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16:08 08.09.2018
Ein Moment des Glücks: Elisabeth (Rachel Behringer) und der Schupo (Vinzenz Türpe) in „Glaube, Liebe, Hoffnung“ am Theater Lübeck. Quelle: Marlene Meyer-Dunker
Lübeck

„Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth trägt den Untertitel „Ein kleiner Totentanz“. Davon war in der Inszenierung Lilja Rupprecht, mit der das Theater Lübeck am Freitag die Schauspielsaison eröffnete, leider nicht viel zu bemerken. Aus Horváths stillem Drama der Verzweiflung wurde ein schrilles und vor allem lautes Spektakel.

Horváths Drama erzählt von der jungen Elisabeth, die dabei erwischt wurde, ohne Wandergewerbeschein Handel zu treiben und zu einer Geldstrafe von 150 Mark verurteilt wurde. Um die Strafe zu zahlen, will sie ihre Leiche an das Anatomische Institut verkaufen. Der Handel gelingt nicht, der Vizepräparator leiht ihr die 150 Mark, dass sie das Geld für die Strafe benötigt, sagt ihm Elisabeth nicht. Als der Präparator davon erfährt, verklagt er die junge Frau, sie bekommt 14 Tage Gefängnis. Später verliebt sie sich in einen Polizisten, ihm erzählt sie nicht, dass sie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Als der Polizist davon erfährt, verlässt er sie – Elisabeth nimmt sich das Leben.

Eine düstere Geschichte also, sie entstand in der Zeit der Großen Depression, sie ist in gewissem Sinne sogar ein Volksstück, zumal sie auf tatsächlichen Ereignissen basiert. Von Verzweiflung ist in der Inszenierung von Lilja Rupprecht nicht viel zu bemerken. Sie bringt einen bunten Bilderbogen auf die Bühne, die Schauspieler agieren nicht wie Verzweifelte, sondern wie Marionetten unter dem Einfluss von Amphetaminen.

Das Schlimmste an dieser Inszenierung aber ist, dass die Darsteller fast pausenlos schreien müssen. Die Vertreter der Autoritäten ebenso wie die Dulderin Elisabeth, die aus dem System gefallen ist und sich in einer Spirale des Niedergangs befindet. Aus der Dulderin wird eher eine Wahnsinnige, die sich nicht aus Verzweiflung, sondern aufgrund ihrer Psychose das Leben nimmt. Dabei ist die Szene mit Elisabeths großem Monolog, in dem sie ihre letzten Momente des Glücks rekapituliert, noch die stärkste des Abends. Hier macht auch der Bühnenaufbau Sinn. Paula Wellmann, die auch die Kostüme schuf, hat eine schwarz begrenzte Guckkastenbühne gebaut, in die die Kästen mit den Spielorten hinein gefahren werden. In Elisabeths Monolog-Szene, fährt der Kasten immer weiter zurück in den Bühnenhintergrund – so verabschiedet sie sich von der Welt. Die Schauspieler tragen eng anliegende Gummimasken. Das macht bei den Vertretern der austauschbaren Autoritäten Sinn – Elisabeth, der einzige Mensch in diesem eigentlich düsteren Spiel, aber verliert so ihr menschliches Antlitz. Ein Fehlgriff.

Schauspielerisch ist dieser Theaterabend beeindruckend. Vor allem Rachel Behringer, der das permanente Schrei-Gebot hörbar Unbehagen bereitete, beeindruckt in der Rolle der Elisabeth. Sie ist wie alle anderen Akteure auf ihre Körpersprache angewiesen und löst ihre Aufgabe ganz ausgezeichnet. Ebenso Astrid Färber als Gattin des Amtsgerichtspräsidenten darf sogar einen Hauch von Menschlichkeit in ihre Rolle einbauen. Vinzenz Türpe als zackiger Schupo muss warum auch immer ohne Uniform auskommen, nur ein Funkgerät kennzeichnet ihn als Vertreter der Staatsmacht. Türpe macht viel aus seiner Rolle, er ist so zackig ungelenk auf dem nach oben, dass man es fast glaubt. In den Nebenrollen überzeugen Matthias Hermann. Jan Byl Johann David Talinski, Magdalena Helmig und Maximilian Hildebrandt in jeweils mehreren Rollen.

Am Ende war der Applaus freundlich. Aber mehr auch nicht.

Nächste Aufführungen heute (18.30 Uhr) sowie am 28. September (20 Uhr).

Jürgen Feldhoff

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