Unter Lehrern - Comedy mit Bastian Bielendorfer
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18:32 09.05.2019
„Mein Vater schickt mir heute noch meine Emails korrigiert zurück und wirft mir zuweilen drohende Legasthenie vor“: Bastian Bielendorfer Quelle: hfr
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Lübeck

Bastian Bielendorfer (34) wuchs auf in einer Lehrerfamilie im Ruhrpott und studierte später selbst auf Lehramt, dann Psychologie. Seine Kindheit verpackte der Wahlkölner im Bestseller „Lehrerkind - lebenslänglich Pausenhof“, nachdem Verlage durch einen skurrilen Auftritt bei „Wer wird Millionär?“ auf ihn aufmerksam wurden. Mit seinem neuen Comedyprogramm „Lustig, aber wahr“ gastiert Bielendorfer am 16. Mai in Lübeck im Kolosseum.

Herr Bielendorfer, Ihr Trittbrett zum Erfolg war ein Auftritt bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ im Jahr 2010. Eine besondere Rolle spielte die Reaktion Ihres Vaters, den Sie als Telefonjoker eingesetzt hatten...

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Das war bei der 8000-Euro-Frage. Mein Vater meinte mürrisch, sein Sohn müsste ja wohl adoptiert sein, wenn er bei einer so geringen Gewinnstufe schon Hilfe braucht. Nach der richtigen Antwort hat er grußlos aufgelegt, da hat sich Günther Jauch natürlich ganz schön gewundert. Ich habe dann gesagt, dass ich als Kind zweier Lehrer schon allerlei absurde Sachen erlebt habe und darüber ein ganzes Buch schreiben könnte.

...das zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht existierte.

Stimmt, ich hatte dummerweise gesagt, das Buch hätte schon in der Schublade gelegen – was gelogen war. Während der Ausstrahlung riefen dann die ersten Verlage an und bekundeten Interesse. Da musste ich mich natürlich etwas beeilen, habe es dann aber doch geschafft. Mit dem Piper-Verlag wurde ich dann handelseinig.

„Lehrerkind - Lebenslänglich Pausenhof“ war 2012 das meistverkaufte Sachbuch des Jahres, 2013 kam der Nachfolger „Lebenslänglich Klassenfahrt - Mehr vom Lehrerkind“. Hatten Sie mit dem Erfolg gerechnet?

Zuerst lief der Verkauf schleppend, da hatten sich nur etwa 5000 Exemplare verkauft. Es hat eine Weile gedauert, dann gab es Auftritte bei Plasberg, bei Lanz und so weiter. Dass das Ganze so durch die Decke ging, kam für alle überraschend.

Sie beschreiben, wie seltsam es war, wenn die Eltern morgens zur Arbeit fuhren und man fuhr als Kind wie selbstverständlich mit. Ihre Eltern seien ziemliche Klugscheißer gewesen . . .

Mein Vater schickt mir heute noch meine Emails korrigiert zurück und wirft mir zuweilen drohende Legasthenie vor (lacht). Bei Familienfeiern hatten sich die Lehrer je nach Schulform an einen Tisch gesetzt, die Realschullehrer an den einen, die Gymnasiallehrer an den anderen und so weiter. Dann wurde gegenseitig gewetteifert, wer besser Walther von der Vogelweide oder andere spätmittelalterliche Literatur zitieren kann.

Zu Ihren weiteren Publikationen zählen „Mutter ruft an - Mein Anschiss unter dieser Nummer“ und „Papa ruft an“. Wie unterschieden sich die Anrufe der beiden ?

Meine Mutter hat eigentlich täglich angerufen und eindeutig mehr geredet als mein Vater. Sie fragte auch schon mal, ob man Emails auch am Wochenende verschicken kann. Oder es gab Standpauken: Ich sollte doch mal im Fernsehen den Bauch einziehen oder endlich erwachsen werden, Opa wäre in meinem Alter schon zweimal verwundet gewesen. Bei meinem Vater waren die Gespräche eher intellektuellerer Natur.

War man im Elternhaus nicht sauer wegen dieser Indiskretionen ?

