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Kultur im Norden Warum lieben Sie Lübeck, Herr Hope?
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06:00 01.08.2019
Seit er zwölf Jahre ist, kommt Geiger Daniel Hope an die Trave – ab heute gibt er mit musikalischen Freunden zehn Konzerte in Lübeck.  Quelle: SHMF
Lübeck

Daniel Hope wurde 1973 in Durban, Südafrika geboren. Als er sechs Monate alt war, musste sein Vater, der bekannte Romanautor, Dichter und Anti-Apartheid-Aktivist Christopher Hope, mit der Familie das Land verlassen. In London fand Daniels Mutter einen Job als Sekretärin für den berühmten Geiger und Dirigenten Yehudi Menuhin, der vor 20 Jahren gestorben ist. In dessen Haus verbrachte Daniel als Kind sehr viel Zeit.

Welche Kindheitserinnerungen haben Sie an Yehudi Menuhin?

Menuhin war ein unglaublich liebenswürdiger Mann. Jemand, der sehr großzügig war, der nicht nur meiner Familie unendlich geholfen hat, sondern auch vielen andere Menschen. Seins war ein offenes Haus, in dem es ständig Musik gab, entweder von ihm oder von anderen Menschen, die ihn besucht haben. 

Haben Sie deshalb mit vier Jahren beschlossen, Geige zu lernen?

Ja, es hat sicherlich eine große Rolle gespielt. Die Geige war im Hause Menuhin omnipräsent. Als er davon hörte, dass ich Geige lernen wollte, hat Yehudi sogar meinen Eltern eine Lehrerin empfohlen, die auf Unterricht mit Kindern spezialisiert war.

Aber die wollte Sie zuerst nicht unterrichten.

Sie erklärte, ich sei noch zu klein. Wir sollten in einem halben Jahr wiederkommen. Ich sah die vielen Geigen an der Wand hängen, und als meine Eltern gehen wollten, habe ich einen Wutanfall bekommen und mich auf den Boden geschmissen. Dann hat mir die Lehrerin doch eine Geige in die Hand gedrückt. Seitdem spiele ich.

Wann hat Yehudi Menuhin Sie unter seine Fittiche genommen?

Er hatte mich lange aus der Ferne beobachtet, ich habe ab und zu mit ihm Unterricht gehabt und einmal ein Konzert mit ihm gegeben. Die wirkliche Zusammenarbeit begann aber erst, als ich 16 war und angefangen hatte, bei Zakhar Bron zu studieren. Menuhin war neugierig darauf, was Bron mir so beibringt. Als ihm klar wurde, dass ich die Musik sehr ernst nehme, hat er mir angeboten, mit ihm auf Tournee zu gehen. Er als Dirigent, ich als Solist, und dadurch entstand diese große Nähe. Wir haben bis zu seinem Tod über 60 Konzerte miteinander gespielt.

Wie war er als Lehrer?

Sehr spontan. Spontaneität steckte bei ihm in jedem Takt. Das war als Schüler nicht ganz einfach, weil er immer seine Ideen, seine Meinung geändert, nach neuen Wegen gesucht hat. Du wusstest nie, worauf du dich gerade einstellen musst. Seine Zeit war knapp, also war es sehr intensiv. Als ich auf Tour mit ihm war, waren die Proben und Konzerte jedoch viel mehr als Unterricht. Das war die beste Lehre, die ich bekommen konnte.  

Hat er Sie auch mal um Ihre Meinung gefragt?

Nicht, was Musik betrifft, aber oft bei anderen Themen. Er war sehr weltoffen, und ich interessierte mich für viele Sachen außerhalb der Musik. Dazu wollte er meine Meinung hören, sei es über Politik, Literatur, gesellschaftliche Themen. Zu Beispiel über die Situation in Südafrika, das Land, aus dem meine Familie verlassen musste. Meine Familie hat ihn nahegelegt, dass er unbedingt nach Südafrika wiederkehren soll. Das tat er auch. Wir haben gemeinsam dort gespielt, Nelson Mandela und Desmond Tutu kamen ins Konzert.

Er ist dann am 12. März 1999 sehr plötzlich gestorben. Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?

