Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Till Brönner gibt Weihnachtskonzert in Lübeck
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Till Brönner gibt Weihnachtskonzert in Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:03 17.11.2019
Trompeter und Jazz-Musiker Till Brönner Quelle: Patrice Brylla
Lübeck

Sein 2007 erschienenes Werk „The Christmas Album“ gilt mittlerweile schon als moderner Klassiker. Mit „Better than Christmas“ wird der international renommierte Trompeter den musikalischen Bogen von klassischem Weihnachtsrepertoire über swingende amerikanische Standards bis hin zu aktuellen Kompositionen spannen – und das ganz ohne Kitsch, aber mit jeder Menge Gefühl.

Herr Brönner, ab wann geht bei Ihnen das Weihnachtsgefühl los?

Sehr früh, wenn wir im Sommer schon proben oder neue Lieder aufnehmen. Da steht dann auch gern mal ein kleines Tannenbäumchen bei Sonnenschein und warmen Temperaturen bei uns im Studio, um in Stimmung zu kommen.

Sind Sie ein Weihnachtsmensch?

Also, ich sage mal, wenn schon, denn schon.

Was verbinden Sie mit Weihnachten?

Weihnachten ist für mich der Moment, in dem Menschen zum Fest mit ihren Liebsten in Harmonie zusammen sind. Das ist nicht nur schön, sondern heutzutage auch Luxus, wenn man bedenkt, wie viele Menschen dieses Datum fürchten, weil sie einsam sind.

Sie wohnen in Los Angeles und Berlin. Wo feiern Sie in diesem Jahr Weihnachten?

Das weiß ich noch nicht genau, das ist noch in der Mache.

Sind Sie eher der Typ „White Christmas“ oder „Last Christmas“?

Was bitte ist Last Christmas? Nein ... ich bin eher der klassische White-Christmas-Typ.

Santa Claus oder Christkind?

Das Christkind – da trage ich die Wurzeln meine Kindheit in mir.

Spekulatius oder Stollen?

Stollen. Und am liebsten den Dresdner.

Feiern Sie am 24. oder 25.?

Am 24. – auch da bin ich sehr deutsch-geprägt.

Würstchen und Kartoffelsalat oder Gans?

Die gute Gans. Ich mag es festlich und klassisch.

Sie spielen am 3. Dezember in Lübeck. Sie wissen sicherlich, dass hier das weltbeste Marzipan herstammt.

Natürlich weiß ich das.

Und wissen Sie auch, welche Zutaten Marzipan so lecker machen?

Neben den Mandeln sicherlich jede Menge Zucker und wahrscheinlich noch ein, zwei Geheimzutaten. Schön wäre mal Bio-Marzipan.

Und wissen Sie, was Pipi Langstrumpf zu Weihnachten von ihrem Papa bekommen hat?

War das nicht ein großer Koffer?

Nein, eine Trompete.

Oh, was für ein guter Papa!

Was war das schönste Geschenk, das Sie einmal bekommen haben?

Wahrscheinlich auch mal ein Instrument – aber was mir viel mehr bedeutet, ist ein geschenkter Moment. Ich bin mittlerweile ein ausgeprägter Feinschmecker. Und jemand, der es schafft, mir einen wunderbaren Rinderbraten zu kochen, wie meine Großmutter damals, der hat bei mir ein großes Stein im Brett.

Künstlerisches Multitalent

Till Brönner wurde am 6. Mai 1971 in Viersen geboren und wuchs zunächst am Niederrrhein auf. Später ging seine Familie für fünf Jahre nach Rom, wo Brönner auch den Kindergarten besuchte. Das Abitur machte er 1990 in Bonn, wo er schon durch sein besonderes musikalisches Talent auffiel.

Brönner studierte Jazztrompete an der Hochschule für Musik Köln. Sein erstes eigenes Album „Generations of Jazz“ erschien 1993 und erhielt auf Anhieb den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Infolge dessen spielte er mit internationalen Jazzgrößen wie Dave Brubeck, Tony Bennett, Mark Murphy, James Moody Nils Landgren sowie Joe Sample.

Des Weiteren produzierte und komponierte Brönner für Hildegard Knefdas Album „17 Millimeter“ (1999). Außerdem produzierte er zwei Alben des amerikanischen Jazzsängers Mark Murphy, was ihm auch international viel Aufmerksamkeit einbrachte.

Seine meist in Los Angeles aufgenommenen Alben erreichten wiederholt Goldstatus. 2009 wurde Brönner zum Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresdenberufen. Seit dem Wintersemester 2009/2010 lehrt er dort zusammen mit Prof. Malte Burba im Fach Jazztrompete.

Nachdem er sich 2009 seine ersteLeica M8 Kamerazulegte, begann Brönner vorerst damit, Portraits von seinen Musikerkollegen aufzunehmen, bevor er den Mut fasste, Künstler außerhalb seiner eigenen Kreise nach Portraits zu fragen – Schauspieler, Sportler, Autoren, Aktivisten. Veteranen oder Newcomer – Brönners Kollektion begann sich bis zu dem Punkt zu erweitern, an dem er sie Hendrik TeNeues vom TeNeues Verlag anbot, der zustimmte Brönners ersten Fotoband „Faces of Talent“ zu veröffentlichen. Seine Bilder sind auf einem eigenen Instagramkanal sowie auf der Webseite www.tillbroenner-photography.com zu sehen.

