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Kultur im Norden Eine Nacht voller Magie
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22:23 22.09.2018
Der Theater-Nachwuchs am Start im Kinderchor-Workshop „Oliver Twist“ des Theaters Lübeck. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Dass ausgerechnet zum Beginn der 12. Lübecker Theaternacht der Herbst Einzug halten musste, konnte die Besucher nicht abhalten. Schon zum zauberhaften Auftakt um 15 Uhr im Wasser Marionetten Theater war der Andrang groß. Schnell hatten sich vor vielen Veranstaltungsorten lange Schlangen gebildet – die Theaterfans trotzten den Herbstschauern und Windstößen.

Bühne frei für Schiffsratte „Konzilius“

„Das ist doch keine Geige!“ wird Wolf Malten lauthals aus den ersten Reihen des Wasser Theaters korrigiert. Immerhin hatte der Marionettenbauer seine Gitarre so bezeichnet. Von nun passte das junge Publikum sehr genau auf. Und erhielt Unterstützung von der Schiffsratte „Konzilius“. Das weltweit einzige Theater seiner Art ließ erstmals den kleinen Star aus dem Koffer steigen, der ab Dezember das „Meerchen“-Kinderprogramm bestreiten wird. Im 3000-Liter-Becken gab es dann einen eskalierenden Konflikt zwischen einem badenden älteren Herrn und einem Fisch, und die kleinen Zuschauer zitterten mit, ob der freche kleine Ostseebewohner im Wasser dem Kescher des Zweibeins entkommt.

Die Auswahl dessen, was Lübecks Bühnen zu bieten hatten war groß, der Ansturm der Besucher ebenso.

Ähnlich gut kam der Appetitmacher im Rahmen der Theaternacht im Zaubertheater an der Beckergrube an. Magier Roland Henning wagt hier in der kleinen Bühne mit nur 35 Plätzen eine nahezu distanzlose Beziehung zum Publikum und gibt ihm somit jede Gelegenheit, ihm ganz genau auf die Finger zu schauen. Mit einem 25-minütigen Ausschnitt aus einem Programm „Lug & Trug“ hatte der Zauberprofi sofort einen Draht zu seinen Zuschauern. Doch auch in der 25-minütigen Kostprobe kamen die Zuschauer aus dem Lächeln und Kichern nicht mehr heraus, wenn dank leider unsichtbaren Feenstaubs drei Seile zu einem werden, zwei Zauberwürfel plötzlich identisch gelöst sind und dank „Gedankenaustauschs“ Roland richtig rät, welche Karten das Publikum nach Mischen und Weiterreichen ausgewählt hat: „Das ist ein Mysterium, das ich nie lüften werde“.Tricks verraten wird der Magier also auch in seinem aktuellen Programm nicht, aber ihn zu erleben, macht Laune.

Showtime im Theater Partout

Im Theater Partout gaben Uli Sandau und Christina Völz einen Einblick in die kommende Produktion „Die Studentin und Monsieur Henri“, die liebevoll und auch mit ein wenig schwarzem Humor erzählte Geschichte eines alten Griesgrams, der mithilfe der chronisch abgebrannten jungen Constance versuchen will, seine ungeliebte Schwiegertochter loszuwerden. Neugier auf die aktuelle Saison des Theaterhauses in der Königstraße weckte auch ein Ausschnitt aus der Wiederaufnahme der Komödie „Das Original“, für die nun Reiner Lorenz in die Rolle des Kunsthistorikers Percy schlüpft. Zusammen mit Andrea Bergmann gab er eine hinreißende Kostprobe: Zwei Personen, deren gesellschaftliche Stellung und Herkunft unterschiedlicher nicht sein könnte machen durch die Beschäftigung mit einem Kunstwerk berührende Erfahrungen.

Gleich nebenan zeigte der Bühnennachwuchs großes Showtalent: Reiner Lorenz, der mit Uli Sandau mittlerweile 14 verschiedene Laien-Ensembles an der Schauspielschule der Gemeinnützigen aufgebaut hat, hatte mit den 14-17-Jährigen clowneske Slapstick-Szenen à la Charlie Chaplin einstudiert, die 7-10-Jährigen führten unter der Leitung von Regina Marx eine ganz allerliebste „Hamstergeschichte“ vor, und die Gruppe der Erwachsenen präsentierte unter der Leitung von Ria Ohmstede heitere Szenen über das Suchen und Finden von Glück.

Die „Goldenen Zwanziger“ im Theater Lübeck

Großer Andrang auch im Theater Lübeck: In Massen strömten die Menschen in das Gebäude, über dem in Riesenlettern ein politisches Statement zu lesen war. Das bewusst mit einem Fragezeichen versehene Bibelzitat „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt?“ richtete sich gegen aktuelle rechtsradikale Auswüchse. Indem es die Ära der zwanziger und dreißiger Jahre im Schauspiel und Musiktheater heraufbeschwört, schlägt das Theater einen Bogen zur heutigen Zeit. Unter der Überschrift „Die Goldenen Zwanziger“ entführten zunächst die „Comedian Harmonists“ aus der Produktion von Willy Daum in die Glitzerwelt Berlins. Frech, frivol und komisch bezauberten die fünf Frackträger mit ihrem Pianisten das Publikum. Mit unvergesslichen Schlagern wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder der „Bar zum Krokodil“ versetzten sie den voll besetzten Saal in Verzücken – vergnügtes Glucksen und begeistertes Gejohle inklusive. Dann der harte Schnitt: Ausschnitte aus „Berlin Alexanderplatz“ nach dem Roman von Alfred Döblin, inszeniert von Andreas Nathusius. Die düstere Kehrseite Berlins zu dieser Zeit, mit Arbeitslosigkeit, ärmlichen Mietskasernen und politischen Kämpfen. Genauso wie es zuvor lachte, schwieg jetzt das Publikum, ließ sich mitnehmen in eine Stimmung der Düsternis.

Workshop: Einmal Topmodel sein

Unter der Vielfalt der Angebote waren auch solche für Kinder und Jugendliche. Ein Chor-Workshop des Musicals „Oliver“ lockte zahlreiche Familien in den Malsaal. Der fröhliche „Dancing Captain“ Janne Marie Peters und der Musikalische Leiter Adrian Pavlav am Klavier ermutigten die 15 Kinder und zwei Elternteile, den „Brot“-Chor und die Choreographie dazu einzuüben. Das gelang überraschend gut. Hoch konzentriert und diszipliniert waren die Jungen und Mädchen dabei. Das gerechte Urteil einer Mutter „Toll habt ihr das gemacht!“

Ein Workshop im Jungen Studio lud Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu ein, in die Rolle von „Top Models“ zu schlüpfen. Ein kleines Kammerorchester spielte Musik, der rote Teppich war ausgerollt, und an einem kleinen Tisch standen Highheels samt Hütchen zum Verkleiden. Da gab es dann unter anderem ein lustiges Mutter-Tochter-Schaulaufen. Das Kind suchte sich statt Pumps einen kecken blauen Filzhut aus. Ein anderes Mädchen lief mutig alleine und mit Cowboyhut – „12 von 10 Punkten!“ rief es aus der „Jury“. Die Ironie auf die Spitze trieb dann der junge Tenor Leon mit einer getragenen Arie zum gefürchteten „Umstyling“: „Mit der Frisur werd ich bestimmt gleich viel cooler“.

oro/srf/tru

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