Wir haben ein paar Tage davor noch gemeinsam in Düsseldorf gespielt. Ich hatte schon in den Wochen davor gemerkt, dass es ihm nicht gut ging. Wir hatten ein Konzert in Warschau, da war er schon außer Atem und ziemlich müde, was für ihn untypisch war. Ich bin von Düsseldorf nach Hamburg gereist, er nach London, wir wollten uns dann in Berlin treffen. Meine Mutter hat ihn in Berlin vom Flughafen abgeholt und ihn sofort ins Krankenhaus gebracht, dort ist er kurze Zeit später gestorben. Sie war bei ihm bis zum letzten Moment und hat mich später am Nachmittag dann angerufen. Ich bin sofort zu ihr gefahren, wir haben zusammen mit seiner Agentur, Konzertdirektion Adler, die Rückführung nach England organisiert und sein Hotelzimmer im Kempinski ausgeräumt. Es war sehr emotional.

Sie haben dann auf seiner Trauerfeier in der Westminster Abbey gespielt.

Das war gar nicht einfach: auf der anderen Seite aber auch sehr schön, dass ich dabei sein durfte. Viele andere Künstler sind auch aufgetreten, es war wie ein Fest für ihn. Ich glaube, er hätte sich gefreut.

 Was war die wichtigste Lektion, die er Sie gelehrt hat? 

Es ist schwer, das in einem Satz zu sagen. Er hat natürlich fantastisch gespielt und Musik gemacht wie kaum ein anderer im 20. Jahrhundert. Aber es ging ihm vor allem darum, was Musik bedeuten kann. Er hat frühzeitig erkannt, dass Musik die Menschen berühren kann. Deshalb hat er den Verein  „Live Music Now“ 1977 gegründet, der in ganz Europa Musik aus den Konzertsälen holt und an Orte bringt, wo sonst keine Musik erklingt: ausschließlich ehrenamtlich tätige Mitarbeiter organisieren diese Konzerte in sozialen Einrichtungen wie etwa Krankenhäusern, Altenheimen, oder Behindertenstätten. Er hat mir vorgelebt,  dass ein Musiker auch ein soziales Gewissen haben muss.

 Das heißt, Sie spielen heute auch noch für Menschen an diesen ungewöhnlichen Orten?

   Ja, immer wieder, schon seit ich 15 Jahre bin. Inzwischen gebe ich jährlich Benefizkonzerte für eine Vielzahl wohltätige Organisationen.

 Ihr Musikfest in Lübeck ist eine Hommage an Yehudi Menuhin. Wie werden Sie an ihn erinnern?

Ich wollte Musiker nach Lübeck einladen, die Menuhin gut kannten und viel mit ihm gespielt haben. Das sind zum Beispiel Philip Dukes und Carla Maria Rodrigues. Dann gibt es Programme, die eine enge Verbindung zu ihm haben, etwa „East meets West“ am Freitag. Indische und europäische Musik zu vernetzen, das war eine große Vorliebe von ihm. Da spielt Ravi Shankars Meisterschüler Gaurav Mazumdar auf der Sitar mit, der mir die indische Musik nahegebracht hat. Es war mir wichtig, dass das Polish Chamber Orchestra dabei ist, das am häufigsten mit Menuhin unterwegs war – wir haben die letzte Konzerttournee Menuhins zusammen gespielt. Und auch das Kinderkonzert ist eine Verneigung vor ihm. Das Kinderbuch, „Vom König, vom Kater und der Fiedel“ haben mein Vater und Menuhin zusammen geschrieben. Ich habe 2019 den Komponisten Bruce Adolphe aus New York beauftragt, dazu Musik zu komponieren und in Lübeck gibt es nun am Sonntag die Welturaufführung. Darauf freue ich mich besonders.

 Sie haben in Lübeck studiert, sind schon fast Dauergast beim SHMF. Was hat sie hierher geführt?

Ganz klar zuerst mein damaliger Geigenlehrer Zakhar Bron, der eine Klasse  an der Musikhochschule aufgebaut hatte. Ich hatte Lübeck aber schon während des Schleswig-Holstein Musik Festivals bei Meisterkursen und Auftritten bei „Musikfesten auf dem Lande“ erlebt,  da war ich erst zwölf Jahre alt. Deshalb war Lübeck mir schon lange ein Begriff. Es war für mich eine fantastische Zeit an der exzellenten Musikhochschule. Deshalb war ich auch begeistert von der Idee, ein Musikfest in Lübeck für das SHMF zu gestalten. Es fühlte sich richtig an.

 Was lieben Sie an Lübeck?

Sehr viel! Die Stadt ist extrem vertraut, es gibt viele intensive Erinnerungen an das Studium und Auftritte. Und natürlich das Marzipan, was ich heiß und innig liebe. Ein Besuch bei Niederegger muss immer sein...

Mehr über die Konzerte und das Programm des SHMF lesen Sie hier

 

Petra Haase

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