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Kultur im Norden Was nach „Vergebung“ kommt
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20:10 25.08.2015
Romanautor Stieg Larsson (1954-2004). Quelle: dpa
Hannover

„Geheimnis, Verfolgung, Paranoia." Mit diesen Schlagwörtern wirbt der Heyne-Verlag für seinen Spitzentitel im Herbstprogramm. Denn ein Geheimnis umgibt diesen schwedischen Roman, der morgen gleichzeitig in 25 Ländern erscheinen wird: „Verschwörung“ wurde vom Autor auf einem Computer ohne Internetverbindung geschrieben und eigenhändig zum Verlag getragen, um zu verhindern, dass das Manuskript geklaut und vorzeitig veröffentlicht wird. Es gibt auch keine Rezensionsexemplare für Journalisten.

Bei „Verschwörung“ handelt es sich um die Fortsetzung der erfolgreichsten Krimireihe des 21. Jahrhunderts. Von Stieg LarssonsMillennium“-Trilogie mit den Titeln „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ wurden allein in Deutschland mehr als 8,5 Millionen Exemplare verkauft, weltweit mehr als 80 Millionen. Der schwedische Autor und Journalist des antifaschistischen Magazins „Expo“ erlebte den Ruhm nicht mehr. Er starb 2004. Seine Romane wurden posthum veröffentlicht.

Sie bestechen durch einen ungekünstelten Stil und außergewöhnliche Charaktere: Die geniale Hackerin Lisbeth Salander trägt ein dunkles Familiengeheimnis mit sich herum und ist zugleich taff und verletzlich. Das Merkmal der Einzelgängerin ist ein Drachentattoo auf dem Rücken. Das Motiv ziert auch das Cover des neuen Romans sowie die Werbeposter, die in den kommenden Wochen Bahnhöfe und Einkaufsstraßen pflastern werden. Salanders Gegenüber ist der Enthüllungsreporter Mikael Blomkvist, ein Alter Ego des Autors, der in seine Kollegin verliebt ist, die mit ihm schläft, aber mit einem anderen verheiratet ist.

Vor wenigen Jahren grassierte weltweit ein Millenniumfieber. Angeheizt wurde es durch gleich zwei Verfilmungen: Die schwedische mit Mikael Nyqvist als Blomkvist zählt in Skandinavien zu den erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten und verhalf der Lisbeth-Darstellerin Noomi Rapace zum internationalen Durchbruch. Die Hollywoodversion hatte Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen.

Zehn Bände hatte Larsson geplant. Mehr als zehn Jahre nach seinem Tod setzt nun ein anderer Autor seine Geschichte fort, der Schwede David Lagercrantz (52). Er wurde vom Vater und Bruder des Verstorbenen beauftragt. In einer Erklärung der Erben heißt es: „David ist ein talentierter Schreiber, der viele bizarre Charaktere und komplexe Genies porträtiert hat.“ Der in Deutschland kaum bekannte Lagercrantz hat vor allem Sachbücher geschrieben, etwa die Biografie des schwedisch-bosnischen Fußballspielers Zlatan Ibrahimovic. In einem Interview sagte er: „Mir war klar, dass ich mich blamieren würde, wenn ich versuchte, Larssons Stil zu kopieren. Insofern habe ich meinen eigenen Erzählstil beibehalten.“

Zur Handlung von „Verschwörung“ gibt der Verlag bislang nur so viel Preis: Frans Balder, weltweit führender Experte für künstliche Intelligenz, wird ermordet. Kurz vor seinem Tod hatte er Blomkvist brisante Informationen versprochen. Dieser stößt bei seinen Recherchen auf einen Softwarekonzern, der Verbindungen zur NSA unterhält. Ist das die Enthüllungsstory, die der strauchelnde Journalist so dringend braucht? Doch bei den Nachforschungen kommt ihm Lisbeth in die Quere, die ihre eigenen Ziele verfolgt. Im ersten Teil der „Millennium“-Trilogie — benannt nach Blomkvists Magazin — hatten die beiden noch gemeinsam versucht, das Schicksal einer verschwundenen Frau zu ergründen, sie waren sogar für kurze Zeit ein Liebespaar.

Die neue Geschichte stammt allein von Lagercrantz, obwohl Larsson den vierten Band seiner Reihe bereits zu drei Vierteln geschrieben haben soll. Doch seine Lebenspartnerin Eva Gabrielsson hält das Manuskript unter Verschluss. Die studierte Architektin sagte: „Stieg wäre furchtbar zornig über eine Fortsetzung, er hat nie jemanden an seinen literarischen Texten arbeiten lassen. Vielleicht schickt er einen Blitz zur Veröffentlichungsfeier.“ Gabrielsson war 32 Jahre mit dem Autor liiert, aber nicht verheiratet, weshalb ihr keine Rechte an den Werken zufallen.

Wird Lagercrantz die hohen Erwartungen der Larsson-Anhängern erfüllen? Immerhin greift er mit der NSA ein hochaktuelles Thema auf. Genau das richtige digitale Verschwörungsbiotop für eine Hackerin wie Lisbeth Salander.

Eine Krimi-Reihe, zwei Autoren
Stieg Larsson (1954-2004), war Herausgeber des linken schwedischen Magazins „Expo“. International bekannt wurde er nach seinem Tod mit den drei Krimis der „Millennium-Trilogie“.

David Lagercrantz, Jahrgang 1962, setzt die Reihe fort. Er war Journalist der Boulevardzeitung „Expressen“ und ist seit 1992 freier Schriftsteller.
„Verschwörung — Millennium 4“ von David Lagercrantz,
Heyne-Verlag, 608 Seiten,
22,99 Euro.

Nina May

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