mir“in Kooperation mit der Kulturakademie der Vorwerker Diakonie: Sonntag 30. Juni, 17 Uhr, Theaterbühne in der Reithalle

„Henry V: Dieser Stern von England“von William Shakespeare (Kurzversion auf Englisch): Freitag 28. Juni, 20 Uhr (Premiere), Sonntag, 30. Juni, 13 Uhr, Theaterbühne in der Reithalle

„Und die Vögel (müssen) fliegen!“ – ein Projekt mit Jugendlichen, präsentiert vom Spielclub: Freitag, 28. Juni, 18 Uhr, Theaterbühne in der Sporthalle

„Democracy Debattle!“, Kooperation mit dem Willy-Brandt-Haus, Sonnabend und Sonntag, jeweils 10 bis 17 Uhr, Campus der Vorwerker Diakonie

Lübeck Next“ – Wie findest du Deine Stadt und wie sieht das Lübeck der Zukunft aus?“: Sonnabend, 29. Juni, 15 Uhr, Sonntag 30. Juni, 10–18 Uhr, an der Reithalle

„Colourful World“: politisches Theaterstück mit Lübeckern und Flüchtlingen vom Verein „Colourful Minds“ in Kooperation mit dem Projekt „FLOW“, „Oskar Lübeck“, dem Solizentrum Lübeck, dem „Kinder- und Jugendkulturhaus Röhre“, dem Treibsand: Sonnabend, 29. Juni, 16.15 Uhr, Theaterbühne in der Reithalle

„Wer liebt hier wen?“: Intermediales Theaterprojekt der inklusiven Theatergruppe von „mixed pickles e.V.“, Sonnabend, 29. Juni, 18 Uhr, Theaterbühne in der Sporthalle.

Mehr Infos gibt es unter www.theaterluebeck.de und auf www.superkunstfestival.de.

Thema des Stücks ist, wie der Titel vermuten lässt, die Grenze. Was ist eine Grenze? Warum haben Menschen Grenzen? Warum grenzen sie sich ab? Wer bestimmt, wo eine Grenze verläuft? Ist eine Grenze etwas Gutes, weil sie Schutz bietet? Oder etwas schlechtes, weil sie Distanz aufwirft?

Bilder im Kopf

Fragen über Fragen, dargestellt von Laiendarstellern, die in ihren Rollen verschiedene Menschentypen verkörpern und den Zuschauer immer wieder spiegeln, Obdachlose, Ausgebrannte, Bio-Fetischisten, „Normale“ oder „Kranke“, wie es in dem Stück immer wieder heißt.

Mit einem schlichten Bühnenbild und einer minimalen Handlung – dafür aber mit evozierten Bildern, die umso facettenreicher sind.

Die Dialoge und Gegenüberstellungen sind teils musikalisch unterlegt und behandeln die typischen Themen des Lebens wie Krankheit, Geldnot, Arbeit, Mitgefühl und Menschlichkeit – sehr gekonnt inszeniert, gerade vor dem Hintergrund, dass das Team, das seit gut einem Jahr für dieses Stück probt, kein professionelles ist und die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen auch durchaus andere Herausforderungen mit sich bringt, so Knut Winkmann. „Weil sie ihre Routinen und Abläufe haben. Da kann man nicht einfach sagen, dass man eine Probe kurz verschiebt, das ist für einige ein großes Problem.“

Aufgeführt wird „Die Grenze in mir“ auf einer großartigen Bühne, die das Theater Lübeck in der Reithalle der Vorwerker Diakonie aufgebaut hat. Quelle: Fotoagentur 54°

In Zusammenarbeit mit der Kulturakademie der Vorwerker Diakonie, gemeinsamer Unterstützung und der – im wahrsten Sinne des Wortes – eigenen Grenzüberschreitung ist es gelungen, das Stück auf die Bühne zu bringen. Ein Stück, das ironisch, rührend und anregend zugleich ist.

Menschen am Rande der Gesellschaft spielen hier eine große Rolle. Quelle: Fotoagentur 54°

Eigene Barrieren überwinden

Mit mehr Symbolik als Requisite wird der Zuschauer hier immer wieder angehalten, nachzudenken, sich in die Lage der Darsteller zu versetzen und die eigene, innere Haltung zum Thema „Grenze“ zu reflektieren.

Letztlich wollen alle Menschen glücklich sein und akzeptiert werden: „Die Grenze in mir“ leistet einen großen Beitrag dazu, vor allem ist das Stück ein tolles Ergebnis für eine funktionierende Gemeinschaft – wenn man nur die inneren Barrieren überwindet.

„Die Grenze in mir“: Nächste Aufführung auf dem Superkunstfestival am Sonntag, 30. Juni, 17 Uhr auf dem Campus der Vorwerker Diakonie (Triftstraße 139-143), auf der Bühne in der Reithalle. Geplant ist auch, das Stück noch einmal ins Studio des Theater Lübecks zu holen, dafür gibt es aber noch keine Spieltermine.

Festival der besonderen Art

Das „Superkunstfestival“ ist in seiner Art einzigartig in Deutschland, vielleicht sogar darüber hinaus. Der Leitgedanke der Inklusion ist dabei konstanter Antrieb: Menschen mit und ohne Behinderung aus allen Nationen arbeiten vor und hinter den Kulissen daran, ein ganz besonderes Festival auf die Beine zu stellen.

Beim „Crossing Border“ Theaterfestival ist das auch so: Beide noch junge Formate vereint das Anliegen, Menschen aus unterschiedlichsten Lebensräumen teilhaben zu lassen.

Das „Superkunstfestival“ ist ein außergewöhnlicher Beleg für eine inklusive und weltoffene Gesellschaft, in der Verantwortung der Kulturakademie der Vorwerker Diakonie, die dabei auf ein umfangreiches Knowhow und starke Partner setzt. Das „Crossing Border“-Theaterfestival baut damit ebenfalls neue gesellschaftliche Brücken.

Schabnam Tafazoli

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