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20:10 25.06.2018
Philipp Klapproth (Werner Becker) und sein schüchterner Neffe Alfred (Lukas Sager).
Philipp Klapproth (Werner Becker) und sein schüchterner Neffe Alfred (Lukas Sager). Quelle: Foto: Felix König

„Die meisten laufen frei rum“: Mit diesem Satz könnte man in etwa die Handlung des Schwanks zusammenfassen. Da geben sich (vermeintlicher) Wahnsinn und dessen Grenzfälle die Klinke in die Hand. Der naive Humor des Stücks trifft vorwiegend den Geschmack der älteren Generation. „Man geht mit einem Lächeln raus“, so formulierte es eine Besucherin.

Michael P. Schulz, Intendant der Sommeroperette, hat die Urfassung bearbeitet und Regie geführt. Er hat in dieser Produktion des Vereins Operette in Lübeck e. V. in Zusammenarbeit mit PST Entertainment ein großes Ensemble vereint. Unterstützung kommt von der Niederdeutschen Bühne und vom Volkstheater Geisler selbst: Tommy Geisler verkörpert sowohl den Kellner als auch den Pensionswirt Schöller. Die typischen Elemente des Schwanks werden auf die Spitze getrieben. Die Figuren sind überzeichnet, die Handlung beginnt ruhig und steigert sich dann bis zum chaotischen und temporeichen Schlussakt. Den Darstellern wird viel abverlangt. Es wird pausenlos geredet, und der Schauspielschüler Lennart Mesenbring als Eugen Rümpel muss das laut Manuskript auch noch mit Sprachfehler. Jedes „L“ muss er als „N“ aussprechen – keine leichte Aufgabe.

In der Verwirrgeschichte um den prahlerischen reichen Kaufmann Philipp Klapproth (Werner Becker) aus der Provinz, der in Berlin mal eine echte Irrenanstalt besuchen will, überzeichneten die Darsteller ihre Charaktere unerschrocken und lustvoll zu Karikaturen. Komisch überzeugend war besonders der erfahrene Tommy Geisler, der in Gestik und Sprechweise oft an den großen Harald Juhnke erinnerte (der selbst als Klapproth auf der Bühne und im Fernsehen agierte). Werner Becker ließ den oberflächlich-dümmlichen Großstadt-Abenteurer ausgesprochen unsympathisch erscheinen, im letzten Akt dann mit wirrem Haar in den Irrsinn driften. Günter Lüdtke schien der aufbrausende Major a. D. Gröber auf den Leib geschrieben zu sein.

Nachwuchsdarsteller Lennart Mesenbring und Lukas Sager (als Klapproths schüchterner Neffe Alfred) zeigten eine geradezu energetische Lust an der Übertreibung. In weiteren Rollen waren Felix Müller als durchgeknallter Großwildjäger Fritz Bernhardy, Mona Hermes als selbstverliebte Schriftstellerin Josephine Krüger, Gaby Meier als Klapproths biedere Schwester sowie Franziska Blaß und Melina Petala als deren Töchter zu sehen. Oda Rose-Oertel

15 Vorstellungen gibt es bis zum 26. August. Die Sommeroperette präsentiert weitere Produktionen aus Musical und Operette.

Infos unter www.luebecker-sommeroperette.de

LN