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Kultur im Norden Wie Ester Kaiser mit Jazz Mut machen will
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08:00 05.09.2019
Esther Kaiser mit Roland Schneider (Drums), Tino Derado (Klavier), Marc Muellbauer (Bass) und Hasan Al (Kanun, v.l.). Quelle: Foto: David beercroft
Lübeck

Vier Tage lang hat Lübeck ab heute wieder den Jazz – vielversprechende junge Talente finden ihre Bühne ebenso wie renommierte Musiker. Aus Berlin kommt am Freitag Esther Kaiser mit ihrer Band in den Schuppen 6 – mit klarer politischen Haltung.

Frau Kaiser, Sie stellen in Lübeck Ihre „Songs of Courage“ vor und machen das Thema Mut zu Ihrem Programm. Was hat Sie inspiriert?

Der aktuelle Zeitgeist. Viele trennende Einflüsse kommen in die Gesellschaft. Ich erlebe einen härteren Umgang miteinander. Ich lebe zwar in Berlin, habe aber in Dresden eine Gesangsprofessur inne, und da habe ich schon vor einigen Jahren, als die Pegida-Bewegung aufkam, gedacht, dass man etwas tun muss dagegen. Mit unseren Mitteln, also der Musik, eine Botschaft in die Welt bringen, die rein über das musikalisch-virtuose Jazzelement hinausgeht.

Wie sind Sie auf die alten Protestsongs der 1960er, -70er Jahre gekommen?

Ich bin damit aufgewachsen, auf dem Plattenspieler meiner Mutter liefen die politischen Songs von Bob Dylan und Joan Baez. In Dresden habe ich Akram Younus Ramadhan Al-Siraj, einen jungen Cellisten aus Bagdad, und Hasan Al Nour, einen virtuosen Kanun-Spieler aus Damaskus, kennengelernt und sie in meine Berliner Band integriert. Daraus entwickelte sich dann dieser ganz neue Sound, der musikalische Welten verbindet.

Wie passen Joan Baez, Michael Jackson, David Bowie, Chick Corea und Jazz zusammen?

Wir zerlegen die Stücke in ihre Elemente und setzen sie auf unsere Weise wieder zusammen, harmonisieren oder rhythmisieren die Stücke neu, gehen damit kreativ um. Im Mittelpunkt steht immer die Essenz des Songs. Die Botschaft kommt klar rüber, aber in der Sprache des Jazz.

Alles rund ums Festival

Heute eröffnet das Horst Hansen Trio das Festival traditionell um 21 Uhr im „Live CV“ (CVJM Lübeck, Große Petersgrube)

Die Doppelkonzerte am Freitag und Sonnabend im Schuppen 6 an der Untertrave präsentieren Esther Kaiser & Band und „Rolf Kühn ‘Yellow + Blue‘ meets Eric Schaefer“ sowie „Le Bang Bang“ und die „Nighthawks“.Am Sonnabend geht es bereits um 11 Uhr los mit einem Konzert mit Benny Brown und Florian Galow auf dem Kirchturm von St. Petri. Alle Konzerte am Sonnabendnachmittag (und viele weitere) sind kostenfrei. Hier widmen die Veranstalter dem Jazz-Nachwuchs einen ganzen Konzertblock. In diesem Jahr wird zum 4. Mal der Lübecker Jazzpreis verliehen, gefolgt um 18.15 Uhr vom Preisträgerkonzert. Wer den Preis erhält, ist noch geheim.

Traditionen sind das Night Jazz-Konzert am Sonnabend ab 23 Uhr in St. Petri, in diesem Jahr mit den Lokalmatadoren Stefan Kuchel und Jan-Christoph Mohr, sowie der Jazzgottesdienst am Sonntag um 10.40 Uhr in St. Jakobi, in diesem Jahr mit dem Saxophon-Quartett „Q4“.

Weitere Informationen und Programm unter www.travejazz.de

Sie positionieren sich sehr stark politisch mit Ihren Songs – haben Sie damit auch schlechte Erfahrungen gemacht?

Nein, im Gegenteil. Ich hatte kürzlich erst im ländlichen Brandenburg ein Konzert, und da kamen hinterher Besucher zu mir und sagten, dass sie sich sehr gefreut hätten über die Lieder, die sie auch von früher kennen. Es kann natürlich auch sein, dass eher Leute mit diesem Hintergrund in meine Konzerte kommen.

Sind Sie eine mutige Frau?

Ach, das kann ich nicht beurteilen. Aber mir ist schon wichtig, dass man die Dinge nicht einfach so laufen lässt. Ich versuche, meinen Teil beizutragen. Vielleicht bin ich ein bisschen vorlaut.

Zum Beispiel?

Vor vielen Jahren mal in der Berliner U-Bahn. Da wurde ein Mann, der etwas anders aussah, von zwei Männern beschimpft. Ich bin aufgestanden und habe gefragt, was das soll und wurde dann auch noch beschimpft. Ich habe versucht, mit denen zu reden, das war vielleicht auch ein wenig naiv. Wenn ich sehe, dass jemand nicht gut behandelt wird, sage ich meine Meinung. Zivilcourage beginnt doch im Kleinen.

Sie haben nach dem Abi ein Psychologiestudium angefangen. Wie sind Sie dann zum Gesang und Jazz gekommen?

Ich hatte schon zu Schulzeiten gesungen und Musik gemacht, hatte mit 14 eine Band und habe Pop, Rock und eigene Songs gesungen. Mit 16 kam ich durch den Einfluss meines Lehrers zum Jazz. Das Psychologiestudium war eine Orientierungsphase, bevor ich mich ganz für die Musik entschieden und Musik studiert habe. Und dann hatte ich auch die Courage, als Musikerin zu leben.

Risiko statt Sicherheit, auch eine mutige Entscheidung.

Ja, mit 21 Jahren. Es war eine Entscheidung mit offenem Ausgang.

Wie man jetzt weiß, mit Erfolg. Waren Sie schon mal in Lübeck?

Ja, ich habe schon öfter im CVJM gespielt und langsam fühlt es sich wie ein Heimspiel an! Ich bin auch durch meinen Schwager, den Trompeter und Dozent Sven Klammer, ein bisschen mit der Lübecker Szene vertraut. Ich freue mich sehr auf Lübeck.

Mehr zum Travejazz Festival lesen Sie hier

Von Petra Haase

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