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Kultur im Norden Und ewig lockt der Diskurspop
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21:10 16.03.2013
Von Alexander Boesch
Hamburg

Die junge Frau in der Großen Freiheit ist sichtlich aufgekratzt. Mehr als 20 Mal habe sie ihre Lieblingsband bereits live erlebt. Damals, beim ersten Konzertbesuch als Teenager, hätten sich Bandmitglieder sogar mit ihr unterhalten und sich mit Autogrammen auf ihrer Jacke verewigt. Dieser Tage, verrät sie, könne man Keyboarder Rick McPhail ab und an im Hamburger Schanzenviertel treffen, er auf dem Skateboard, sein kleiner Sohn neben ihm hertrottend.

Die Besucher in dem bei beiden Konzerten am Freitag und Sonnabend ausverkauften Kiezclub verbinden etliche solcher Anekdoten mit Tocotronic. Vor genau 20 Jahren startete die Band ihre Karriere mit schrammelndem Indiepop und eigenwilligen Titeln wie „Ich will Teil einer Jugendbewegung sein“. Die popintellektuelle Presse überschlug sich und belegte die Musiker, die durch höfliche Ansagen auffiel und in Trainingsjacken, Cordhosen und mit Seitenscheitel auftraten, wahlweise mit Attributen wie „Hamburger Schule“, „Diskurspop“ oder „Akademikerdisco“.

Nach 20 Jahren im Popzirkus und zehn Alben kann Sänger Dirk von Lowtzow offenbar nicht mehr anders, als seine Bühnenansagen ironisch zu machen. „Wir sind die Rockband Tocotronic“, verkündet der 42-Jährige mit pathetischen Gesten und wirft hohnlächelnd Kusshände in die Anhängerschaft — Parodie eines Popstars. Zum druckvollen Gitarrensound und dem wummernden Bass von Jan Müller kündigt der Wahlberliner die Titel an. Da gibt es einen „Protestsong gegen den Tod, das alte Arschloch!“ („Abschaffen“), eine „Reise ins Herz der Finsternis“ ( „Auf dem Pfad der Dämmerung“) oder die Ode „an alle heimatverwilderten irrlichternden Menschen“. „Ich mag die Tiere nachts im Wald, wenn sie flüstern, dass es schallt — aber hier leben, nein danke!“, bölkt der Sänger ins Mikrofon. Lyrische Ergüsse, die zum unergründlichen Kosmos von Tocotronic gehören.

Nach dem Nummer-eins-Album „Schall und Wahn“, dem letzten Longplayer ihrer Berlin-Trilogie, setzte die Band mit „Wie wir leben wollen“ auf den nostalgischen Retrosound einer alten Vierspurmaschine.

Beim Konzert ist von den Echos und Verschleifungen, die die Studioaufnahmen prägten, nur bedingt etwas zu hören. Im Hintergrund flimmern Comics, Animationen und Kurzfilme, dazu Wortfetzen wie „Sag alles ab“ oder „Lucifer“.

Tocotronic spielt mit „Let there be rock“ mittlerweile die vierte Zugabe. „Ihr kennt keine Gnade“, freut sich von Lotzkow und scheint für einen Moment ganz ohne Ironie ergriffen zu sein.

Alexander Bösch

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