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Kultur im Norden Weltpremiere im Full Dome: „Waterstories 360°“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Weltpremiere im Full Dome: „Waterstories 360°“
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12:03 01.11.2019
„Irre aufgeregt“: Wolf Malten arbeitet noch am Soundtrack für den Film „Waterstories“ der im Full Dome Premiere feiert. Quelle: Foto: 54°
Lübeck

Viel Schlaf bekommt Wolf Malten dieser Tage nicht. Auch die letzte Nacht war, drei Tage vor dem Start der Nordischen Filmtage, kurz. Bis um vier Uhr morgens hat der Mann mit den verstrubbelten grauen Haaren an Flügel und Mischpult gesessen und am Soundtrack getüftelt für den Film, der am kommenden Mittwoch Weltpremiere in Lübeck feiern wird: „Waterstories 360°“, ein 30-minütiges Marionetten-Märchen für den Full Dome.

Der Puppenspieler Wolf Malten ist vor 27 Jahren mit den Figuren abgetaucht ins Wasser und erzählt seitdem in Lübeck wundersame Geschichten mit seinen Marionetten, deren Bühne ein großes 3000 Liter Tauchbecken ist. Das Lübecker Wasser Marionetten Theater hat dem Puppenspiel neue Dimensionen eröffnet und will beim Filmfestival im neuen großen Full Dome eine weitere erobern: das 360°-Kuppel-Kino.

Wolf Malten: „Ich habe sofort Feuer Dome gefangen“

Es brauchte dazu nur eines kleinen Schubs von Ralph Heinsohn, dem Kurator des Full Dome-Programms, der zu einer Vorstellung des „Waterstories“-Programms ins Wassertheater gekommen war. Man kam ins Gespräch. Malten kannte die 360°-Projektionen nicht – hatte aber nach einem Gegen-Besuch im Full Dome sofort Feuer gefangen. Die Zeit war knapp, um das eigene Stück „Waterstories“ zwischen Tourneereisen und dem Spielplan in Lübeck filmreif zu machen. Vier Monate brauchte die Produktion, davon zwei Wochen Dreharbeiten mit einer 360°-Kamera. Etwa 20 Figuren kamen ins Spiel – unter körperlich äußerst forderndem Einsatz seiner Frau Anna. „Ich habe gefilmt, sie hat die Marionetten gespielt, mit vielen, vielen Takes hintereinander“, sagt Malten und beschreibt, welch geradezu athletischen Positionen Anna Malten einnehmen musste, um als Puppenspielerin nicht ins Bild der Rundumkamera zu geraten.

Multimediale Surround-Projektion im Kuppel-Kino

Noch drei Tage bis zur Premiere. Er sei „irre aufgeregt“, sagt Wolf Malten. „Es gibt sehr viele Unbekannte, die Soundmischung von Filmmusik und Live-Performance aus Text und Musik ist eine große Herausforderung. Normalerweise würde man für so ein Ding einen Monat proben, aber wir haben gar keine Vorlaufzeit, nur einen Durchlauf am Premierentag.“ Derzeit wechselt Malten zwischen dem Wassertheater, wo er die Filmmusik einspielt und abmischt, und Hamburg hin und her. Dort wird gerade der Film geschnitten und auf etwa 30 Minuten heruntergekürzt.

Mit fantastischen Bildern aus einer mystisch anmutenden Unterwasserwelt, mit Klangmalerei und gesprochenen Texten ist „Waterstories“ eine multimediale Surround-Projektion im Kuppel-Kino. „Wir sind froh, dass wir uns darauf eingelassen haben“, sagt Malten. „Das erschließt uns ganz neue Möglichkeiten für die ,Waterstories’. Sie erzählen von uns und dem Meer, unserer Herkunft und unserem Sein.“ Auf dem Flügel vor Wolf Malten steht ein großes altes Stundenglas, das Anna auf einem Trödelmark gefunden hat, wie eine Erinnerung daran, dass die Zeit bis zur Premiere unaufhaltsam verrinnt.

Vorstellungen im Full Dome

Waterstories wird bei den Filmtagen mit drei Projektionen im Full Dome zu sehen sein:

Mi., 30. 10., 19.30 Uhr

Do., 31. 10., 20 Uhr

Sa., 2. 11. 20 Uhr

Alle LN-Berichte, alle Filme online: ln-online.de/filmtage

Es erscheint auch im Film und setzt dort die Erzählung der „Waterstories“ in Gang. Es wird auch für Anna und Wolf Malten eine Premiere – sie haben die Filmbilder bisher nur auf dem Bildschirm gesehen. Wolf Malten plant auch eine längere Fassung für Projektionen in Planetarien und Kuppel-Kinos. „Das ist mein Ehrgeiz: Ich will mit den ,Waterstories’ in die Welt.“

Von Regine Ley