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Kultur im Norden „Translation“ und „Relative“ von Una Hepburn
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Translation“ und „Relative“ von Una Hepburn
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14:22 11.10.2019
Geht verschlungene Wege: Una Hepburn in der Petrikirche. Quelle: Tim Jelonnek
Lübeck

Im Frühjahr sah die Petrikirche anders aus. Da hatte sie Jonathan Meese mit allerlei Kultur- und Strandgut bevölkert. Jetzt ist sie aufgeräumt und leer. Nur oben in dem hohen weißen Raum hängen 16 Transparente, Arbeiten von Una Hepburn. Bilder und Sprache sind darauf zu sehen. Und Bilder, Sprache sowie ihre Beziehung zueinander sind genau das, was sie interessiert. „Translation“ und „Relative“ heißt ihre Doppelausstellung, die Sonntag in St. Petri und in der Overbeck-Gesellschaft eröffnet wird.

Premiere in Lübeck

Una Hepburn war schon an Gruppenausstellungen beteiligt, momentan werden Arbeiten von ihr auch in der Hamburger Galerie Genscher gezeigt. Die Lübecker Schau aber ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 13. Oktober. Zunächst um 15.30 Uhr in der Petrikirche, dann um 17 Uhr in der Overbeck-Gesellschaft. „Relative“ in St. Petri ist bis zum 10. November zu sehen, „Translation“ im Overbeck-Pavillon bis zum 19. Januar kommenden Jahres.

Una Hepburn ist 24, in Belgrad geboren, in den Niederlanden aufgewachsen und lebt in Berlin. Sie hat dort an der Universität der Künste Bildende Kunst studiert und betreibt jetzt per Fernstudium an der Universität in Bristol Übersetzungswissenschaft. An der UdK ist Overbeck-Direktor Oliver Zybok auch auf sie aufmerksam geworden, und nun ist sie die jüngste Künstlerin seit Jahren, deren Arbeiten die Gesellschaft zeigt.

(Kunst)liche Intelligenz

Die Kunst Una Hepburns geht verschlungene Wege. Bei den Arbeiten in St. Petri hat sie mit vier Begriffen aus einem alten Buch gearbeitet, dem 1930 erschienenen „Sprache, Denken und Wirklichkeit“ des amerikanischen Linguisten Benjamin Lee Whorfs. Die hat sie nacheinander in das Computerprogramm AttnGAN eingegeben, und zwar auf Deutsch, Englisch, Serbisch und in der alten Sprache der Hopi-Indianer. Das Programm übersetzte die Worte in Bilder, die sie vergrößert und auf die Transparente gedruckt hat. Jetzt hängen sie in der Kirche wie abstrakte Malereien, und manchmal, sagt sie, wird sie selbst nicht schlau aus ihnen.

Weil das Computerprogramm aber ein lernendes ist und bei jedem Schritt den vorherigen mitnimmt, sind die Ergebnisse auch jeweils andere. Aus „er schwankt“ etwa wird „er kreist immer wieder umher“; „es macht eine Welle oder einen Schwall“ verändert sich zu „es wirft sich in Wellen, es wirft sich ein Meer hoch“. Und immer verändern sich auch die Bilder dazu.

Fast Holographien

Die Werke in der Kirche sind neu, die in der Overbeck-Gesellschaft etwa zwei Jahre alt. Auch dort arbeitet sie mit Algorithmen. Sie hat ein Wort genommen, ein ganz profanes wie „Fahne“ etwa, es bei Google eingegeben und ein Bild geliefert bekommen. Das hat sie dem Programm DeepDream überlassen und wiederum neue Bilder gewonnen. Die ersten fünf oder zehn hat sie übereinander gelegt und zu Drucken verarbeitet, die eine seltsame Sogwirkung entfalten und fast holographischen Charakter haben.

Es geht also in die Tiefe bei Una Hepburn. Und um den Zufall, so wie es bei den getropften Bildern von Jackson Pollock auch um Zufall ging. Und es ist ein Spiel mit Algorithmen, das sie betreibt. Sie liefert sich ihnen aus und schaut, was passiert. Da sind also fremde Mächte am Werk, die sie zwar bremsen kann, indem sie die gelieferten Ergebnisse der Computerprogramme verwirft, aber in der Regel lässt sie die Prozesse gewähren: „Was rauskommt, kommt raus.“ Sie hat kein grundsätzliches Problem mit Technik und misstraut eher der gerade auch in Deutschland anzutreffenden Kritik daran. „Ich bin nicht naiv“, sagt sie, „aber ich finde es spannend.“ Und es müsse ja nicht immer schlecht sein.

Macht der Bilder

Trotzdem sind Algorithmen nicht freischwebend und unschuldig. „Es steckt eine Absicht dahinter“, macht Petri-Pastor Bernd Schwarze deutlich. Irgendwer hat ein Interesse, das sich hinter dem programmierten Regelwerk verbirgt. Das müsse mitdenken, wer sich in der digitalen Welt bewegt.

Es geht also auch um die Macht der Bilder und die Manipulation durch sie, sagt Overbeck-Direktor Zybok. Das sei nicht neu und eine gebräuchliche Technik. Aber man müsse kein geschulter Fachmann mehr sein, um etwa wie zu Sowjetzeiten verfemte Mitglieder des Politbüros aus Fotografien zu retuschieren. Heute könne das jeder mit ein paar Mausklicks.

Von Peter Intelmann

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