Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Vom Bikertreff zum Szene-Club: Riders Café Lübeck
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Vom Bikertreff zum Szene-Club: Riders Café Lübeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:33 13.11.2018
Kai-Uwe Meyer hat das Riders Café 1985 als Bikertreff eröffnet. Foto: Felix König
Anzeige
Lübeck

Joja Wendt, der gestern die Lübecker MuK gefüllt hat, war hier. Frank Zander und Abi Wallenstein haben im Riders gespielt, Olli Schulz, Rosenstolz, Kraftklub und Casper. Kay-Uwe Meyer erzählt gern von den alten Zeiten. Als sich Biker hier am Rande der Stadt trafen, Jamsessions veranstalteten. Kay-Uwe Meyer liebt Musik und er liebt Motorräder, aus diesem Grund hat er vor 33 Jahren das Riders eröffnet – erst als Bikertreff, dann als Bühne. Er hat die Räume erweitert, modernisiert, besser ausgestattet, aber ein bisschen fühlt man sich hier zurückgebeamt in die 1980er und 90er Jahre.

Dabei ist dieser Club völlig up to date, denn was da draußen im Land gerade nicht zu funktionieren scheint, klappt im Kay-Uwe-Meyer-Universum: das Nebeneinander von völlig unterschiedlichen Stilen und Haltungen. Techno, House und Goa Partys, R‘n‘B, Jazz und Soul, Hip­Hop und der Mann an der Gitarre.

Anzeige
Singer-Songwirter Ingo Pohlmann kommt am 8. Dezember ins Riders. Quelle: ddp/INTERTOPICS

Gestern waren sechs Liedermacher da, am 16. November kommen Rookies & Kings mit Deutschrock, einen Tag später Loop 7 mit Hip Hop, und am 24. November steht King Orgasmus mit Porno-Rap auf der Bühne. Nicht jugendfrei, aber so gut wie ausverkauft.

Steiner und Madlaina sind ein freches, energiegeladenes Indi-Pop-Duo aus der Schweiz mit großem Potenzial: am 24. Januar im Riders. Quelle: hfr

Lübeck ist eine C-Stadt

Das ist nicht immer so, und es ist nur Meyers Idealismus und Leidenschaft zu verdanken, dass der Laden immer noch läuft. Nicht selten buttert er Geld rein, steht Backstage selbst in der Küche, kocht und schmiert Schnittchen. Lübeck habe es verpasst, nach dem Mauerfall zum Zentrum im Dreieck Kiel, Hamburg, Rostock zu werden, sagt er. Es sei immer schwerer, gute Leute nach Lübeck zu holen. „Hamburg, München, Berlin sind so genannte A-Städte für die großen Konzerte, Rostock und Kiel immerhin B-Städte. Und dann erst kommt Lübeck als C-Stadt.“

Doch Meyer hat seine Kontakte, und wer bei ihm als relativ Unbekannter angefangen hat, dem sagt er: „Wenn du berühmt bist, kommst du wieder.“ Und das nehmen durchaus viele Gruppen ernst. „Daniel Wirtz hat 2009 das erste Mal bei mir gespielt vor 50 bis 60 Leuten, beim dritten Konzert, als er durch die Sendung ,Sing mein Song“ schon bekannt war, war alles ausverkauft.“

Und für das nächste Konzert am 21. November hat Meyer nun die Kulturwerft Gollan gebucht. 800 Karten muss er verkaufen. „Das ist ein Risiko. Aber ich sage lieber, das ist eine Herausforderung.“

„Unsere Spielwiese ist größer geworden“

Was hat sich verändert seit den Anfängen? „Die Spielwiese ist größer geworden. Wir machen inzwischen Musik für drei Generationen, es gibt mehr Stilrichtungen.“ Kay-Uwe Meyer ist jetzt 58 Jahre alt.

Stammgäste im Riders: Die Waltons sind am 22. Dezember da. Quelle: hfr

An Rocker-Rente denkt er noch lange nicht, auch wenn das Geschäft schwieriger wird. „Ich würde das Riders Café gern enger in der Lübecker Kulturszene vernetzt sehen, die Clubszene allein ist viel zu klein in Lübeck.“ Für ihn gehört Clubarbeit genauso zur Kultur wie die Klassik oder die Museen.

Regelmäßige Treffen von Lübecker Kulturschaffenden, wie sie vor der angedachten Bewerbung zur Kulturhauptstadt stattfanden, wünscht er sich wieder, um die Kulturszene besser zu vernetzen. Denn die wäre viel ärmer ohne diesen Biotop für nachwachsende Künstler aller Art.

Petra Haase

Kultur im Norden Internationale Kunst in Lübeck - Possehl-Preis für Doris Salcedo
09.11.2018
Kultur im Norden Ausstellung in Ratzeburg - Die Magie des Nordens
11.11.2018
07.11.2018
Anzeige