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Kultur im Norden Die witzigsten Oster-Eier im Norden
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17:54 28.02.2019
Die Welt im Ei in Eutin: die Hamburger Künstlerin Edda Henschel präsentiert eine Strandszene im Gänse-Ei.
Die Welt im Ei in Eutin: die Hamburger Künstlerin Edda Henschel präsentiert eine Strandszene im Gänse-Ei. Quelle: Lutz Roeßler
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Eutin

Ein nacktes Liebespaar im Himmelbett, Schach spielende Affen im Urwald, eine Beerdigung, Angler vor der Elbphilharmonie, Drachensteigen vor dem Eutiner Schloss, Spaziergang mit Krokodil im Palmenhain – es sind die verrücktesten Szenen, die Edda Henschel mit Millimeter kleinen Figuren und überbordender Fantasie und Liebe zum Detail in Hühner- und Gänseeiern inszeniert. 81 dieser Miniaturen kann man ab Freitag im Dachgeschoss des Ostholsteinmuseums Eutin begutachten.

Friedhofs-Ei

In den aufgesägten Schalen schnurrt die Hamburgerin Alltagszenen auf ein Minimum zusammen, und man sollte sich Zeit nehmen, um die kleinen Geschichten darin zu erkennen. Etwa beim Friedhofs-Ei, in dem Blumen auf einem Grab gegossen werden, ein Mensch beerdigt wird, zwei Trauernde stehen und ein vom Stein getroffener Mensch unter dem Schild „Achtung, Fassade bröckelt“ liegt.

Edda Henschel präsentiert ihre fantastischen Eier-Welten ab dem 1. März im Ostholsteinmuseum Eutin.

Paprikasamen als Fladenbrot

Seit 30 Jahren hat sich Edda Henschel auf die Eier-Welten spezialisiert. „Ich habe schon als Kind viel gemalt, immer sehr klein und detailtreu.“ Sie hat an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg studiert, in Galerien gearbeitet. „Es fing damit an, dass ich als Studentin Ostereier gestaltet habe, um ein bisschen dazu zu verdienen.“ Daraus hat sich ihre Leidenschaft entwickelt, die so einiges an frischen Markt-Eiern, Klebstoff und Material aus dem Modelleisenbahnladen kostet.

Für die Welt im Ei braucht Künstlerin Edda Henschel viel Material aus dem Bastelladen –und natürlich ein ruhiges Händchen.. Quelle: Lutz Roeßler

Viele Requisiten aber findet die Künstlerin so nebenbei: Stecknadelköpfe werden zu Tennisbällen, Streichhölzer umranden eine finnische Sauna. In „Der Scheich erwartet seine Gäste“ ist der Sandboden mit Miniaturabbildungen aus Teppich-Werbeprospekten ausgestattet, die kleinen Fladenbrote sind Paprikasamen, und die Fenstergitter im Mönchskloster hat sie aus einem vergoldeten Zitronen-Netz gebastelt.

Persönliche Eier-Miniaturen

Auch wenn einige Eier im Museum an Fäden hängen – Henschels Miniaturen sind keine Osterdeko. Bei Sammlern sind ihre Eier inzwischen begehrt. Edda Henschel entwirft auch persönliche Miniaturen, etwa für den Schauspieler Rolf Mautz oder den Maler Albert Schindehütte. Manche Idee setzt sie fix um, über anderen brütet sie manchmal tagelang, erzählt die temperamentvoll Künstlerin.

Für den besseren Blick auf Details liegen übrigens Lesebrillen und Lupen bereit, Kinder können bei einer Rallye Fragen beantworten.

Öffnungszeiten

Eröffnung 28. Februar, 18 Uhr mit Augustin M. Noffke.

Bis 28. April di-fr 14-17 Uhr, sa,so 11-17 Uhr geöffnet.

Die aktuellen Ausstellungen im Norden

Die große Jonathan-Meese-Schau in Lübeck, Erich Nolde in Seebüll, zehn Künstler zur „Figur im Raum“ in Ratzeburg – eine Vielzahl von Ausstellungen lockt derzeit Kunstinteressierte in den Norden.

Alle LN-Berichte dazu finden Sie hier:

Ostholsteinmuseum in Eutin: Kokoschka auf Reisen

Kunstraum K 70 in Lübeck: Heidi Nadenos Farbenspiele

Umstrittene Meese-Ausstellungen in Lübeck: Ist das Kunst?

Galerie Noffke in Ratzeburg: Wo Insekten zur Kunst werden

Atelier Siebert in Lübeck: Kunst aus Korken

Nolde-Stiftung in Seebüll: Noldes „Kleine Sonnenblumen“ sind zurück

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Petra Haase