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Kultur im Norden Was die Stasi auf der Insel Stintenburg trieb
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07:00 05.08.2019
Johann Graf von Bernstorff zeigt auf einem Luftbild die Stintenburginsel im Schaalsee, die der Familie seit 1740 – mit Unterbrechungen – gehört. Quelle: Foto: dpa
Stintenburg

Ein Seeadler kreist über tiefblauem Wasser, die Bäume links und rechts der Kopfsteinallee werfen dichte Schatten, und wenn man die kleine Brücke zur Insel im Schaalsee überquert hat, linkerhand das rote Brückenhaus sieht und in der Ferne im Park das Herrenhaus, scheint dies der perfekte Ort, um die Probleme der Welt zu vergessen. Als „Insel der froheren Einsamkeit“ hat der Dichter Gottlieb Klopstock die Insel 1767 nach einem Besuch in seiner Ode „Stintenburg“ beschrieben. Kaum vorstellbar, dass sich die deutsche Geschichte mit all ihren Untiefen genau hier auf der 400 Meter langen und maximal 190 Meter breiten Insel wie in einem Brennglas fokussiert. Der passende Stoff für einen Hollywoodfilm – immerhin gibt es nun ein Buch, das die facettenreiche Geschichte dokumentiert.

Idyllisch gelegen mitten im Schaalsee lädt die Insel Stintenburg zum Besuch ein – Jahrzehntelang durfte niemand ins ehemalige deutsch-deutsche Grenzgebiet.

Viele Adelsfamilien wohnten hier

Das Gut Stintenburg befand sich im 13. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Schwerin. Danach folgten Herzogin Christine Margarete zu Mecklenburg, die von Lützows, von Bülows und von Hammersteins, bis das Gut 1740 in den Besitz der Familie von Bernstorff gelang. Das heutige Gebäude des Herrenhauses, wurde in den Jahren 1810 bis 1817 auf den deutlich älteren Fundamenten eines möglicherweise schon im 14. Jahrhundert errichteten Vorgängerbaus errichtet.

Das Who is Who nordeuropäischer Entscheidungsträger

Wenn man mit Johann von Bernstorff im Wohnzimmer des lichtdurchfluteten Herrenhauses sitzt, fällt der Blick über den weiten Rasen direkt auf den Schaalsee. Von den Gemälden blicken die Altvorderen herab. Minister, Regierungspräsidenten, Diplomaten, Künstler – das Who is Who nordeuropäischer Entscheidungsträger.

Buchvorstellung am 8. August

Zu einer Buchvorstellung über die Geschichte von Insel und Schloss Stintenburg im Schaalsee und einem Gespräch mit dem Autor Dr. Wolf Karge laden die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur Anne Drescher und die Familie von Bernstorff am Donnerstag, 8. Juli 2019, um 17 Uhr.

Wo: Schloss Stintenburg, Klopstockweg 3, 19246 Zarrentin-Lassahn

Eintritt frei.

Das Buch Rittergut, Flüchtlingslager, Grenzerkaserne und Zentralschule des MfS für Grenzaufklärer. Schwerin 2019. kann für eine Schutzgebühr von sechs Euro bestellt werden unter

www.landesbeauftragter.de/publikationen/aktuelle-publikationen oder Telefon 0385-734006, Mail: post@lamv.mv-regierung.de.

Peter Ustinov wurde hier vor den Nazis versteckt

Über einen muss ausführlicher erzählt werden, Johanns Großonkel Albrecht Theodor Andreas Graf von Bernstorff. Er war als Diplomat in London, musste wegen seiner Anti-Hitler-Gesinnung zurück nach Deutschland und gehörte dort zu den bedeutendsten Angehörigen des Widerstandes aus dem Umfeld des Auswärtigen Amtes. Auf der Insel Stintenburg gab er jüdischen Familien Unterschlupf, unter anderem der Familie des Schauspielers Peter Ustinov. 1944 kam er ins KZ Ravensbrück und wurde noch Ende April 1945 von der SS ermordet. Die Stintenburg war bereits von den Nazis konfisziert worden. Die Familie musste das Haus verlassen.

Eliteeinheiten der DDR-Grenztruppen zogen ein

Nach Ende des Krieges fiel die Insel, die historisch zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg gehört, durch den englisch-sowjetischen Gebietsaustausch an Mecklenburg und gehörte zur Stadt Zarrentin. Der Schaalsee bildete die innerdeutsche Grenze – der real existierende Sozialismus zog auf der Insel ein. Dass sich hier im Niemandsland von 1973 bis 1988 die Zentralschule für Grenzaufklärer des Ministeriums für Staatssicherheit befand, blieb den wenigen im Sperrgebiet verbliebenen Anwohnern weitgehend verborgen. Die Spezialausbildung von Eliteeinheiten für die Grenztruppen der DDR wurde von der Stasi konspirativ organisiert. Die Zugehörigkeit sollte selbst für die ausgebildeten Grenzsoldaten nicht erkennbar sein. Der Schweriner Historiker und Autor Wolf Karge beschreibt in seinem Buch erstmals anhand vielfältiger Quellen, der Akten unterschiedlicher Archive sowie von Stasi-Unterlagen und zahlreicher Gespräche mit Zeitzeugen diese dunkle Zeit der Stintenburg.

Lecker speisen im „Eiland“

Das Frohe, Heitere dieses idyllischen Ortes im Biosphärenreservat Schaalsee, das Klopstock einst beschrieben hat, kehrte nach 1989 zurück. Die Bernstorffs sanierten die Häuser und den Park. Literatur zog bei mehreren Lesungen mit Günter Grass ins Herrenhaus ein. Das Restaurant „Brückenhaus“ lockte seit 2011 Gäste von Ost und West – nach kurzzeitiger Schließung ist es nun wieder als Bistro „Eiland“ mit regionalen, saisonalen Angeboten geöffnet – fernab des Alltagstrubels.

Petra Haase

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