Nein, da war keiner sauer. Ich wollte mit dem Buch ja niemanden kränken. Meinen Eltern hab ich den Text vorgelegt, sie waren mit allem einverstanden. Ich respektiere den Lehrerberuf abgesehen davon absolut. Das Problem sind heute oft die Eltern, die glauben, dass die Lehrer alles kompensieren müssen, was sie selbst versäumt haben.

Ihre ersten Auftritte begannen als Lesungen. Wie kamen Sie auf die Idee, ein Comedyprogramm daraus zu machen?

Die ersten Auftritte hatten noch reinen Lesungscharakter, wobei ich auch da schon oft frei gesprochen habe. Als ich mich dann in der Stand-Up-Comedy versucht habe, hat das auf Anhieb gut geklappt. Dann hab’ ich Lust bekommen, das zu erweitern zu einem vollständigen Abendprogramm.

In Ihrem neuen Programm „Lustig, aber wahr“ finden auch der augenscheinlich großartige Humor Ihrer Oma Erwähnung . . .

Ja, das ist Vollgascomedy mitten im Leben! Meine Großmutter war wirklich unglaublich komisch. Einmal war ich mit ihr bei einer katholischen Beerdigung. Dort wurde eine Nonne beerdigt, die 106 Jahre geworden war. Ich erinnere mich, dass mir als Kind damals dieses Alter unfassbar hoch vorkam und ich meine Oma fragte, warum die Frau denn so alt geworden wäre. Sie meinte darauf ganz trocken: „Na der Herrgott wollte sie wohl nicht ungeöffnet zurücknehmen“.

Sie betreiben einen Podcast mit Ihrem Freund Richard Remford namens „Alliteration am Arsch“. Was hat es damit auf sich?

Richard ist Doktor der Physik, wir sind schon lange befreundet. Weil unsere Vor- und Nachnamen beide mit den jeweils selben Buchstaben beginnen, kamen wir auf den Begriff „Alliteration am Arsch“. In einer Folge ging es auch um die Kobold-Krankheit, die ich auch gern in den Stand-Ups erzähle.

Diese Geschichte klingt reichlich bizarr . . .

Ist aber wahr! Über diese Krankheit gibt es wirklich eine Doktorarbeit. Darin gibt es über 60 Fallbeispiele über Männer, die ihren Penis in einen Kobold-Staubsauger gehalten haben. Der Kobold hat als einziger Staubsauger der Welt an der Düse einen kleinen Mixer. Es gibt einen Fall, da war der Vater zu Besuch bei seinem Sohn, der sich auf diese Weise „die Wurst püriert“ hatte. Der Vater hatte die Geschichte partout nicht glauben wollen - und das dann selbst am Kobold ausprobiert. Am nächsten Tag landete er selbst im Krankenhaus, im Bett neben seinem Sohn! Ich glaube, keine Frau würde auf die Idee kommen, ihre Brust in den Thermomix zu halten.

Sie haben erst auf Lehramt studiert, abgebrochen und dann Psychologie mit Diplom studiert. Hilft Ihnen diese Menschenkenntnis, wenn Sie an einem Comedyabend das Publikum ironisch einbeziehen?

Das kommt einem höchstens indirekt zugute. Es kommt eh in den seltensten Fällen vor, dass sich jemand angegriffen fühlt. Das ist ja ein gutes Gefühl als Comedian, wenn man die Leute zum Strahlen bringen kann. Es ist nicht mein Ziel, jemanden zu erniedrigen auf der Bühne oder mich über ihn zu erheben, das ist kein probates Mittel der Komik. Abgesehen davon bin ich so ein Klump von zwei Metern mit Babygesicht, da hat man keine Angst vor mir. (lacht)

Würden Sie sich denn letztlich eher als Autoren oder als Komiker bezeichnen?

Ein klassischer Autor bin ich ohnehin nicht. Ich mag die Bühnenarbeit, dass man on stage flexibel sein und improvisieren muss. Mittlerweile hat mein Soloprogramm längst nicht mehr ausschließlich mit meinem ‚Schicksal’ als Lehrerkind zu tun. Natürlich gibt es bestimmte Positionen oder Textbausteine, mit denen ich noch mal meinen Hintergrund erläutere, aber ich widme mich auch vielen anderen Themen. Wobei natürlich immer mal wieder Lehrer und Lehrerkinder im Publikum sind und sich nach der Show mit einem austauschen.

Alexander Bösch

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