2010 und 2011 war Brönner Jurymitglied und Mentor in der Castingshow x Factor – in den beiden Staffeln, die er begleitete waren es seine Schützlinge, die die Show am Ende gewannen.

Im April 2016 wurde Till Brönner auf Einladung von US-Präsident Barack Obamains Weiße Haus eingeladen, um als einziger Jazzkünstler aus dem deutschsprachigen Raum mit 45 internationalen Kollegen den International Jazz Day (30. April) der UNESCO mit einem Konzert zu feiern. Das All-Star-Ensemble umfasste unter anderem Aretha Franklin, Morgan Freeman, Sting und Al Jarreau.

Brönner hat einen Sohn und lebt in Berlin und Los Angeles.

Nehmen Sie Weihnachten auch mal Ihre Trompete in die Hand?

Das kommt sicherlich auch mal vor, klar.

Wenn Sie sich drei Dinge vom Weihnachtsmann wünschen dürften. Welche wären das?

Das klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber ich würde mir eine Formel für eine bessere Verständigung zwischen den Völkern wünschen. Also... mehr Toleranz, mehr Verständigung und mehr Neugier für die Menschheit. Und ich wünsche mir vor allem für die Deutschen mehr Neugier anderen Kulturen gegenüber.

5 Echos, 1 Grammy – haben Sie für sich noch weitere musikalische Ziele?

Es wäre ja schade, wenn nicht. Im Rückblick freue ich mich natürlich über die Preise, auch wenn ich daran feststellen muss, wie die Zeit vergeht und ich keine 20 mehr bin. Aber es gibt durchaus noch Einiges, was ich vorhabe. Und ich habe festgestellt, dass Pläne, die ich habe, manchmal gern durch andere Pläne durchkreuzt wurden – nämlich denen, die ich gar nicht gemacht hatte.

Haben Sie Tipps, wie man gerade in dieser etwas hektischen Zeit etwas Besinnlichkeit genießen kann?

Ich gehe gern spazieren und das ausgiebig und lange. Das ist erstens gut für den Körper und zweitens kommen mir dabei wunderbare Gedanken. So habe ich das Gefühl Bewegung und Seele-Baumeln-Lassen sehr gut miteinander zu verbinden.

Sie waren 2016 auf Einladung von Barack Obama im Weißen Haus. Gab es schon eine Einladung von Donald Trump?

Nein, noch nicht.

Und würden Sie der Einladung folgen?

Das käme drauf an, was auf der Einladung steht.

Till Brönner in Lübeck

Auf der „Better Than Christmas“- Tourwird der Trompeter von seiner internationalen Band, bestehend aus Mark Wyand (Saxophon), Bruno Müller (Gitarre), Jasper Soffers (Klavier), Jan Miserre (Keyboard), Christian von Kaphengst (Bass) und David Haynes (Schlagzeug) begleitet.

Das Septett und Brönnerspielen am Dienstag, 3. Dezember, in der MuK.

Tickets ab 37,70 Euro in allen LN-Geschäftsstellen und im LN-Ticketshop: www.tickets.ln-online.de

Wie sehr hat sich das Lebensgefühl in den USA verändert? Merken Sie etwas von der Stimmung im Land?

Das Lebensgefühl hat sich sehr geändert, weil vielen Amerikanern im Land plötzlich eine Art Hoffnung geschenkt wurde, von der ich glaube, dass sie am Ende nicht erfüllt werden wird. Und in den Ballungsgebieten an der Ost- und Westküste, also in New York und Los Angeles, ist der Umgang der Menschen mit der neuen Politik ein völlig anderer. Offen und aggressiv.

Meinen Sie, er wird wieder gewählt?

Ich befürchte ja. Trump hat die Spaltung Amerikas strukturell verstanden. Und dafür ist er für seine Partei, also für die Republikaner, der perfekte Rammbock, der die Amtszeit ein zweites Mal gewinnen kann.

Was kann man im Großen und Ganzen bei der Aggressivität tun?

Ich glaube, man darf das nicht verallgemeinern – und, was ich wichtig finde, nicht zu groß zu denken und glauben, man müsse die Welt retten. Bevor man die Welt überhaupt retten kann, sollte man realistisch sein und erstmal vor der eigenen Haustür schauen, was es zu tun gibt – auch wenn es nur was Kleines für andere Menschen ist. Nett sein und helfen zum Beispiel bewirkt schon oft Großes. Im direkten Umfeld gibt es immer viel zu tun und viel zu helfen.

Lesen Sie dazu auch:

Von Schabnam Tafazoli

Von Hörrohr bis Hightech: Die Lübecker Akademie für Hörakustik hat eine der größten Hörgeräte-Sammlungen der Welt.

17.11.2019

Der selbst ernannte „Gott of Schlager“ hatte gerufen – und gut 2500 Menschen kamen am Sonnabend in die MuK, um ihn zu feiern.

17.11.2019

Es gibt viele Gelegenheiten in den kommenden Tagen, um den Star David Geringas am Violoncello zu erleben – bei Konzerten in der MuK und der Musikhochschule und bei öffentlichen Meisterkursen.

15.11.2019