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Kultur im Norden Törichte und kluge Jungfrauen
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21:10 16.03.2013
Erasmus Zipfel vor den Jungfrauen: Zipfel, Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Lübeck, widmet die Kunsthalle St. Annen im nächsten Jahr eine Sonderausstellung mit informeller Kunst. Quelle: Roeßler
Lübeck

Das neue Museumsquartier St. Annen bietet Kunst vom Mittelalter bis heute — und gehört zum Schönsten, was Lübeck zu bieten hat. In einer Serie beschreiben Ausstellungsmacher und andere, denen das Quartier ans Herz gewachsen ist, ihre Lieblings-Ausstellungsstücke oder -räume. Der Maler und Musik-Professor Erasmus Zipfel beschäftigt sich mit zwei Figurengruppen.

Die größte Überraschung erwartete mich in einem Eckraum des Kreuzganges im ehemaligen Eingangsbereich des Klosters. Ich bin gebannt vor der neuen Präsentation der beiden Figurengruppen der fünf klugen und der fünf törichten Jungfrauen stehen geblieben, die aus der ehemaligen Burgkirche stammen. Den Figurengruppen wurde ein neuer Standort zugewiesen. Sie stehen nun an den Stirnseiten des kleineren Raumes und werden — entgegen der früheren Präsentation — einander zugewandt gezeigt.

Die neue Präsentation wird vervollständigt durch die Reihe der Apostelfiguren. Diese stehen auf gleicher Höhe mit den anderen an der Längswand des Raumes, und ihre Reihe trennt die beiden weiblichen Figurengruppen voneinander. Eine besondere Konzentration erfüllt die Präsentation, und sie fängt sich im prächtigen Gewölbe des Raumes auf. Den beiden Jungfrauengruppen sind die Figuren der Ecclesia und Synagoge zugeordnet. Sie verweisen auf das Thema der Ablösung einer alten Ordnung durch eine neue. Die flandrische Werkstatt, die mit der Herstellung beauftragt gewesen ist, verfolgte daher nicht eine naheliegende Konnotation der Jungfrauenfiguren mit Tugend und Laster. In Haltung und Ausstattung der Figurengruppen aus der Lübecker Burgkirche wird vielmehr die Thematik der beiden Ordnungen Ecclesia und Synagoge hintergründig weitergeführt.

Die törichten Jungfrauen, die von der Synagoge angeführt werden, repräsentieren die alte Ordnung. Sie sind modisch gekleidet, wirken höfisch, offiziell und ein wenig steif mit dem hochgesteckten Haar. Die alte Ordnung wird uns als ein gesellschaftliches Arrangement vorgeführt. Das aufgelöste Haar der klugen Jungfrauen dagegen, ihre einfachere Kleidung und anmutige Gestalt werden dabei zum Kern der Aussage. Die klugen Jungfrauen repräsentieren die neue Lebenskraft, den Elan der neuen Ordnung und zugleich auch Hoffnung, die dem Kommenden ganz allgemein gilt.


Serie

Schätze aus

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