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Kultur im Norden Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ im Klimawandel
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16:28 29.11.2019
Mojib Latif wies in Lübeck auf die Folgen des Klimawandels hin. Quelle: Muk
Lübeck

Die Kombination lag nahe, denn einen Winter wie ihn Vivaldi in Tönen und Versen beschrieb und wie ihn unsere Generationen noch aus Erinnerungen kennen, werden unsere direkten Nachfahren, so Latif, nicht mehr erleben dürfen, wenn der wachsenden Aufmerksamkeit an der Thematik des Klimaschutzes nicht umgehend erhebliche Taten folgen. Der Professor an der Kieler Universität legte in Reden die wichtigsten Grundkenntnisse des Klimawandels dar, schilderte die Problematik einer nicht wahrnehmbaren, abstrakten Veränderung der Atmosphäre, die deshalb so schwer an die breite Bevölkerung zu vermitteln sei und klagte Akteure sowohl der internationalen, als auch der deutschen Politik als unzurechnungsfähig an. Im Gegenzug warb er aber auch für die vielfältigen Möglichkeiten, die die moderne Forschung der Erderwärmung entgegenzusetzen hat. Diesen Ideen war eine Ausstellung überwiegend regionaler Betriebe und Vereine vorweggegangen, die in der Rotunde an vielen Ständen über Nachhaltigkeit und faire Produktion informierten.

Von Singvögeln und Flugscham

Auf die Vorträge folgten die vier Violinkonzerte über die vier Jahreszeiten. Christoph Flamm, Professor für Musikwissenschaft an der Musikhochschule leitete jedes Werk mit eigenen Interpretationen der zugrunde liegenden Sonette von Vivaldi ein, in denen er zynisch zugespitzt die barocken Motive auf unsere heutige Zeit transponierte – die Singvögel flögen im Winter nicht mehr in den Süden, das täten nur noch Menschen ohne Flugscham. Der folgenden Darbietung des sechsköpfigen Ensemble arte frizzante und der Violinistin Abbie Mcdonagh zollte das Publikum enthusiastische Anerkennung: Die Musiker spielten einprägsam den Charakter jedes Satzes voll aus, nutzten exotische Spielweisen für theatralische Effekte und schufen eine transparente dynamische Balance zwischen Solistin und Ensemble. Diesen Mut schätzten die über 1000 Besucher genau so wie die 400 Schülerinnen und Schüler, die durch die Unterstützung der Weiland Stiftung das Konzert kostenlos besuchen konnten.

Epilog – als in der Zugabe zuletzt die extremen sul-punticello-Klänge des ersten Winter-Satzes die Luft des Saals durchwehen, verbinden sich Musik und Atmosphäre zu einem fragilen und bedrohten Ganzen.

Von Jakob Rieke

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