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Kultur im Norden Wie Brahms zum Bachianer wurde
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12:44 06.07.2019
Stefan Weymar (l.) und Wolfgang Sandberger vom Brahms-Institut haben die Ausstellung konzipiert. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Am Freitagabend wurde im Brahms-Institut der Musikhochschule Lübeck das diesjährige Symposium und die dazugehörige Ausstellung in den Räumen der Villa Brahms auf dem Jerusalemsberg eröffnet, die sich mit der engen Beziehung des Komponisten Johannes Brahms zu seinem Vorbild Johann Sebastian Bach auseinandersetzt. Der große Bach steht 2019 im Mittelpunkt des Schleswig-Holstein Musikfestivals.

Der Institutsleiter Wolfgang Sandberger führte in einem mehrteiligen Vortrag durch die vielen biographischen Stationen, die das Verhältnis Brahms-Bach charakterisieren, und verwies zuerst auf die vielfältige Rezeptionsgeschichte des Bachschen Werkes, die schon lange vor Brahms ihren Anfang nähme und weit über seine Tod bis in die Gegenwart hineinreiche. Für Brahms selber sei Bach bereits Bestandteil des ersten Klavierunterrichts gewesen, wie Sandberger an einer Abschrift der cis-Moll Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier belegte, einem zentralen Exponat der Ausstellung mit handschriftlichen Eintragungen, die Einblick in die Ausbildung des achtjährigen Klavierschülers geben.

Balanceakt für den Pianisten

Erfreulicherweise schloss sich an diese Ausführungen der direkte Eindruck der Musik an: Konrad Elser spielte die Fuge mit dem zugehörigen Präludium unter Berücksichtigung der historischen Eintragungen in einer empathischen Interpretation. Etwas später spielte er ein weiteres Werk, das Brahms‘ Betätigung als Bearbeiter bestehender Musik veranschaulichte, die herausragende Ciaconna d-Moll aus Bachs Sonaten und Partiten für Solovioline, die Brahms für das Klavier erschloss und den Pianisten vergleichbaren Herausforderungen aussetzt, wie den Violinisten, indem er ihn seiner starken rechten Hand beraubt – ein seltener Balanceakt, dieses Werk einhändig aufzuführen.

Dauerhafte Musik schreiben

Als Abschluss des Programms spielte Elser gemeinsam mit Ulf Tischbirek den dritten Satz der Sonate für Cello und Klavier op. 38 von Brahms, einer Komposition in der kombinierten Form einer Fuge und eines Sonatensatzes, die unverrückbar ihren Standpunkt vertritt und von dem Duo mit dem notwendigen Selbstbewusstsein ausgestattet wurde. Sandberger hatte zuvor von Brahms‘ Kontrapunktstudien gesprochen, mit denen sich der junge Komponist in die Lage versetzen wollte, ‚dauerhafte Musik‘ zu schreiben, die imstande ist, sich gegenüber dem modischen Zeitgeschmack langfristig durchzusetzen.

Die Ausstellung ist bis zum Dezember in der Villa Brahms zu besichtigen.

Jakob Rieke

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