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Kultur im Norden Eine Frau, die ihr Publikum in Bann schlägt
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12:13 20.02.2020
Großartiger Auftritt ganz ohne Bühnen-Show: Ulla Meinecke im Theater Geisler. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

„Gute Geister“ heißt das Konzert, mit dem die 1957 in Hessen geborene Wahlberlinerin auftrat, virtuos begleitet von der Ulla Meinecke Band, einem Zwei-Mann-Orchester, das den Sound einer ganzen Rockband entfaltet. Denn Ingo York und Reinmar Henschke sind Multi-Instrumentalisten. Sie spielen Piano, Keyboards, Bass, E-Gitarre, akustische Gitarre, Synthesizer, Mundharmonika und Schlagzeug – meist zwei Instrumente gleichzeitig. Passend zum kuscheligen Ambiente des Saales spielen die zwei nicht aufdringlich laut, Ulla Meineckes Stimme ist, obwohl hörbar von einer Erkältung gehandicapt, gut verständlich und präsent.

Wenn es Ulla Meinecke im Bett zu eng wird

Ganz lässig betreten erst die beiden Musiker, dann die Sängerin die Bühne und legen sofort los mit dem ersten Lied: „Das war schon immer so“. Es folgen ihr Hit „Schlendern ist Luxus“, ehe Ulla Meinecke sich direkt an ihre Fans aus Lübeck und Umgebung wendet und dem Eindruck widerspricht, Paare, die lange zusammenleben, wüssten genau, was der andere denkt. Nein, jeder habe seine Geheimnisse, sagt sie und singt von der „Süßen Sünde“, singt, wie es ihr in seinem Bett zu eng wird, weil neben ihr nicht nur er liege, sondern auch die Frau, an die er gerade denkt.

Helden ihrer Kinderzeit: Tom Sawyer und Huckleberry Finn

Mit einem Schuss Selbstironie fragt sie ihr Publikum: „Kennen Sie das, dass die Glückwünsche zum Geburtstag von Jahr zu Jahr immer inniger werden?“ Jeder wünsche Gesundheit und Erfolg und gaaanz viel Liebe. „Aber ganz ehrlich: Das können die stecken lassen, ich nehme mir doch keine Arbeit mit nach Hause“, witzelt sie und erntet amüsiertes Gemurmel der Zuhörer. Sie widerspricht auch all denen, die hinter jeder Falte des Alters eine spannende Geschichte vermuten: Manche seien schlicht den Jahren geschuldet, bekennt sie und verkündet ironisch in ihrem gleichnamigen Song: „Ich bin zu alt fürs Showgeschäft“. Im Kontrast dazu singt und erzählt sie dann vom Lieblingsbuch und den Helden ihrer Kinderzeit: Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

Klares Statement gegen Rechtsextreme

Mit Beifall quittieren ihre Anhänger nicht nur die Musik. Auch politisch hat Ulla Meinecke das Publikum auf ihrer Seite, als sie sich klar von Rechtsextremisten distanziert und sich wünscht, dass die AfD-Politiker Björn Höcke und Beatrix von Storch – dem hinduistischen Glauben folgend – wiedergeboren werden: als Bauerntöchter in Bangladesch. Und sie mahnt, trotz Donald Trump die deutsch-amerikanische Freundschaft zu wahren – „mit den Amerikanern, die da oben noch alle haben“. Denn sie müssen zusammenhalten und die Demokratie verteidigen.

„Die Tänzerin“ – hier im Originalvideo

Natürlich endet das Konzert nicht ohne Meineckes Top-Hit „Die Tänzerin“, wie bei allen Stücken wunderbar musikalisch gestaltet von Ingo York und Reinmar Henschke und vom Publikum mit Standing Ovations bedacht. Den Abschluss bildet eine großartige Interpretation des Bob Dylan-Hits „Like a Rolling Stone“, bei der Tourhelfer Moritz seine Fähigkeiten als Gitarrist zu Gehör bringt.

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