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Kultur im Norden Tschechows „Drei Schwestern“ in den Kammerspielen Lübeck
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17:41 16.05.2019
„Es wird geredet und geredet und nichts getan“: Lily Sykes inszeniert Anton Tschechows „Drei Schwestern“. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die „Drei Schwestern“ haben schon viele Theatermacher herausgefordert, und nicht wenige sind an ihnen gescheitert. Das liegt ein Stück weit schon in der Natur des Stückes, denn Anton Tschechow hat damit den Rahmen des klassischen Dramas schlicht zertrümmert. Es gibt weder einen zentralen Helden noch einen klaren Handlungsschwerpunkt. Statt dessen ein diffiziles Geflecht von Beziehungen, in denen sich die Figuren verstricken. Die Premiere 1901 in Moskau wurde dennoch ein großer Erfolg.

Als Konstantin Stanislawski, der wichtigste russische Regisseur seiner Zeit, es damals auf die Bühne brachte, klang die große Zeitenwende der Oktoberrevolution 1917 in Tschechows Gesellschaftsporträt schon an. Er skizziert die „Drei Schwestern“ als Angehörige des Bürgertums, gebildet, gut situiert, ausgestattet mit Ehrgeiz und Träumen, aber auch als handlungsunfähige Getriebene, die ihre Möglichkeiten vergeuden. Im Haus der Schwestern übernimmt die angeheiratete Schwägerin, eine Kleinbürgerliche, unterdessen das Regiment.

„Wohin führt das?“

Tschechows Figuren sind Menschen auf Sinnsuche in einer sich schnell verändernden Welt, in der alle Werte im Umbruch sind, das passt auch in unsere Zeit“, sagt die britische Regisseurin Lily Sykes, die das Stück am Theater Lübeck inszeniert hat. „Diese nebulöse Suche nach Sinn, nach Glück, nach irgendetwas ist total heutig. Sie zeigt das Problem der gebildeten Klasse, die kein Motiv findet, die redet und redet und nicht ins Handeln kommt.“ Gleichzeitig gehe die Lücke zwischen den Gesellschaftsschichten immer weiter auf und die Fähigkeit, sich zu tolerieren, verloren.

„Wohin führt das?“, fragt Sykes, die 2018 am Theater Lübeck Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ inszenierte. Tschechows Drama enthalte viele Anknüpfungspunkte zur Gegenwart, in der die digitale Revolution die Menschen herausfordert. Eine neuerliche Zeitenwende. Wie in einer Endlosschleife werde Tschechows Stück immer wieder aufgegriffen. „Die ,Schwestern’ wandern durch die Zeiten und durch die Theaterlandschaft, das haben wir in der Inszenierung aufgegriffen und lassen die ,Drei Schwestern’ auch hier durch die Zeit wandern – das fängt historisch an und wird immer moderner“, sagt Lily Sykes.

Erzählt werde die Geschichte aus der Perspektive der Diener Anfissa und Ferapont, die eine Art ewiger Präsenz im Haus der Schwestern darstellen. Um das Thema Zeit zu visualisieren, zeigt die Kulisse auf einer Drehbühne Fragmente des Hauses, auseinandergerissen wie Fetzen der Erinnerung – Gespenster der Vergangenheit.

Regine Ley

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